07.02.2021 - 16:28 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Landkreis Tirschenreuth will Endlagersuche wachsam begleiten

Wie geht es weiter mit der Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Abfall? Der Landkreis Tirschenreuth will das Thema nicht aus den Augen verlieren und plant eine Koordinierungsstelle.

Im rot eingefärbten Teil des Landkreises sind die Granitvorkommen dargestellt, die als mögliches Wirtsgestein noch im Rennen sind. Blau gefärbt sind die Bereiche, die wegen vulkanischer Aktivität (Halbkreise rechts) und aktiver Störungszonen bereits frühzeitig ausgeschlossen wurden.
von Michaela Kraus Kontakt Profil

"Ein großer Teil des Landkreises ist ja weißes Gebiet", stellte Landrat Roland Grillmeier in der Sitzung des Kreisausschusses fest. Damit meinte er die im September 2020 veröffentlichte Karte der Bundesgesellschaft für Endlagerung, die in einem ersten Schritt die Gebiete ausschloss, die für ein Atommülllager aus geologischen Gründen nicht in Frage kommen. Dennoch wolle man wachsam sein. Der Landkreis werde eine führende Rolle bei der Begleitung der Städte und Gemeinden in diesem Prozess spielen, kündigte er an.

Der Jurist Philipp Lorenz, der während der krankheitsbedingten Abwesenheit von Regierungsdirektorin Regina Kestel das Landratsamt vorübergehend verstärkt, schilderte den Kreisräten den Stand des Verfahrens. Nach Ausschluss der grundsätzlich ungeeigneten Gebiete sei gut die Hälfte der Fläche Deutschlands übrig, die in 90 Teilgebiete mit günstigen geologischen Voraussetzungen einsortiert werde. Dazu gehöre auch der Landkreis Tirschenreuth.

Geologe Andreas Peterek kritisiert Standortsuche mit veralteten Daten

Hof an der Saale

Bis 2031 solle die finale Entscheidung zum Endlager fallen. "Ob der Landkreis betroffen sein kann, ist schwer zu sagen. Kristallingestein ist vorhanden, das grundsätzlich geeignet ist." Große Teile auf der Karte, etwa Naturschutzgebiete, würden noch herausfallen. Auch der Abstand zur Wohnbebauung sei bisher gar nicht berücksichtigt. Im Februar würden die Online-Fachkonferenzen beginnen, zu denen sich jeder habe anmelden können. "Die richten sich an die gesamte Öffentlichkeit. Ein Vertreter des Landkreises wird auf jeden Fall daran teilnehmen", sagte Lorenz.

Landrat Roland Grillmeier hielt eine enge Abstimmung mit den Nachbar-Landkreisen Wunsiedel und Neustadt/WN für wichtig. Bisher habe man noch keinen wissenschaftlichen Beirat mit entsprechendem Sachverstand, doch das solle sich ändern. In Wunsiedel wurde bereits im Landratsamt eine „Regionale Koordinierungsstelle Oberfranken für das Verfahren der Endlagersuche“ unter der Leitung des Geologen Andreas Peterek eingerichtet. "Etwas Ähnliches stellen wir uns auch für die Nordoberpfalz vor", kündigte der Landrat eine wissenschaftliche Begleitung an.

Ohne Koordination innerhalb der Region befürchtete Franz Stahl bei der Endlagersuche eine Spaltung zwischen den einzelnen Kommunen und Gebietskörperschaften. Man sei es den Menschen schuldig, eine einheitliche Stellungnahme abzugeben: "Sonst passiert das Gleiche wie bei der HGÜ-Trasse." Eine frühzeitige Beteiligung hielten alle Mitglieder des Ausschusses für wichtig, ebenso eine transparente Information der Bevölkerung. "Das geologische Fachwissen der Region wird gebündelt", versprach der Landrat.

Granit der Oberpfalz nicht ausgeschlossen

Parkstein

Zur Karte der Bundesgesellschaft für Endlagerung

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