29.01.2019 - 17:42 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Wer Orange sieht, ist fällig

Die Hauptuntersuchung steht dieses Jahr für alle Fahrer an, die eine orangefarbene Plakette am Fahrzeug haben. Der Fachmann vom TÜV rät, den Termin nicht auszureizen. Es drohen empfindliche Geldbußen.

Aus Orange wird Gelb: Alle, die eine orangefarbene Prüfplakette haben, müssen dieses Jahr zum „TÜV“. Wenn alles in Ordnung ist, wird in diesem Jahr eine gelbe Prüfplakette geklebt. Christian Geweth, Prüfstellenleiter im Marktgebiet Weiden–Tirschenreuth, zeigt es.

Kein Jahr vergeht ohne Neuerungen und Änderungen - auch für die Autofahrer, wenngleich sie dieses Jahr etwas geringer ausfallen. Das Wichtigste vorneweg - jedes Fahrzeug, das eine orangefarbene Prüfplakette auf dem hinteren Kennzeichen hat, muss dieses Jahr zum "TÜV". Ist das Auto verkehrssicher, steht der Zuteilung der Plakette nichts im Wege. In diesem Jahr erhalten die Autofahrer die Plakette in der Farbe Gelb, der nächste "TÜV" ist damit im Jahr 2021 fällig. In welchem Monat man zur Hauptuntersuchung antreten muss, erkennt man daran, welche Zahl der Prüfplakette sich auf "12 Uhr" befindet. Im Januar die "1", im Februar die "2", usw. Zwar sagt der Volksmund, dass man die Hauptuntersuchung bis zu zwei Monate überziehen könne, dennoch sei es sinnvoller in dem Monat, in dem das Fahrzeug fällig ist, den TÜV-Termin zu vereinbaren. Kommt es zu einem Unfall mit dem bereits überfälligen Pkw, könnte es zu versicherungstechnischen Problemen kommen, warnt auch Christian Geweth, neuer Prüfstellenleiter im Marktgebiet Weiden-Tirschenreuth. Wer die Hauptuntersuchung über drei Monate hinauszögert, dem droht ein Bußgeld. Für drei Monate Überfälligkeit werden 15 Euro fällig, von vier bis acht Monaten 25 Euro und von mehr als acht Monaten sogar 60 Euro und 1 Punkt in Flensburg. Die "TÜV"-Plaketten gibt es übrigens in lediglich sechs Farben - Braun, Rosa, Grün, Orange, Blau und Gelb -, die sich immer wieder wiederholen.

Bei der Hauptuntersuchung wird eine Vielzahl von sicherheitsrelevanten Bauteilen am Fahrzeug untersucht. Von der Beleuchtung über die Fahrzeugaufhängung, die Bremsen bis hin zu den Reifen. Auch auf Korrosion des Fahrzeugs wird geachtet. Ein wichtiger Bestandteil der Hauptuntersuchung ist die Abgasuntersuchung. Sie kann auch von einer Fachwerkstatt, sofern diese von der KFZ-Innung anerkannt ist, vorgenommen werden.

Seit Januar 2018 muss an jedem Fahrzeug wieder eine Endrohrmessung gemacht werden - wohl eine Folge des Abgas-Skandals. Neu ist zudem, dass für die Überprüfung der Scheinwerfer ein sogenannter Scheinwerfereinstellplatz geschaffen werden musste. Diese Prüffläche muss mit dem Laser auf den Millimeter genau vermessen sein. Ferner werden von jedem Auto mittels eines Testgeräts die Fahrzeugsystemdaten über eine Fahrzeugschnittstelle im Pkw ausgelesen. Hier können Fehler und Manipulationen in der Fahrzeugelektrik überprüft werden. Viele Autofahrer, so berichtet Christian Geweth, seien mit zum Teil sehr schlechten Reifen unterwegs. Winterreifen sollten mindestens noch vier Millimeter Profil haben, auch wenn der Gesetzgeber als Mindestprofiltiefe 1,6 Millimeter vorschreibt.

Seit 1. Januar 2018 produzierte Winter- oder Ganzjahresreifen müssen, wenn sie als wintertauglich gelten wollen, das Alpine-Symbol auf der Flanke tragen. In Österreich zum Beispiel gilt ein Winterreifen nur dann als Winterreifen, wenn er neben der gesetzlich geforderten Kennzeichnung zugleich ein Mindestprofil von vier Millimetern aufweist.

Die Reifen sollten nicht älter als sechs Jahre sein. Es gibt zwar keine gesetzliche Vorschrift dafür, dennoch wird ein Reifen mit fortschreitendem Alter spröde, rissig und hart, worunter die Verkehrssicherheit erheblich leidet.

Viele Autofahrer würden es teilweise nicht bemerken, dass an ihrem Pkw etwas defekt, gebrochen oder ausgeschlagen sei und seien den Sachverständigen vom TÜV dankbar für die Feststellung dieser Mängel. Seit Mitte 2018 gibt es bei allen Prüforganisationen eine neue Mangeleinstufung. Neben dem bereits bestehenden "geringen Mangel" und "erheblichen Mangel", kam ein "gefährlicher Mangel" als Zwischenstufe zum "verkehrsunsicheren Mangel" hinzu.

Ein Fahrzeug mit einem "gefährlichen Mangel" gefährdet akut den Verkehr und sollte demnach sofort nach Feststellung in die Werkstatt gebracht werden. Ein Fahrzeug mit einen "verkehrsunsicheren Mangel" ist verkehrsuntüchtig und nicht mehr für den Straßenverkehr zugelassen. Die Plakette wird an Ort und Stelle vom Kennzeichen entfernt.

Dieser Fall komme jedoch sehr selten vor, berichtet der Fachmann. Die Vielzahl der Autos bekommt beim "ersten Mal" Vorfahren teilweise mit einem "blauen Auge" (= geringe Mängel) die Prüfplakette.

Christian Geweth liest die Fahrzeugsystemdaten aus.
Die Einstellung des Abblendlichts erfolgt auf einem eigens geschaffenen Scheinwerferstellplatz. Er ist mit einem Laser auf den Millimeter genau vermessen.
Dass bei diesem Auto eine Vorderfeder gebrochen ist, stellte der TÜV bei der Untersuchung fest. Der Fahrer hatte es gar nicht bemerkt.
Die Querstrebe am Reifen ist die Verschleißgrenze.
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