28.10.2019 - 12:49 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Kleiner Mann, großes Engagement

Michael Zahn ist kleinwüchsig. Das hindert den 17-Jährigen aber nicht, beim ATSV Tirschenreuth Fußball zu spielen und sich in der Stadtpfarrei Mariä Himmelfahrt zu engagieren.

ATSV-Jugendleiter Thorsten Ziegler, Mutter Andrea Zahn und Vater Hans Zahn (von links) unterstützen Michaels (vorne) Fußball-Leidenschaft.
von Alicia FuchsProfil

Begonnen hat Michael Zahns Liebe zum Fußball und zum Ministrieren schon früh. Da der Sport seinen Vater und seine Schwestern sehr begeistert, dauerte es nicht lange, bis Michael sich ebenfalls dafür interessierte. Mit fünf Jahren fing er an, in der G-Jugend des ATSV zu kicken.

Im Laufe der Zeit wechselte er die Altersklassen, heute wäre er als 17-Jähriger eigentlich bei den A-Junioren. Allerdings ermöglicht ihm ein Sonderspielrecht, weiterhin in der D-Jugend auf dem Platz zu stehen. Für diese Sonderregelung ist es jedes Jahr nötig, dass der ATSV Anträge beim Bayerischen Fußballverband stellt und eine Gebühr entrichtet. Herausfordernd sei unter anderem, dass mit einem Wechsel in höhere Altersklassen auch das Spielfeld größer werde. Hinzu kommt der deutlicher werdende Größenunterschied. Michael ist 1,34 Meter groß.

Jugendleiter Thorsten Ziegler übernehme die bürokratischen Aufgaben gerne, damit "Michi" weiter dabei sein kann. Derzeit gebe es in Bayern insgesamt nur drei Menschen, für die der Verband diese Sonderregelung anwendet, was Michaels Mitgliedschaft im Verein durchaus zu etwas Besonderem macht.

Für den Jugendleiter ist es hingegen selbstverständlich, dass der 17-Jährige als kleinwüchsiger Spieler dabei ist: "Er ist, wie jeder Fußballer, eine Unterstützung für unseren Verein." Michael gebe immer sein Bestes für sein Team. Selbst als er nach Bein-Operationen für kurze Zeit im Rollstuhl saß, kam er als Zuschauer zu den Spielen und feuerte seine Kollegen an. Dass der Tirschenreuther kleinwüchsig ist, mache für seine Mitspieler keinen Unterschied.

Beim Wechsel in neue Mannschaften oder bei Spielern aus anderen Teams ernte sein Engagement jedoch ab und zu überraschte oder skeptische Reaktionen. Auch dass er in der D-Jugend aktiv ist, wundere manche. Einige Kicker aus anderen Vereinen oder deren Eltern hätten sogar Sorge, sie hätten einen Nachteil, da Michael älter ist als die anderen Spieler.

Der Tirschenreuther fällt auf dem Rasen auf und wenn er anderswo unterwegs ist, spricht ihn der ein oder andere an, weil er ihn wiedererkennt. Fußballspiele finden in der Regel einmal wöchentlich statt, zum Training geht der Stürmer zwei Mal pro Woche. Ausgestattet ist er dabei mit dem regulären Vereinstrikot. Es sei nur ein wenig schwieriger, passende Fußballschuhe und Schienbeinschoner zu finden. "Aber dann suchen wir eben etwas länger, bisher haben wir immer irgendwann das passende Teil gefunden", sagt Mutter Andrea.

Michaels Eltern finden es sehr wichtig, dass ihr Sohn nicht nur zuhause ist. Der Kontakt zu anderen Menschen tue ihm gut und es sei ein guter Ausgleich, etwas zu unternehmen und sich zu engagieren. Das Fußballspielen mache Michael einfach Spaß und es entwickeln sich trotz des Altersunterschieds zu seinen Teamkollegen Freundschaften.

Auch mit den Ministranten in der Pfarrei verstehe sich der 17-Jährige gut. Außerhalb der Gruppenstunden sind die Jugendlichen gerne zusammen draußen unterwegs oder gehen im Sommer ins Freibad. Nach seiner Erstkommunion fing Michael als Ministrant in Mariä Himmelfahrt an, die Idee dazu hatte er selbst. Seit gut sieben Jahren ist er aktiv dabei und ministriert regelmäßig.

Und nicht nur das, er ist sogar einer der Gruppenleiter. Nachdem der Tirschenreuther an einem entsprechenden Kurs teilgenommen hatte, war für ihn klar, dass er diese Aufgabe gerne übernehmen möchte. In Gruppenstunden treffen sich meistens Jugendliche verschiedenen Alters. Deshalb sind mehrere Gruppenleiter anwesend und können gemeinsam Aktivitäten organisieren, die Planung muss niemand allein übernehmen. Viele Ministranten kannte der 17-Jährige schon vor Antritt seines Dienstes. "Mehrere aus dem Fußballverein und ein paar aus der Schule ministrieren auch", erzählt Michael.

Im Moment besucht er die Mittelschule und bereitet sich auf seinen qualifizierenden Abschluss im nächsten Jahr vor. Er hat schon mehrere Praktika im Bereich Logistik und Verkauf gemacht, die ihm alle sehr gut gefallen haben. Im Verein und in der Kirche hat er festgestellt, dass ihm der Umgang mit anderen Menschen besonders wichtig ist und ihm viel Freude bereitet.

Trotzdem wollte ihm noch keiner eine Beschäftigung ermöglichen, die über ein Praktikum hinausgeht. Und das obwohl er in den Probephasen jeweils einen sehr guten Eindruck bei seinen Vorgesetzten hinterlassen und sich gut integriert gefühlt habe. Nun hofft Familie Zahn, dass sich Arbeitgeber finden, die Michael eine Chance geben und die Inklusion auf dem Arbeitsmarkt in der Region fördern.

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