15.04.2020 - 16:44 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Landkreis Tirschenreuth: Dem Coronavirus auf der Spur

Für das Gesundheitsamt Tirschenreuth gibt es bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie personelle Unterstützung. Seit Dienstag ist ein „Contact-Tracing-Team“ vor Ort. Drei weitere sollen folgen.

Die ersten Mitarbeiter der "Contact-Tracing-Teams" haben im Landkreis Tirschenreuth schon ihre Arbeit aufgenommen. Sie unterstützen das Gesundheitsamt.
von Martin Maier Kontakt Profil

„Wir werden bei der Eindämmung der Corona-Pandemie nicht alleine gelassen. Es gibt viel Unterstützung“, darauf verwies Landrat Wolfgang Lippert bei einem Pressegespräch am Dienstag (wir berichteten). Auch Regierungsdirektorin Regina Kestel als Leiterin der Führungsgruppe Katastrophenschutz sowie die beiden Pressesprecher Walter Brucker und Wolfgang Fenzl stellten sich den Fragen von Oberpfalz-Medien. Hier Teil zwei der Aussagen:

Welche Aufgaben haben die Contact-Tracing-Teams?

Die bayerische Staatsregierung unterstützt mit sogenannten Contact-Tracing-Teams (CTT) die Arbeit in stark betroffenen Corona-Gebieten und damit auch im Landkreis Tirschenreuth. Vorgesehen ist laut Pressesprecher Wolfgang Fenzl, dass pro 20 000 Einwohner mindestens ein fünfköpfiges Team eingesetzt wird. Die Mitarbeiter stammen in der Regel von anderen Behörden.

„Sie unterstützen die Fachkräfte des Gesundheitsamtes dabei, Covid-19-positiv getestete Personen beziehungsweise deren enge Kontaktpersonen frühzeitig zu identifizieren, zu isolieren und zu überwachen“, erläuterte Fenzl. Die Teams arbeiten in den Gesundheitsämtern mit und nutzen deren Erfassungs- und Dokumentationsmethoden.

Die neuen Mitarbeiter haben zur Vorbereitung auf ihren Einsatz durch die Akademie für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (AGL) Online-Schulungen erhalten. Anschließend wurden die Teams in die örtlichen Besonderheiten und Vorgehensweisen durch das Gesundheitsamt am Einsatzort eingewiesen.

„Wenn jemand in Quarantäne ist, sollte er jeden Tag vom Gesundheitsamt angerufen werden“, führte Regina Kestel weiter aus. Dabei sollte abgefragt werden, wie es den betroffenen Personen geht und welche Symptome sie haben. Dies sei aber aufgrund der Vielzahl der Coronafälle nicht möglich gewesen. „Dafür sind auch die CTT-Teams da. Die werden jetzt alle abtelefonieren“, kündigte die Regierungsdirektorin an.

Am Dienstagnachmittag hat das erste fünfköpfige Team die Arbeit aufgenommen. Es ist im Landratsamt in einem VHS-Schulungsraum untergebracht. Denn dort steht das entsprechende Equipment bereit. Drei weitere Teams sollen laut Pressesprecher Walter Brucker spätestens nächste Woche „ans Netz gehen“. Sie kommen in drei Klassenzimmern des Stiftland-Gymnasiums unter. Dafür werden Rechner und Telefone aufgebaut.

Gibt es offizielle Zahlen zu den Corona-Genesenen im Landkreis Tirschenreuth?

Durch den Einsatz der CTT-Teams erhoffen sich die Verantwortlichen auch eine Entlastung des Gesundheitsamts. Dieses habe dann die Kapazität, die Zahl der Genesenen zu ermitteln. „Das ist bisher hinten runtergefallen. In den nächsten Tagen soll dazu aber eine Statistik veröffentlicht werden“, versprach Fenzl.

Immer wieder fragen NT-Leser, wann ein Coronatest durchgeführt wird oder an wen man sich wenden muss.

Grundsätzlich gibt es laut Regierungsdirektorin Regina Kestel vier Institutionen, die testen. Das Gesundheitsamt sei für Kontaktpersonen der Kategorie 1 zuständig. Dies sind Personen, die mindestens 15 Minuten „Face-to-Face“-Kontakt bei einem Gespräch mit einer bestätigten Covid-19-Person hatten, im selben Haushalt leben, direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten eines Covid-19-Erkrankten hatten, sowie medizinisches Personal mit Kontakt zu einem Covid-19-Fall im Rahmen von Pflege oder medizinischer Untersuchung bei einem geringeren Abstand als zwei Meter ohne Schutzausrüstung. Die Untersuchungen, die über das Gesundheitsamt laufen, werden in der Test-Straße an der Einsteinstraße in Tirschenreuth durchgeführt.

Wenn sich ein Bürger krank fühlt und sich auf Corona untersuchen lassen will, kann er sich an seinen Hausarzt wenden oder – falls er den Hausarzt nicht erreicht – kann er die 116 117 anrufen. Dann laufe der Test über die Kassenärztliche Vereinigung. Und als vierte Möglichkeit nannte Kestel die Kliniken: „Diese testen alle Personen, die bei ihnen eingewiesen werden.“

Falls es in nächster Zeit zu Lockerungen von Beschränkungen in Deutschland oder Bayern kommt: Ist es möglich, dass weiterhin im Landkreis Tirschenreuth aufgrund der hohen Fallzahlen härtere Beschränkungen gelten?

„Da muss man die weitere Entwicklung abwarten“, erklärte Landrat Wolfgang Lippert. Momentan würden aber die Corona-Fallzahlen im Landkreis Tirschenreuth nicht stärker steigen als in anderen Regionen Bayerns. „Deswegen sehe ich keinen Sinn darin, die Bürger bei uns stärker zu isolieren.“

Wie schaut es momentan mit der Auslastung der Krankenhäuser der Kliniken Nordoberpfalz AG aus?

Laut Regina Kestel gibt es noch ausreichend Kapazitäten. „Das ist überraschend stabil. Wir haben nach wie vor genügend Intensivbetten zur Verfügung und auch Beatmungsgeräte“, erklärte Lippert.

Erster Teil des Gesprächs: Corona-Hotspot Landkreis Tirschenreuth: Hohe Todesrate noch ein Rätsel

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