28.04.2020 - 16:44 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Hohe Corona-Todesrate im Landkreis Tirschenreuth: Robert-Koch-Institut auf Spurensuche

Warum ist die Corona-Todesrate im Landkreis Tirschenreuth so hoch? Antworten sollen nun drei Mitarbeiter des Robert-Koch-Instituts liefern.

Um den Abstand in Coronazeiten zu wahren, tagte der Kreisausschuss diesmal im Großen Sitzungssaal des Landratsamts.
von Martin Maier Kontakt Profil

Im Kreisausschuss machte Landrat Wolfgang Lippert am Montagnachmittag deutlich, dass ihm im Zuge der Corona-Pandemie momentan zwei Dinge massiv aufstoßen. Zum einen lasse Ministerpräsident Markus Söder keine Situation aus, "Mitterteich beziehungsweise Tirschenreuth im selben Atemzug mit Ischgl als Virenschleuder zu nennen". Zudem würden die vielen Corona-Todesfälle im Landkreis Rätsel aufgeben. Aber damit gebe er sich nicht mehr zufrieden.

Daher hatte Lippert dem Robert-Koch-Institut geschrieben. Er pochte auf eine Untersuchung, "was an den permanenten Vorhaltungen dran ist", dass das Starkbierfest Mitterteich an der Ausbreitung des Coronavirus im Landkreis Schuld ist. "Zudem will ich, dass nachgegangen wird, warum die Sterberate im Landkreis so hoch ist."

Das Schreiben hatte offensichtlich Erfolg. Seit Montag hat das Robert-Koch-Institut (RKI) drei Epidemiologen nach Tirschenreuth geschickt, um Antworten auf die Fragen des Landrats zu finden. "Sie schauen sich das Infektionsgeschehen im Landkreis an und verschaffen sich ein Bild über die Lage", umschrieb Pressesprecher Wolfgang Fenzl am Dienstag die Aufgaben des Trios. Konkret gehe es um die hohe Infektions- und Todesrate.

Die drei Experten sitzen im Gesundheitsamt. Dort analysieren sie die vorliegenden Daten. Zudem würden die Epidemiologen auch im Kontakt mit dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) stehen. Einen Zeitraum für ihre Arbeit gebe es noch nicht.

Eigentlich waren die RKI-Mitarbeiter schon früher angekündigt. "Das war zugesagt", bestätigte Fenzl. Da der Landrat mit einem Schreiben nachgefasst habe, habe das Robert-Koch-Institut nun die Experten geschickt. Die Ergebnisse der Epidemiologen würden natürlich veröffentlicht. "Da gibt es keine Geheimnisse", sicherte der Pressesprecher zu. Davon unabhängig werde es, wie schon angekündigt, eine langfristige Corona-Studie für den Landkreis geben.

Als weiteres Thema sprach CSU-Fraktionschef Toni Dutz im Kreisausschuss die seit einigen Tagen unterschiedlichen Angaben des Landratsamts zu den Covid-19-Toten im Landkreis im Vergleich zum LGL sowie dem RKI an (wir berichteten). Auch andere Medien hatten das Thema aufgegriffen. Der CSU-Fraktionschef sah dadurch den Landkreis in ein schlechtes Licht gerückt. "Da müssen wir dagegen halten", forderte der Wiesauer Bürgermeister. "Da werden wir schon wieder in eine Ecke gestellt. Wir sollten uns das nicht mehr gefallen lassen."

Landrat Lippert stellt klar, dass durch diese Veröffentlichungsvariante "nichts vertuscht werde. Das ist vollkommener Blödsinn." Regierungsdirektorin Regina Kestel ging noch einmal auf die Unterschiede ein. Sogar LGL und RKI würden für den Landkreis nicht dieselben Zahlen ausweisen. Als Todesfälle zählen die beiden Einrichtungen Personen, die mit und an Sars-CoV-2 verstorben sind. Dahingegen würde das Gesundheitsamt Tirschenreuth nur die Zahlen von Personen veröffentlichen, "die tatsächlich an Corona verstorben sind".

Es gebe aber auch wieder positive Meldungen aus dem Landkreis. Dabei lenkte Kestel den Blick auf die Zahl der Corona-Infizierten. Die Steigerung habe sich deutlich verlangsamt. "Ich denke, wir haben den Peak übertroffen." Und der Landrat verwies darauf, dass bis Freitag schon in 10 Altenheime Corona-Tests durchgeführt wurden. Ergebnis: "Von 500 Tests waren nur 2 positiv. Ich glaube, dass sich die Welle abflacht. Und ich hoffe, dass es keine zweite gibt."

Hintergrund:

Aktuelle Coronazahlen

Nach den Zahlen des Landratsamts gibt es bisher 93 Corona-Tote im Landkreis Tirschenreuth (Stand: Dienstag, 28. April). Am Montag waren es 92. Höher liegen die Zahlen für den Landkreis beim Robert-Koch-Institut (RKI) mit 109 und beim Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) mit 107. Nach Angaben von Pressesprecher Wolfgang Fenzl gibt es im Landkreis 1106 bestätigte Covid-19-Fälle (Stand: Dienstag, 28. April). Das ist eine Steigerung um 5 Personen im Vergleich zum Vortag. 815 gelten mittlerweile als Genesen. (rti)

Die hohe Corona-Todesrate im Landkreis ist noch ein Rätsel:

Tirschenreuth

Coronazahlen des Vortags:

Tirschenreuth
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Christoph Driesner

Es waren doch schon zwei Virologen da die bestätigt haben dass das Starkbierfest schuld war.
Aber klar, solange rumlabern bis alles zu Brei zerredet ist damit er auch seine persönliche Verantwortung unter den Tisch kehren kann.

Herr Lippert, veröffentlichen Sie die Coronazahlen per Gemeinde anstelle Sie zu vertuschen. Sie wurden von den Bürgern einer Demokratie gewählt die ein Recht haben das zu wissen, sie sind der Landrat von Tirschenreuth, nicht der KP-Chef einer chinesischen Provinz, der schalten und walten kann wies ihm passt.

Gib einem Mann von kleiner Herkunft Macht und er wird sie missbrauchen... Dieser alte Spruch trifft auf Sie bestimmt zu Herr Lippert.

Immerhin: Früher wenn irgendwo auf der Welt eine Hamm-Walze rumstand und jemand auf die Herstellerplakete schaute hiess es: Tirschenreuth, wo ist das?
Heute heisst es: Ach Tirschenreuth, das war doch der Landkreis wo die unbedingt noch ein Starkbierfest feiern wollten...lol

Aber es ist sicher gut wenn die Virologen vom Robert-Koch-Institut nochmal nachforschen, sollten die nämlich die Ergebnisse ihrer Kollegen nochmals bestätigen, dass das Mitterteicher Starkbierfest der Auslöser war, dann wäre es an der Zeit, dass der Bayerische Städtetag sich mal um die causa Grillmeier-Starkbierfest kümmert und eventuell gibt das Ergebnis auch Anhaltspunkte, die eine erneute Aufnahme der strafrechtlichen Ermittlungen möglich machen.

02.05.2020