19.08.2020 - 19:16 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Hochlandrinder die neue Attraktion in Tirschenreuth

Die "Storchenwiese" bei der Lodermühle ist seit Ende Juli das Zuhause von 19 Schottischen Hochlandrinder. Unter der Aufsicht von Landwirt Martin Wolf aus Immenreuth beweidet die Herde das naturgeschützte Areal.

von Lena Schulze Kontakt Profil

"Idylle pur" erwartet Landwirt Martin Wolf aus Immenreuth, wenn er morgens auf die "Storchenwiese" nahe Tirschenreuth kommt, um nach seinen 19 Hochlandrindern zu sehen. Seit Ende Juli beweidet die Herde die neun Hektar große Naturschutzfläche, die 2013 als Ausgleichsgrundstück für die Landesgartenschau entstanden ist. Bulle "Sandro" und die Mutterkühe mitsamt ihrer Kälber, die erst wenige Monate alt sind, hätten sich sofort auf der Weide wohlgefühlt, erzählt er.

Hier ein Video von den Schottischen Hochlandrindern:

Gemütliches Versteck

"Den Hochlandrindern hat es hier gleich gefallen", sagt der 50-jährige Besitzer. "Die haben hier alles, was sie brauchen." Im Schatten unter den Bäumen, Büschen und Sträuchern nahe des Teichs haben es sich die Tiere gemütlich und zeigen sich am Mittwoch in der Mittagssonne sehr ungern. "Cora" streckt einmal neugierig den Kopf mit den zwei langen Hörnern aus dem Unterholz.

Herde als Helfer

Nachdem dort längere Zeit eine Schafherde die Fläche beweidet hat, sind nun Wolfs Hochlandrinder die neuen Bewohner am Wander- und Fahrradweg. "Eine Attraktion", findet Bürgermeister Franz Stahl, der die Hochlandrinder am Mittwoch besuchte. Spaziergänger und Radler könnten die gemütlichen Tiere toll beobachten. Und: "Die Rinder nehmen uns sehr viel Arbeit ab", erklärt Stahl. Denn die Ausgleichsfläche könnte nur schwerlich gemäht werden und würde schnell verwildern. "Die Hochlandrinder sind prädestiniert für die Beweidung von Naturschutzflächen", freuen sich Stadtförster Stefan Gradl und Nicole Bergler von der Unteren Naturschutzbehörde über den neuen Pächter.

Die Naturschutzweide bei Tirschenreuth ist mittlerweile Martin Wolfs vierte. Insgesamt gehören ihm 37 Hochlandrinder, die auf vier verschiedenen Wiesen insgesamt rund 5o Hektar beweiden. Die neun Hektar große "Storchenwiese" ist das größte Areal, das Wolf gepachtet hat. Die drei weiteren Weiden liegen in der Nähe von Immenreuth. Vor rund 20 Jahren schaffte sich der Landwirt die ersten Hochlandrinder an. Besonders die ruhige, gutmütige und vor allem genügsame Art der Rasse faszinieren den Besitzer.

Elf junge Habichtskäuze wildert Johannes Bradtka mit seinem Team in diesem Sommer bei Kulmain aus:

Kulmain

Streicheleinheiten

Die Tiere versorgen sich auf der Weide selbst, fressen Kräuter und Gräser von der Wiese und trinken Wasser aus dem Teich auf dem Gelände. Auch wenn die Hochlandrinder pflegeleichter sind als andere Tiere, schaut Martin Wolf fast täglich nach der Herde. Obwohl es bisher noch nicht vorkam, könnte doch ein Tier krank oder verletzt sein. Besonders wichtig ist dem Landwirt der Bezug zu den Tieren. "Ich muss sie ja umsperren, von Weide zu Weide bringen. Da bin ich auf ihre Kooperation angewiesen", sagt der Immenreuther. Die Hochlandrinder sind ihm gegenüber zutraulich und lassen sich gerne kraulen und striegeln.

Unbeaufsichtigt sollten Besucher das Gehege dennoch nicht betreten. Denn Bulle "Sandro" beschützt die Herde und die Mutterkühe verteidigen ihre Kälber. "Letztens standen Spaziergänger mitten im Gehege und wollten ein Selfie machen", erzählt Wolf. Das könne durchaus gefährlich werden. Der derzeitige Zaun sei noch ein Provisorium, das demnächst einer festen Einzäunung weicht. Bis Oktober stehen die Hochlandrinder noch auf der Tirschenreuther Naturschutzfläche. Dann bringt sie Martin Wolf zurück auf eine Wiese mit Stall nahe seines Hofes. "Die kommen dann schon gerne mit auf den Hänger, weil sie wissen, dass es auf der neuen Wiese besseres Futter gibt", sagt Wolf. Im kommenden Sommer sind die Tiere dann wieder auf der Naturschutzwiese.

Information:

Nicht alle Tiere haben Namen

Die Schottischen Hochlandrinder, die in der Region eigentlich gar nicht beheimatet sind, gelten als gutmütig, robust und langlebig. Die im Vergleich zu anderen Rassen eher kleine und relativ leichte Rasse eignet sich besonders für die Beweidung von Naturschutzflächen. Landwirt Martin Wolf aus Immenreuth besitzt seit rund 20 Jahren Hochlandrinder. Seine älteste Kuh ist 13 Jahre alt, "und immer noch fit. Sie hat erst im Frühjahr wieder gekälbert." Nur den älteren Tieren gibt der Landwirt Namen. Der Bulle hieß schon "Sandro", als ihn Wolf kaufte. "Ich hätte ihn wahrscheinlich anders getauft." Eine ausgewachsene Kuh bringt bis zu 450 Kilogramm auf die Waage, ein Ochse bis zu 650 Kilogramm. Die Tiere werden zwischen 15 und 18 Jahre alt. Die Hochlandrinder wachsen sehr langsam, erklärt Wolf. Dadurch hätten sie aber eine sehr gute Fleischqualität. Ans Schlachten denkt er aber noch lange nicht, erst später sei eine Fleischnutzung angedacht. Der Immenreuther Landwirt betreibt zudem eine Biogasanlage und eine Milchvieh-Aufzucht.

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