Tirschenreuth
12.09.2019 - 15:33 Uhr

Polizei in Tirschenreuth warnt "Vorsicht Kamera"

Seit Ende August haben die Tirschenreuther Polizisten ein neues Einsatzmittel: Body-Cams. Die Uniform-Kameras sollen für mehr Sicherheit sorgen.

Polizeihauptmeister Markus Jobst und Polizeiobermeister Florian Riedl (von links) präsentieren die Body-Cam als neues Einsatzmittel der Polizieiinspektion Tirschenreuth. Bild: szl
Polizeihauptmeister Markus Jobst und Polizeiobermeister Florian Riedl (von links) präsentieren die Body-Cam als neues Einsatzmittel der Polizieiinspektion Tirschenreuth.

Die Polizeiinspektion Tirschenreuth ist seit Ende August mit zwei Body-Cams ausgerüstet. "Die Hauptaufgabe der Körperkamera ist die Deeskalation", erklären Polizeiobermeister Florian Riedl und Polizeihauptmeister Markus Jobst. Die Geräte haben vor allem präventiven Charakter. Allein das Wissen, dass eine Videoaufzeichnung läuft, könne Menschen davon abhalten, zum Beispiel weiter aggressiv zu sein. "Die Hemmschwelle ist eine ganz andere, wenn die Situation aufgezeichnet wird", sagt Riedl.

Die Körperkamera dient zugleich zum Schutz der Beamten: vor Beleidigung, körperlichen Angriffen oder ungerechtfertigten Anschuldigungen. "Vor allem bei Veranstaltungen, Partys und Feiern kommt es immer häufiger vor, dass wir übel beleidigt werden", erklärt Jobst. "Wir haben die Hoffnung, dass es durch die Kameras besser wird."

Nur kritische Situationen

Eingesetzt werden die knallgelben, etwa zehn mal fünf Zentimeter großen Uniform-Kameras ausschließlich in kritischen Situationen im öffentlichen Raum, wenn eine Gefahr für die Beamten oder Dritte bestehen könnte. Bei Verkehrskontrollen, der Unfallaufnahme oder nur zur Dokumentation wird die Kamera nicht genutzt. Das regelt das Polizeiaufgabengesetz.

Das Gerät ist ständig im sogenannten Pre-Record-Modus, die Aufnahmen werden alle 30 Sekunden überschrieben. Wann die Kamera speichert, entscheidet der Beamte, der sie trägt. Die Polizisten sind angehalten, dem Gegenüber die Videoaufzeichnung anzukündigen. Mit einem Handgriff in die Mitte des Kästchens wird der Speicher aktiviert. Es werden auch die Bilder der letzten 30 Sekunden vor dem Druck aufs Knöpfchen aufgezeichnet. Somit ist der Einschalt-Grund ebenfalls dokumentiert. Die Aufnahmen werden nach 21 Tagen automatisch gelöscht - außer sie sind Beweismaterial. Die Staatsanwaltschaft kann das Video im Falle eines Strafverfahrens sichern lassen. Ein positiver Nebeneffekt.

Positive Neuerung

Die Auswertung der Tirschenreuther Body-Cams kann nur in deren Dienststelle erfolgen. Ebenso haben die Polizisten keinen Zugriff auf die Aufnahmen der Kollegen in Waldsassen oder Weiden. Sollte eine Kamera verloren gehen, oder sie ein Angreifer von der Uniform abreißen, könnte deshalb niemand etwas damit anfangen. Das abgeschlossene System lässt auch nicht zu, dass die Aufnahmen manipuliert oder bearbeitet werden. "Das ist technisch gar nicht möglich", erklärt der 27-Jährige Polizeiobermeister.

Alle 30 Kollegen der Polizeiinspektion Tirschenreuth sind mittlerweile geschult. Sie wissen, wie die Uniform-Kamera funktioniert, aber auch wann sie sie einsetzen dürfen. Das Tragen der Body-Cam ist freiwillig. "Darüber entscheidet jeder Kollege selbst", sagt Inspektionsleiter Werner Schönfelder. Das Team stehe der Neuerung positiv gegenüber. "Jeder Polizist kann nachvollziehen, warum wir mit Body-Cams ausgestattet werden", erklärt Jobst.

Das Gerät wiegt nur wenige Hundert Gramm und ist somit keine Belastung an der Uniform. Mit Druckknöpfen ist die Kamera an einer Lasche an der Schutzweste im Brustbereich schnell angeknipst. Mit einem staken Magneten lässt sie sich auch an die Lederjacke anbringen. "In den vergangenen Jahren sind wir umfangreich ausgestattet worden. Aber das hat alles seinen Sinn und erleichtert uns die Arbeit", sagt Riedl. Das zusätzliche Gerät macht ihm nichts aus.

Positive Auswirkungen

Dabei hatten die Streifenpolizisten die Body-Cam schon des Öfteren. Zu einer Aufnahme kam es erst wenige Male. Jobst weiß von einem Einsatz eines Kollegen: "Es ging um einen Streit", weiß der 31-Jährige. Als sein Kollege die Beteiligten informierte, er schalte jetzt die Kamera ein, entspannte sich die Situation tatsächlich. Die beiden Polizisten sind sich sicher, dass die Body-Cam die Chancen erhöht, Einsätze ohne Eskalation zu bewältigen.

 
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