09.09.2021 - 15:36 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Immer mehr betrunkene Fahrradfahrer unterwegs

Die Polizeiinspektionen in Tirschenreuth und Waldsassen registrieren eine Zunahme von Alkoholdelikten bei Zweiradfahrern. Dass es sich nicht um ein Kavaliersdelikt handelt, zeigen die Strafen. Sogar der Autoführerschein kann weg sein.

Die Polizei kontrolliert verstärkt Radfahrer. Wer mit mehr als 1,6 Promille unterwegs ist, den erwarten hohe Strafen.
von Armin Eger Kontakt Profil

"Radfahrer auf der Staatsstraße von Wiesau nach Mitterteich in Schlangenlinie unterwegs. Alkomat zeigt deutlich über zwei Promille an." "Radfahrer betrunken in Waldsassen in der Nacht ohne Licht unterwegs." "30-Jähriger fährt mit seinem Fahrrad in Schlangenlinie auf der Prinzregentenstraße in Waldsassen. Alkoholtest ergibt einen Wert von über zwei Promille." Diese drei Fälle sind allein vergangenes Wochenende im Landkreis bekannt geworden. Und es werden mehr solcher Delikte. Dies bestätigen die Polizeiinspektionen in Tirschenreuth, Waldsassen. In Kemnath hingegen wurde diesbezüglich "keine negative Entwicklung bemerkt".

Diese Strafen drohen

Dass es sich um keine Kavaliersdelikte handelt, zeigt der Bußgeldkatalog. Bei mehr als mit 1,6 Promille auf dem Fahrrad gibt es 3 Punkte in Flensburg, eine Anordnung zur Medizinisch-Psychologischen Untersuchung, bekannt auch als "Idiotentest", sowie eine Geldstrafe, die nach dem Einkommen gestaffelt wird. Fällt die MPU negativ aus, dann ist, auch wenn er Fahrradfahrer "nur" alkoholisiert Fahrrad gefahren ist, der Führerschein weg. Es kann sogar das Fahrradfahren verboten werden, wenn die Gefahr besteht, dass künftig wieder Alkohol getrunken und dann Fahrrad gefahren wird. Wer mit mehr als 0,3 Promille auffällig unterwegs ist oder einen Unfall baut, muss mit einer Strafanzeige rechnen.

"In der Pandemie haben die Fahrradfahrer enorm zugenommen", sagt Polizeihauptkommissar Georg Ziegler von der Polizeiinspektion Waldsassen. "Bei Kontrollen haben wir deshalb zwangsläufig mehr Treffer", erklärt der stellvertretende Inspektionsleiter. Ein Augenmerk hätten die Beamten auch auf die E-Bikes und Pedelecs, ob alles in Ordnung sei, die Höchstgeschwindigkeit nicht überschritten werde und Versicherungsschutz bestehe.

Kein Freibrief

Eine Anzeigenhäufigkeit bei Alkoholdelikten mit Fahrrädern hat auch Erster Polizeihauptkommissar Werner Schönfelder von der PI Tirschenreuth bemerkt. Kontrollen würden regelmäßig durchgeführt. Augenmerk werde hier auf Auffälligkeiten bei den Radlern gelegt und ob sie eine Gefährdung im Straßenverkehr sind. Im Rahmen des Verkehrssicherheitsprogramms gehe es dabei auch darum, Unfälle mit Alkoholeinfluss zu reduzieren. Die Fahrradfahrer hätten stark zugenommen, weiß auch Schönfelder. "Am Wochenende hat fast jedes zweite Auto Räder am Dach oder hinten drauf." Mit Alkohol am Rad zu sitzen, sei jedoch kein Freibrief, denn im Straßenverkehr komme es immer wieder zu brenzligen Situationen zwischen Autofahrern und Radfahrern.

Polizeihauptkommissar Harald Fuchs, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Kemnath, hat zurückgeblättert und festgestellt: „Im Vergleich zum Vorjahr haben wir heuer keine negative Entwicklung festgestellt.“ Betrunken Fahrrad zu fahren sei kein Kavaliersdelikt, mahnt er an. Wenn mit dem Rad die gleiche Straftat erfüllt sei wie mit dem Auto und eine Gefährdung der Verkehrssicherheit vorliege, handle es sich um eine Straftat. Die Folge ist eine Strafanzeige.

Immer öfter betrunkene Radfahrer

Waldsassen

Amberger mit 2,3 Promille mit dem E-Bike unterwegs

Amberg

"In der Pandemie haben die Fahrradfahrer enorm zugenommen. Bei Kontrollen haben wir deshalb zwangsläufig mehr Treffer."

Polizeihauptkommissar Georg Ziegler von der Polizeiinspektion Waldsassen.

Sicherheitstraining für E-Bike-Fahrer

Hintergrund:

Promillegrenzen bei E-Bikes und Pedelecs

  • Für das Strafmaß beim alkoholisierten Radeln mit Motorunterstützung kommt es auf die Leistung des Rades an: Für Elektrofahrräder, deren Motor nur bis 25 km/h beim Fahren unterstützt, gelten die gleichen Regeln wie bei normalen Fahrrädern.
  • Fahrer schnellerer Pedelecs und E-Bikes, die ohne eigenen Pedaldruck fahren, werden wie Autofahrer behandelt: 0,5 Promille sind eine Ordnungs­widrigkeit. Absolut fahruntauglich ist ein Fahrer bereits mit 1,1 Promille Alkohol im Blut, er begeht damit eine Straftat.

 

 

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