22.04.2021 - 14:14 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Landkreis Tirschenreuth setzt auf Luca-App

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Die Kontaktnachverfolgung soll vereinfacht, die Zettelwirtschaft beendet werden. Der Landkreis Tirschenreuth setzt auf die Luca-App, die nun ans Gesundheitsamt angebunden ist. So funktioniert die Anwendung.

In den kommenden Wochen soll es im Kreis Tirschenreuth einen Luca-Schlüsselanhänger geben. Auf dem Anhänger ist ein QR-Code abgedruckt. Diesen können Nutzer beim Betreten einer Veranstaltung oder eines Restaurants vorzeigen.
von Katrin Pasieka-Zapf Kontakt Profil

Bereits seit mehreren Wochen testet das Landratsamt Tirschenreuth in seinen Besprechungsräumen die Kontaktdatenübermittlungs-App Luca. "Wir sind von diesem Programm überzeugt", sagt Roland Grillmeier. Er weist darauf hin, dass die App an das Gesundheitsamt angebunden ist. Durch die neu geschaffene Schnittstelle "können die Mitarbeiter im Ernstfall schneller Infektionsketten nachverfolgen", erklärt Jürgen Lober vom Gesundheitsamt.

Grillmeier appelliert an alle Behörden, Geschäftsleute, Vereine und Privatpersonen, dieses Programm zu nutzen. "Es ist eine schnelle Lösung, die eine datenschutzkonforme Kontaktdatenverwaltung und Kontaktnachverfolgung für private Treffen und öffentliche Veranstaltungen, für Geschäfte und Gastronomie ermöglicht", so der Landrat.

Digitale Gästeregistrierung

Im Großen Sitzungssaal wurden die Vorteile und Handhabung vorgestellt. Peter Süß, IT-Sicherheitsberater für den Landkreis, wies auf die ausgedruckten QR-Codes hin, die sich auf den Tischplatten befanden. Ein QR-Code ist eine Art Barcode, der mit der Handykamera abfotografiert wird. Informationen können so auf den Endgeräten angezeigt oder übertragen werden.

"Für Gaststätten besteht die Möglichkeit, für jeden Tisch einen eigenen Code zu erstellen", sagt Süß. Für Besprechungsräume kann ein Code ausgedruckt und an der Eingangstüre angebracht werden. "Die App bietet breite Anwendungsmöglichkeiten", erläutert Süß. Sportvereine könnten einen Code vor der Turnhalle anbringen, Einzelhändler und große Supermarktketten am Ladeneingang. In der eigenen "Historie" werden Ort und Uhrzeit abgespeichert. Dem Ersteller des QR-Codes wird die Anzahl der Personen sowie die Uhrzeit übermittelt. "Persönliche Daten, wie Name oder Adresse, sind verschlüsselt", erklärt Süß. Die digitale Gästeregistrierung ersetzt, so Süß, die handschriftlichen Gästelisten, die bis zum Lockdown im Dezember auszufüllen waren. Hinzu kommt, dass die Lesbarkeit garantiert ist. 14 Tage werden diese Daten gespeichert.

Infektionsketten nachverfolgen

Wird eine Person positiv auf Corona getestet, wird wie bisher das Gesundheitsamt informiert. Die Mitarbeiter fragen in Zukunft mit ab, ob die infizierte Person die Luca-App nutzt. Falls ja, kann der Nutzer seine "Historie" verschlüsselt an das Gesundheitsamt übermitteln. "Wir sehen dann, an welchen Orten, oder Veranstaltungen sich die Person eingewählt hat", sagt Daniel Dirscherl, Mitarbeiter im Gesundheitsamt.

Bei Bedarf wird eine Anfrage beim Veranstalter gestellt. Dieser übermittelt die verschlüsselten Gästedaten für den gewünschten Zeitraum zurück ans Gesundheitsamt. "Die Veranstalter haben keinen Zugriff auf Name, Telefonnummer oder Adresse ihrer Gäste", betont Dirscherl. Da in der App die Telefonnummer der Nutzer hinterlegt ist, kann das Gesundheitsamt ohne Zeitverzögerung zu den betroffenen Personen Kontakt aufnehmen. Ein weiterer Vorteil der Luca-App sei die Möglichkeit, die gesammelten Daten in das Sormas-System (Hintergrund) zu übertragen.

Nutzung ohne Smartphone

Für die Nutzung von Luca fallen weder für Veranstalter noch für die Nutzer Gebühren an. Grund ist, dass der Freistaat Bayern die Lizenz erworben hat – so wie 13 weitere Bundesländer. Dadurch ist die Staatsregierung auch beim Thema Datenschutz Ansprechpartner. Einige Experten hatten in den vergangenen Wochen immer wieder Sicherheits-Lücken der App moniert.

Für Roland Grillmeier ist es besonders wichtig, jetzt, trotz der niedrigen Fallzahlen, nicht nachzulassen. "Mit Luca erreichen wir jeden, auch wenn er kein Smartphone besitzt", sagte Grillmeier. Gaststätten, Museen oder Geschäfte können die Kontaktdaten der Kunden ohne Handy manuell über ihr Nutzerkonto erfassen. "Nach dem Speichern sind die persönlichen Daten nicht mehr sichtbar", so Süß. In den kommenden Wochen soll es zudem einen Luca-Schlüsselanhänger geben. Ob und wie dieser im Landkreis erworben werden kann, muss noch geklärt werden. Auf dem Anhänger ist ein QR-Code abgedruckt. Diesen können Nutzer beim Betreten einer Veranstaltung oder eines Restaurants vorzeigen. Der Anhänger wird vor Ort eingescannt. "Allerdings muss der Schlüsselanhänger einmalig registriert werden", so Peter Süß.

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Dr. Susanne Seidl-Pillmeier, Daniel Dirscherl, Jürgen Lober vom Gesundheitsamt, Landrat Roland Grillmeier und IT-Sicherheitsberater Peter Süß (von links) stellten die Benutzung der Luca-App vor.
Über die Luca-App können Behörden, Vereine, aber auch Privatpersonen Räume und Veranstaltungen anlegen. Der Veranstalter kann erkennen, wer zu welcher Uhrzeit wie viele Menschen in einem Raum waren. Die persönlichen Daten sind verschlüsselt und werden nach 14 Tagen gelöscht.
Hintergrund:

Kontaktnachverfolgung mit Sormas

  • Sormas ist ein Programm vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung und dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung.
  • Es unterstützt die Gesundheitsämter bei der Identifizierung und Überwachung von Kontaktpersonen.
  • Kontaktdaten der Luca-App können in dieses System übertragen werden.
  • 325 Gesundheitsämter in Deutschland nutzen das Programm Sormas.
  • In Tirschenreuth wird das Programm seit Februar genutzt.
  • Infizierte und Menschen in Quarantäne können ein digitales Tagebuch führen. "Somit entfällt der tägliche Anruf durch das Gesundheitsamt", sagt Daniel Dirscherl vom Gesundheitsamt Tirschenreuth.
  • Alle Fälle und Kontaktpersonen sind in einer Datenbank. Das ermöglicht einen unkomplizierten Datenaustausch zwischen den Gesundheitsämtern.

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Kommentare

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Jörg Nürnberger

Ich empfehle den sogenannten IT-Sicherheitsberater Peter Süß für den Landkreis sich mit den Kritikpunkten an der völlig löchrigen Luca-APP einmal intensiv zu beschäftigen. Wie mit dem gesamten Microsoft-Viruscode - wenn es alle Idioten einschliesslich Bayern so machen, wird es schon was Gutes sein. Und dies alles mit unseren Steuergeldern. Absolut unverständlich dieses planlose Vorgehen. Bis auf die konsequente Quarantäne-Überwachung sind wir da bei China, dass von allen kritisiert wird.

Bin völlig fassungslos.

29.04.2021