28.09.2021 - 12:36 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Landkreis Tirschenreuth interessiert an Energie-Netzwerk

Der Name "Zukunftsenergie Nordostbayern" ist Programm: Das interkommunale Unternehmen Zenob mit Sitz in Wunsiedel streckt seine Fühler aus nach weiteren Partnern. Der Landkreis Tirschenreuth ist nicht abgeneigt.

Solarzellen und Windräder sind wichtige Bestandteile in den Plänen der Gesellschaft "Zukunftsenergie Nordostbayern".
von Michaela Kraus Kontakt Profil

Die Erzeugung CO2-neutraler Energie ist das Hauptziel der im Landkreis Wunsiedel gegründeten Gesellschaft Zenob. Marco Krasser ist Geschäftsführer der Stadtwerke Wunsiedel, die der Zenob angehören und die Versorgung mit Strom und Wärme auf Basis erneuerbarer Energien vorantreiben. Er warb nun im Kreisausschuss für die gemeinsame Sache. Eine Entscheidung über Anteile soll in einer der nächsten Sitzungen fallen.

"Wir können uns durchaus vorstellen, uns an diesem Zukunftsnetzwerk zu beteiligen", signalisierte Landrat Roland Grillmeier. Schließlich könne man das für die Energiewende nötige Know-how nicht überall aufbauen. "Viele im Landkreis Tirschenreuth haben sich schon auf den Weg gemacht und sind in Kontakt mit der Zenob", wusste er.

Marco Krasser, nach eigener Aussage Miterfinder des "Wunsiedler Wegs" mit Fokus auf Biomasse, Windenergie und Photovoltaik, erläuterte die Beweggründe der neuen Gesellschaft Zenob. Man wolle Bürger und Industrie aktiv in die dringend notwendige Energiewende einbinden, die auch eine Chance für die Wohlstandsentwicklung sei. "Die Bürger sollen ja nicht nur Windräder und Photovoltaik vor der Nase haben, sondern auch eine verlässliche Energieversorgung", sagte er. Die Politik habe Entscheidungen zur CO2-Neutralität getroffen, aber die könne nicht per Verordnung, sondern nur durch gebündelte Projekte umgesetzt werden. Als Vision nannte Krasser, die regionale Energieversorgung durch Sonne, Wind, Biomasse und Reststoffe aus der Kreislaufwirtschaft wie Klärschlamm zu sichern.

Wichtig sei, dass die Zenob zu 100 Prozent in kommunaler Hand bleibe. Das Netzwerk sorge für eine schnelle Realisierung von Projekten. "Wir werden zugemüllt von neuer Bürokratie. Da ist eine Bündelung nötig, um den Kommunen Freiraum zu verschaffen", sagte Marco Krasser.

Zur finanziellen Seite eines Beitritts des Landkreises nannte der Elektroingenieur am Ende einen Rahmen zwischen 12.000 und 60.000 Euro, wenn sich mindestens 10 und maximal 50 Kommunen beteiligen. Auf Nachfrage aus dem Kreisausschuss betonte er, dass die Projekte in der Regel ohne Eigenkapital, also ohne Zugriff auf die kommunalen Finanzen, geplant werden. Industriebeteiligungen seien wichtig. Als Einsatzbeispiel nannte der Referent die Umrüstung der betrieblichen Notstromaggregate auf Wasserstoff und die Schaffung entsprechender Speicher.

Landrat Grillmeier zeigte sich, auch nach einem Besuch in Wunsiedel vor Ort, beeindruckt vom Energienetzwerk. „Zunächst noch belächelt, hat es inzwischen eine Vorreiterrolle in Bayern.“

In Wunsiedel ist der größte Batteriespeicher Europas geplant

Wunsiedel
Hintergrund:

Zenob plant größte Batterie Europas

  • Die Zenob wurde im Juli 2021 gegründet. Sie ging aus der "Zukunftsenergie Fichtelgebirge" hervor, die mit Kommunen wie Marktredwitz, Wunsiedel, Arzberg und Kirchenlamitz entstanden ist.
  • Die neue Gesellschaft will die interkommunale Zusammenarbeit stärken. Mit der Aufnahme weiterer Gesellschafter ist auch eine Erweiterung in der Fläche verbunden.
  • Neben Windenergie und lokaler Ökostrom-Produktion widmet sich die Zenob verstärkt der Kopplung von Strom, Wärme und Mobilität. CO2-neutrale Gewerbeparks und Klärschlammtrocknung sind weitere Aspekte.
  • Gemeinsam mit Siemens will die Zenob im Raum Wunsiedel den größten Batteriespeicher Mitteleuropas bauen.

"Da ist eine Bündelung nötig, um den Kommunen Freiraum zu verschaffen."

Marco Krasser über das Energienetzwerk

Marco Krasser über das Energienetzwerk

 

 

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