10.12.2020 - 09:00 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Muttergottes wandert von Haus zu Haus

Eine Tradition in katholischen Gemeinden ist das sogenannte Frauentragen. Praktiziert wird es seit längerem auch im Stiftland. Aufgrund der Corona-Pandemie findet der Brauch in diesem Advent unter veränderten Bedingungen statt.

Der ehemalige Landvolkpfarrer Paul Urlberger brachte den Brauch des Frauentragens zum Landvolk Wernersreuth.
von Konrad RosnerProfil

Ein alter katholischer Brauch, das Frauentragen, wurde in den vergangenen Jahren auch im Stiftland wiederbelebt. Viele katholische Landvolkvereine haben diese Form der Marienverehrung vor allem auf Initiative des ehemaligen Landvolk-Pfarrers Paul Urlberger aufgegriffen. Corona macht in diesem Jahr einiges schwieriger.

Einige Vereine verzichten auf das Frauentragen, wie etwa auch die Landvolkbewegung Wernersreuth. In dem Ort bei Neualbenreuth wird der Brauch seit 2011 alljährlich in der Adventszeit praktiziert. Der verstorbene Pfarrer Paul Urlberger hatte den Mitgliedern das Frauentragen bei einem "Bayerischen Abend" vorgestellt.

Maria in der Hoffnung

In Stein und in Beidl findet das Frauentragen auch in diesem Jahr statt. Landvolk-Vorsitzende Lucia Ziegler betont, dass dabei die Corona-Hygienevorschriften absolut eingehalten werden. Die Marienfigur wird im Freien an die nächste Gastfamilie übergeben. Die Überbringenden stellen die Madonna an der Haustür ab und läuten. Bei der Übergabe sprechen die Überbringenden die Worte: "Der Friede sei mit diesem Haus." Mit entsprechendem Abstand übernimmt die neue Gastfamilie die Statue "Maria in der Hoffnung" mit den Worten: "Und auch mit euch." Danach wird sie ins Haus getragen. Danach wird gründliches Händewaschen und Desinfizieren empfohlen.

"Das Frauentragen", so Lucia Ziegler, "ist ein sehr beliebter religiöser Volksbrauch und führt in seinem Kern auf die Herbergssuche des heiligen Paares zurück." Im 17. Jahrhundert wurden "Empfängnistafeln" von Haus zu Haus getragen, gelegentlich auch Statuen der Gottesmutter, wobei man um die Aufnahme der (schwangeren) Maria und Josef bat, in Anlehnung an die Herbergssuche.

Aktuelle Botschaft

Ein Symbol auch in der heutigen Zeit, in der weltweit Millionen Flüchtlinge nach einer Bleibe und einer neuen Heimat suchen. "War es früher der Steuererlass des Kaisers, so treiben heute vor allem Krieg, Verfolgung, Folter, aber auch die fortschreitende Umweltzerstörung Migranten in die Verlassenheit, vielfach ohne jeden gesetzlichen Schutz."

Gerade deshalb habe das Frauentragen, so Lucia Ziegler, die von Elke Beer unterstützt wird, eine aktuelle Dimension - auch in Zeiten der Corona-Pandemie. Elke Beer ergänzt: "Gerade jetzt, wo wieder Andachten und Gottesdienste entfallen müssen, ist dies eine gute Gelegenheit, im Gebet dem Himmel nahe zu sein und eine besinnliche, hoffnungsvolle Gebetsgemeinschaft zu erfahren."

Zum Nachdenken

Für einen Tag Gastgeber der Muttergottes zu sein, solle zum Gebet, zum Nachdenken und zum Gespräch einladen und anregen. "Der alte Brauch des Frauentragens soll Hoffnung und Zuversicht in die Familien bringen", so Lucia Ziegler.

Am nächsten Tag wird dann die Statue, die die schwangere Maria darstellt, zur nächsten Familie getragen.

Hintergrund:

Frauentragen im Advent

  • Frauentragen, mancherorts auch Wandermuttergottes genannt, ist ein alter Brauch in katholischen Kirchengemeinden.
  • Gepflegt wird diese Form der Marienverehrung in Orten in der Oberpfalz im Advent, vor allem wird das Frauentragen aber im alpenländischen Raum praktiziert.
  • Eine Marienstatue wandert dabei durch die Pfarrei und wird von Familien aufgenommen.
  • Symbolisiert werden dadurch verschiedene Episoden im Leben der biblischen Maria, zum Beispiel die Herbergssuche oder die Flucht nach Ägypten.
  • Es ist Brauch, dass die Familie, die die Statue der Muttergottes aufgenommen hat, andere Gläubige zum gemeinsamen Gebet oder dem Singen von Liedern einlädt.
  • Das Frauentragen soll besinnlich auf das Weihnachtsfest einstimmen. (dt)
Diese Darstellung der Madonna wird in Wernersreuth von Haus zu Haus getragen
Frauentragen bei der Familie Beer in Beidl: Zum gemeinsamen Gebet sind am Tisch die beiden Töchter Veronika und Karolina sowie ihr Vater Wolfgang Beer versammelt.

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