22.07.2020 - 15:11 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Immer weniger Schweinehalter im Landkreis Tirschenreuth

Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber hat kürzlich den Bayerischen Agrarbericht 2020 vorgestellt. Doch wie sieht es eigentlich konkret im Landkreis Tirschenreuth aus?

Im Landkreis Tirschenreuth ist in den vergangenen sechs Jahren über ein Drittel der Schweine haltenden Betriebe aus der Tierhaltung ausgestiegen.
von Externer BeitragProfil

Der Bayerische Agrarbericht liegt vor. Beim genauen Blick auf den Landkreis Tirschenreuth gibt es allerdings einige Feinheiten, die Wolfgang Wenisch, Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Tirschenreuth, für den "Neuen Tag" herausgearbeitet hat.

Die Land-, Forst- und Teichwirtschaft hat laut Wenisch im Landkreis eine wesentlich größere Bedeutung als im Durchschnitt Bayerns. So ist ihr Anteil an der Bruttowertschöpfung hier mit 3,4 Prozent der höchste aller sieben Oberpfälzer Landkreise und der vierthöchste unter den 72 bayerischen Landkreisen. Auch beim Anteil der Erwerbstätigen liegt Tirschenreuth mit 4,7 Prozent an der Spitze in der Oberpfalz und unter den Top 10 im Freistaat. Etwa 90 Prozent der Landkreisfläche werden land-, forst- und teichwirtschaftlich genutzt.

Gründe für Höfesterben

Im Landkreis gibt es knapp über 1400 landwirtschaftliche Betriebe, mit einer jährlichen Abnahmerate von 1,4 Prozent ist diese Prozentzahl nach Einschätzung des Behördenleiters "zunächst einmal erfreulich niedrig und wieder Spitze in der Oberpfalz". Das dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich seit 1980 die Zahl der Betriebe mehr als halbiert hat.

Wesentlich stärker ist der Strukturwandel allerdings in der Tierhaltung. Auch hier hat Tirschenreuth innerhalb der Oberpfalz noch die erfreulichsten Werte, aber der bayernweite Trend ist auch hier sehr deutlich: Innerhalb von 2 Jahren haben 8 Prozent der Milchviehhalter aufgehört und bei den Schweinehaltern sind es innerhalb von sechs Jahren 35 Prozent weniger geworden. Gründe seien vor allem die hohe Arbeitsbelastung, Planungsunsicherheiten und auch die schwindende Akzeptanz in der Bevölkerung.

Überblick über den bayerischen Agrarbericht 2020:

München

"Die ständig steigenden Anforderungen an Tierwohl und Umweltauflagen beschleunigen ebenso die Aufgabe kleiner Betriebe. Die kostenintensiven Auflagen lassen sich in der Regel nur in größeren Betrieben umsetzen", schreibt Wenisch. Im Landkreis sei man aber weit von der vielfach als Regelfall hingestellten Massentierhaltung entfernt: Die durchschnittliche Kuhzahl pro Betrieb liegt in Tirschenreuth bei etwa 40 und die Zahl der Zuchtsauen knapp unter 90. "Das sind Bestandsgrößen, die von den meisten Bundesländern in Deutschland nur milde belächelt werden, ganz zu schweigen von anderen Ländern wie USA, Russland, Brasilien oder Dänemark." Die mittlere Betriebsgröße liege im Landkreis Tirschenreuth mit etwas über 30 Hektar etwa auf bayerischem Niveau, die Felder seien hier im Durchschnitt 1,8 Hektar groß und damit sehr kleinstrukturiert.

Positiv: Entwicklung der Erträge

Erfreulich sei im Landkreis die Entwicklung der Erträge: Während diese in den 1970er Jahren noch deutlich unter dem Oberpfälzer und bayerischen Durchschnitt lagen, seien sie inzwischen bei den meisten Früchten darüber, und das auch noch bei einem deutlich gesunkenen Einsatz von Mineraldünger und auch von sogenannten Wirtschaftsdüngern. Der Grund sei der sinkende Tierbestand.

Auch bei den Milchleistungen haben sich die Landwirte im Landkreis vom Ende in die Spitzengruppe der bayerischen Landkreise vorarbeiten können und übertreffen inzwischen deutlich den bayerischen Mittelwert von 8.000 Litern pro Kuh und Jahr. Einen der Gründe für diese Entwicklungen sieht der AELF-Leiter in der guten Ausbildung über Lehre, Landwirtschaftsschule, Meisterqualifikation oder auch durch die vom Amt angebotenen Erwachsenenbildungsmaßnahmen.

Durchaus noch Luft nach oben attestiert Wenisch dem Ökoanbau im Landkreis. Der liegt bei der Zahl der Ökobetriebe etwa bei 5 Prozent und beim Anteil der ökologisch bewirtschafteten Flächen bei etwas über 6 Prozent. Ökobetriebe sind also entgegen der gängigen Meinung mit über 40 Hektar pro Betrieb deutlich größer als die konventionell bewirtschafteten Betriebe. Im Landkreis gibt es jedoch mit den Ökomodellregionen Steinwald und Stiftland gleich zwei Institutionen, die sich um die bessere Vermarktung ökologischer und regionaler Erzeugnisse kümmern. "Die höherpreisige Vermarktungsmöglichkeit ist der Dreh- und Angelpunkt für den ökologischen Anbau", weiß der Behördenleiter.

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