12.05.2020 - 16:13 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Jahrelang in die eigene Tasche gewirtschaftet

Ein Diplomingenieur aus dem Landkreis Tirschenreuth ist wegen Untreue und Steuerhinterziehung angeklagt. Es geht um einen Gesamtschaden von über 1,6 Millionen Euro.

Wegen Untreue und Steuerhinterziehung muss sich ein Diplomingenieur aus dem Kreis Tirschenreuth vor dem Landgericht Regensburg verantworten.
von Autor AHSProfil

Seit Montag muss sich ein heute 58-jähriger Diplomingenieur aus dem Landkreis Tirschenreuth wegen Untreue in 42 Fällen in Tatmehrheit mit Steuerhinterziehung in 12 Fällen vor der für Wirtschaftsstraftaten zuständigen 6. Strafkammer des Landgerichts Regensburg unter Vorsitz von Richter Marcus Lang verantworten. Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten 137 Fälle der Untreue zur Last gelegt.

Dem Anklagesatz zu Folge tätigte der Angeklagte als alleiniger Geschäftsführer einer Maschinen- und Anlagenbau Gesellschaft mit beschränkter Haftung in den Jahren 2008 bis 2012 in einer Vielzahl von Fällen unberechtigte Barentnahmen von weit mehr als einer Million Euro aus dem Vermögen der Gesellschaft. So bewilligte er sich Beraterhonorare und reichte Scheinrechnungen ein. Ebenso bezahlte er Privateinkäufe aus der Firmenkasse und deklarierte sie als sogenannte „Geringwertige Wirtschaftsgüter“. Auch seine Tochter, die im Geschäft mitarbeitete, hatte er bedacht. Diese erhielt Reisekosten für nie stattgefundene Geschäftsreisen und bei ihrem Ausscheiden eine großzügige Abfindung, obwohl sie selbst gekündigt und deshalb keinen Anspruch darauf hatte.

Im Zusammenhang mit diesen Manipulationen steht auch der Vorwurf der Steuerhinterziehung, sowohl zu Gunsten der GmbH, als auch zu seinem eigenen Vorteil, da sie fiskalisch als verdeckte Gewinnausschüttungen zu werten sind. In beiden Fällen führt dies zu Gewinnerhöhungen, welche auch versteuert werden müssen. Insgesamt ermittelte das Finanzamt einen Steuerschaden von über 1,2 Millionen Euro bei den unrichtig abgegebenen Steuererklärungen und darüber hinaus fast 400.000 Euro, bei denen durch die Nichtabgabe der Steuererklärung eine versuchte Verkürzung vorliegt.

Nach Verlesen des 26-seitigen Anklagesatzes räumte Verteidiger Burkhard Schulze mit einem knappen Satz die Vorwürfe für seinen Mandanten ein, der selbst hierzu keine weiteren Angaben machen möchte. Umso ausführlicher berichtete der Angeklagte von dramatischen Schicksalsschlägen, die ihm und seiner Familie widerfahren sind. Inzwischen lebe er von einer Berufsunfähigkeitsrente und befindet sich in Privatinsolvenz.

Daraufhin verfügte der Gerichtsvorsitzende, dass die tatrelevanten Steuerakten im Selbstleseverfahren in den Prozess eingeführt werden. Die Richter, einschließlich der Schöffen, müssen diese lesen. Staatsanwalt und Verteidiger haben Gelegenheit hierzu.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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