22.03.2019 - 14:27 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Lückenschluss am Fischhof

Es sind nur wenige Bauplätze, sie sorgen aber für eine lange Diskussion im Stadtrat. Dabei stellt sich auch die Frage, was wichtiger ist: Blick in die Landschaft, Platz für den Storch oder mehr Raum für den Menschen

Der verfeinerte Entwurf des Planungsbüros Freimüller zeigt das Bebauungsplankonzept am Fischhof. Oben im Bogen die Flächen für Wohnmobile, Fahrzeuge sowie das Versorgungsgebäude, über den Mühlbach in Richtung Lohnsitz Platz für zwei Häuser sowie unten der Bereich auf dem vier Bauplätze geschaffen werden sollen. Die restliche grüne Fläche bleibt als Ausgleichsfläche bestehen.
von Werner Schirmer Kontakt Profil

Die Grünfläche im Gebiet am Fischhof hat schon vor Jahrzehnten eine Beplanung erfahren. Damals sollte dort eine Straßenverbindung zum Büttelloch entstehen. Die kam nicht zustande und das Wiesenareal blieb unberührt auch während der Gartenschau ein Blickfang. Nach der Großveranstaltung hatte die Stadt als neuer Eigentümer gegenüber dem neuen Amtsgericht-Parkplatz eine einfache Stellfläche für Wohnmobile geschaffen. Die erfährt mittlerweile großen Zuspruch. Jetzt soll der gesamte Bereich ordentlich beplant werden. Nach eingehender Diskussion am Donnerstag stimmte eine Mehrheit des Stadtrates für die Aufstellung eines Bebauungsplanes.

Toiletten und Pavillons

In dem Bogen zwischen Straße und Mühlbach ist Raum für acht Wohnmobile, mehrere Personenwagen sowie ein kleines Funktionsgebäude mit Toiletten. Zum Teich hin sieht der Entwurf ein kleines Stück mit Weg und Pavillons vor. In Richtung Lohnsitz entstehen zwei Bauplätze. Und auf der Wiesenflächen zur Waldnaab hin ist im oberen Drittel Platz für vier Wohnhäuser. Das restliche Stück soll Ausgleichsfläche werden.

In der Diskussion nannte Bürgermeister Franz Stahl auch die vielen Anfragen als Grund für dieses neue kleine Baugebiet. Aktuell würden elf Bewerber sich für die vier Grundstücke interessieren. Stadtbaumeister Andreas Ockl erläuterte den Entwurf, der vier Baugrundstücke mit einer Größe zwischen 800 und 1000 Quadratmetern vorsieht. Die Erschließung erfolgt durch eine Zufahrt in der Mitte, die in einem Wendehammer endet. Als Bauform soll die Ausführung mit einem Obergeschoss und Satteldach vorgeschrieben werden.

Auf der nördlichen Fläche für die Wohnmobile und Fahrzeuge sei auch eine umfassende Eingrünung vorgesehen. Stahl stellte heraus, dass bei der künftigen Bebauung keine Ausnahmen geduldet werde. "Das machen wir den Bewerber von Anfang an klar!" Auch versicherte Stahl, dass auf der nördlichen Fläche kein Campingplatz entstehen würde. Für CSU-Fraktionssprecher Peter Gold war das Vorhaben durchaus vertretbar. "Wir schließen eine Baulücke" , bewertete er die Situation am Fischhof.

Manfred Zandt als Vertreter der Freien Wähler sah dies anders. Die geplante Wohnbebauung würde zu einer "Riegelwirkung" beim Blick in die Landschaft führen und somit auch einen starken Eingriff ins Landschaftsbild darstellen. "Das hat negative Auswirkungen auf den Fischhofpark und ist unwiderruflich", fürchtete Zandt. Konrad Schedl (Grüne) wollte die Auswirkungen nicht verkennen, stellte aber die Frage, was höher zu bewerten sei. Schedl verwies auf das benachbarte Bodendenkmal. Die entsprechenden Stellen würden bei Verfahren eingebunden, beruhigte der Bürgermeister.

Stahl: Storch ist flexibel

Karl Berr (Wählergemeinschaft Umwelt) kämpfte für die "einzige Stelle im Fischhofpark mit freiem Blick in die umgebende Landschaft". Zudem wollte der Vogelschützer Wiesenflächen für den Storch erhalten. Für die Bauwünsche verwies Berr auf "150 bis 200 baureife Grundstücke" in der Stadt. "Der Storch ist sehr flexibel", machte sich Stahl keine Sorgen über zu wenige Nahrungsflächen für den Vogel. Außerdem müsste sich die Stadt auch an den Wünschen der Menschen orientieren. Bei der Bedeutung der Fläche wunderte sich Gold: "Plötzlich ist das der schönste Platz in Tirschenreuth."

Rahn: Alles stimmig

Und Doris Schön (CSU) wusste sehr wohl, dass es im Fischhofpark auch andere Stellen gebe mit einem schönen Blick in die Landschaft. Bei der Vergabe der Bauplätze forderte Schön, junge Familien zu berücksichtigen. Gunar Prauschke (SPD) gab sich dem Vorhaben sehr aufgeschlossen und wollte als Fotograf eher eine "uninteressante Blickrichtung" bescheinigen. Norbert Schuller (Freie Wähler) wusste von unterschiedlichen Meinungen in seiner Fraktion, gab sich selbst als Befürworter. "Hat denn der Storch mehr Rechte, als die Familien", fragte Schuller. Vinzenz Rahn (CSU) verwies darauf, dass er sich als erster bei negativen Auswirkungen auf den Fischhofpark melden würde. "Aber es ist alles stimmig", bewertete Rahn das Vorhaben. "Wir machen alles mit Bedacht", ließ sich auch Peter Gold nicht in eine Ecke drängen, dass ihm die Natur "wurscht" sei. Angelika Brunner (CSU) gab sich skeptisch. Durch das Vorhaben werde der Fläche die Großzügigkeit genommen.

Fünf Gegenstimmen

In der langen Diskussion meldete sich dann auch Paulus Mehler (CSU). Nicht aber, um einen weiteren Beitrag anzufügen. "Alle Argumente sind ausgetauscht", urteilte Mehler und stellte erstmals einen Antrag zur Geschäftsordnung, nämlich die Debatte zu beenden. Der Antrag wurde dann auch mehrheitlich angenommen. Bei der eigentlichen Abstimmung plädierte die Mehrheit gegen fünf Stimmen für die Änderung des Flächennutzungsplanes und die Aufstellung eines Bebauungsplanes. Im Winter sollte die Erschließung ausgeschrieben werde, blickte Stahl auf die weiteren Schritte. Eine Bebauung könnte dann bereits im nächsten Jahr möglich sein.

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