21.02.2020 - 09:45 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Inklusion nur im Konsens möglich

Zwei Stunden stellten sich die Landratskandidaten Roland Grillmeier (CSU), Thomas Döhler (SPD) und Ely Eibisch (FW) bei einer Podiumsdiskussion den Fragen der Teilnehmer. Thema war die Inklusion im Landkreis Tirschenreuth.

Christina Ponader (links) und Rainer Sladky (rechts) moderierten die Podiumsdiskussion mit den Landratskandidaten Roland Grillmeier, Thomas Döhler und Ely Eibisch (von links).
von Ulla Britta BaumerProfil

Christina Ponader vom Netzwerk Inklusion hat die Politiker dafür gewinnen können. Sie machte in der Stiftland-Oase darauf aufmerksam, dass im Landkreis Tirschenreuth 19 Prozent der Bevölkerung Behinderungen habe. Dies sei im Vergleich zum bundesweiten Durchschnitt (10 Prozent) überdurchschnittlich hoch. Ponader bat Grillmeier, Döhler und Eibisch zu verraten, wie sie als Landrat das Thema Barrierefreiheit behandeln würden.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde erzählte Ely Eibisch von einem schweren Unfall beim Baumfällen, wo er unter einen Baumstamm geraten sei und viele Monate in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt war. Dies habe ihm eine neue Sichtweise für Menschen mit Behinderungen eröffnet, die man als junger, gesunder Mensch nicht habe. Roland Grillmeier nannte als seine große Erfahrungsquelle die Lebenshilfe, die Behindertenwerkstätten St. Elisabeth und das Netzwerk Inklusion. Mitterteich sei Modellregion für Inklusion, was einer Verpflichtung nachkomme. Auch Thomas Döhler schöpft aus eigener Erfahrung in der Familie. Er habe bei der Pflege eines Verwandten erfahren, wie wichtig Barrierefreiheit ist.

Bürgerhilfsstellen "als Standard"

Reinhard Schön, Behindertenbeauftragte des Landkreises, bemängelte, dass es bei öffentlichen Bauten nicht die Regel sei, die Behindertenbeauftragten einzubinden. Dies sei auch beim Landratsamt so gewesen. Nur gemeinsam könne man etwas lösen, machten die drei Landratskandidaten deutlich. Döhler nannte hier das nicht barrierefreie Amtsgebäude 1, ausgerechnet wo der Landrat sitze. Das Trio bat in der Runde um Verständnis zur Umsetzbarkeit. Oft liege der Hemmschuh bei der großen Politik.

Zum Thema Behördengänge und unverständliche Dokumente in Amtsdeutsch würde der SPD-Kandidat Bürgerhilfsstellen einrichten: "Das muss Standard werden." Und der Mitterteicher Bürgermeister Grillmeier sah einen Vorteil im Online-Angebot der Behörden, wo vieles bereits daheim erledigt werden könne. Als nachahmenswert nannte Ely Eibisch Österreich, wo Bescheide in B1, einer vereinfachten Sprache, erhältlich seien.

Im schulischen und beruflichen Bereich freute es Grillmeier, dass Tirschenreuth ab März ein bayernweiter Muster-Landkreis "Inklusive Schulregion" sei. Schwierig, sagte der CSU-Politiker, sei es bei kleineren Schulen wegen der Rentabilität bei barrierefreien Umbauten. Von Döhler kam der allseits begrüßte Vorschlag zu einem Ansprechpartner für schulische Belange. Christina Ponader gab zu Bedenken, dieser müsse fachkundig sein, um die Bedürfnisse betroffener Schüler auch zu erkennen.

Grillmeier brach bei der Berufsfindung eine Lanze für die Behindertenwerkstätten. Es sei nicht immer besser, behinderte Menschen ins normale Berufsleben zu schicken. Bei der Frage um eine barrierefreien Landkreissporthalle verwiesen die Politiker auf bereits vorhandene Alternativen. Um die Nahverkehrssituation zu verbessern, wollen sich alle Drei um behindertengerechte Fahrmöglichkeiten, beispielsweise beim Baxi, bemühen. Zu den nicht barrierefreien Bahnhöfen Wiesau und Weiden meinte der SPD-Mann, hier fehle es am politischen Willen.

Monatliche Sprechstunde

Als weitere Angebote für Menschen mit Handicap oder Senioren kamen der Mobile Dorfladen, das Digitale Dorf und normale Dorfläden zur Sprache. Ponader und ihr Moderationspartner, Rainer Sladky, wollten den Begriff "Bürgernähe" erläutert haben. Grillmeier sah darin, "rausgehen und immer ansprechbar sein". Und das gelte für alle Behörden. "Da muss das Landratsamt dazulernen", so der Mitterteicher. Behörden seien angehalten, "die Bürger bei dem zu unterstützen, worauf sie Anspruch haben", sagte Döhler. Für Eibisch ist Bürgernähe, "zuhören können und gemeinsame, inklusive Lösungen suchen". Der Freie Wähler möchte eine monatliche Sprechstunde des Landrats einführen. Einig waren sich die drei Kandidaten, dass Inklusion im Landratsamt und in den Behörden nur im Konsens einer gemeinschaftlichen Arbeit mit den Betroffenen funktioniere.

Die Landratskandidaten (von links) Roland Grillmeier, Thomas Döhler und Ely Eibisch stellten sich gern den Fragen zum Thema Inklusion.

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