Eine interessante Kooperation pflegt Mathias Gerstner mit Christine und Wolfgang Kohl. Die Tirschenreuther sind ein klein wenig stolz darauf, dass der Brenner und Edelbrandsommelier aus Poppenreuth bei Waldershof die im Stiftland gerösteten Kaffeebohnen für seinen Likör verwendet.
"Der läuft runter wie Öl", sagt Christine Kohl. Ihr Mann bestätigt dies nach einer Verkostung des "Bavarian Moonlight": "Der ist ganz weich, hat nichts Kratzendes", findet Wolfgang Kohl und ist davon angetan, dass Kaffee aus der Tirschenreuther Rösterei auf besondere Weise veredelt wird.
Dabei handelt es sich eher um ein Zufallsprodukt, wie im Gespräch mit Oberpfalz-Medien deutlich wird. Auslöser waren der Stiftland-Bio-Espresso und der Steinwald-Bio-Kaffee, der in Zusammenarbeit mit der Steinwald-Allianz und der Ikom-Stiftland kreiert worden ist. Auf den Verpackungen sind Symbole in den beiden Öko-Modellregionen mit Wiedererkennungswert – etwa die Kappl oder der Oberpfalzturm. Über die Bio-Produkte kam der Kontakt zu Mathias Gerstner zustande.
Destille in Unterfranken
"Ich bin vor einigen Jahren Oberpfälzer geworden", sagt der gebürtige Unterfranke, der in Poppenreuth bei Waldershof wohnt. Von dort stammt seine Frau Nicole. Sie betreibt in Marktredwitz ein Feinkostgeschäft, das auch die Bio-Erzeugnisse aus der Tirschenreuther Rösterei im Sortiment führt. "Wir haben uns sehr schnell gut verstanden", erinnert sich Christine Kohl an den Beginn der Zusammenarbeit.
Hauptberuflich arbeitet Mathias Gerstner in einer Bank. Doch mit der Destille in Trappstadt (Landkreis Rhön-Grabfeld) setzt er die seit 1888 bestehende Tradition fort. "Das hat schon einen historischen Hintergrund", verweist der Edelsommelier auf den Namen seiner Familie – und schlägt den Bogen über die Gerste zur Whiskybrennerei. "Ich habe einen Kumpel, der heißt Neuhöfer und ist Pflasterer", fügt er augenzwinkernd hinzu und erwähnt nebenbei, dass die Kohls eigentlich Röster heißen müssten.
Regionalität
"Wir haben uns kennengelernt und angefreundet", erklärt Mathias Gerstner über die Partner in der Kreisstadt. Gerstner setzt eigenen Angaben zufolge auf Kooperationen und auf Regionalität der Produkte und verwendet für seinen Kaffee-Likör neben Bohnen aus einer Rösterei in Trappstadt auch die aus Tirschenreuth. "Wir haben sehr schnell festgestellt, dass dieser Espresso hervorragend geeignet ist für meine Rezeptur."
Bereits 2014 hat Mathias Gerstner die Prüfung zum Edelbrand-Sommelier abgelegt. Vergangenes Jahr schloss er die Ausbildung zum Brenner ab – berufsbegleitend in Landshut und Veitshöchheim. Früchte haltbar machen durch Destillation – dies gewinnt nach Einschätzung von Gerstner im Hinblick auf die Verwertung von Streuobst inzwischen wieder einen hohen Stellenwert.
Likör mit Zoigl aus Mitterteich
"Viele Brenner kaufen Konzentrate", sagt Mathias Gerstner über die Likörproduktion." Das war von Anfang an nie mein Anspruch", erklärt der Brenner, der unter anderem schon mit Thomas Hartwich aus Mitterteich einen Zoigl-Likör kreiert hat. Stolz ist Gerstner darauf, dass er die erste Nachhaltigkeitsbrennerei in Deutschland betreut – mit Holzfeuerung, der Brennstoff aus dem eigenen Wald, die Stromversorgung aus der eigenen PV-Anlage. Einen Sahnelikör wollte er nicht, weil das ohne chemische Zusätze nicht funktioniert. "Aber mit Kaffee kann man da gut arbeiten."
Dies fand auch die Jury beim Fachwettbewerb "Craft Spirit" in Frankfurt. "Da dürfen nur kleine handwerkliche Betriebe einreichen", spricht der Edelbrand-Sommelier von einem wichtigen Wettbewerb in der Branche. Unter den 570 Spirituosen, die verkostet wurden, gewann Gerstners Espresso-Likör in der Kategorie Kaffee-, Tee- und Kakaoliköre die große Goldmedaille. "Da habe ich mich riesig gefreut", sagt der Brenner und erwähnt, dass auch sein Birnen-Likör mit "Grand-Gold" ausgezeichnet wurde.




















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