18.06.2019 - 17:08 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Prozess wegen Körperverletzung an Stiefkindern: „Es gibt nichts zu gestehen“

Ein 26-Jähriger bestreitet vehement, im Juni 2018 seine Stieftochter und seinen Stiefsohn geschlagen zu haben. Am zweiten Verhandlungstag vor dem Amtsgericht Tirschenreuth sagen eine Polizistin und eine Familienhelferin aus.

Symbolbild
von Martin Maier Kontakt Profil

Wenige Tage vor dem zweiten Verhandlungstag in Tirschenreuth war der 26-Jährige am Amtsgericht Wunsiedel wegen Körperverletzung an seinem Stiefsohn zu sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Das Wunsiedeler Urteil griff Richter Thomas Weiß zu Beginn der Sitzung auf. Er fragte den Angeklagten, ob er nicht ein Geständnis ablegen wolle. "Es gibt nichts zu gestehen. Ich habe nichts gemacht", erklärte der 26-Jährige wie schon am ersten Verhandlungstag.

Die Anklage wirft dem Mann aus dem Landkreis Tirschenreuth vor, seiner damals achtjährigen Stieftochter zu Hause mit der Faust ins Gesicht und sie anschließend mit dem Kopf gegen den Boden geschlagen zu haben. Die Folgen seien eine Gehirnerschütterung und ein Einriss im Oberlippenbändchen gewesen. Außerdem soll der junge Mann seinem damals siebenjährigen Stiefsohn mit der flachen Hand eine Backpfeife verpasst, ihn am Hals gepackt und gegen den Kleiderschrank gedrückt haben. Dadurch habe der Bub Schwellungen und Rötungen im Gesicht erlitten.

Zwei Tage danach schaute eine Polizeistreife nach einem anonymen Hinweis bei der Familie vorbei. "Wir haben keine sichtbaren Verletzungen bei dem Jungen gesehen", erklärte eine Polizistin vor Gericht. Das Mädchen sei damals schon im Krankenhaus gewesen.

Seit August 2017 bekam die Familie auch sechs Stunden in der Woche Unterstützung durch eine Familienhelferin. Die 35-Jährige gab an, dass sie im Oktober 2017 blaue Flecken an der Wange des Buben dokumentiert habe. Und im Juni 2018 habe er einmal blaue Striemen im Gesicht gehabt. "Das war der Papa mit den Flip-Flop", soll der Kleine gesagt haben. Die Mutter habe dies aber verneint. Außerdem erinnerte sich die Sozialpädagogin an eine Verletzung am Rücken des Jungen. Ihr sei damals gesagt worden, dass er von der Treppe gefallen sei.

Am ersten Verhandlungstag hatten beide Kinder ausgesagt. Diesen Punkt griff der 26-Jährige noch einmal auf: Denn auf Antrag seiner Anwältin Ilka Lang-Seifert trat nun auch seine jetzige Freundin als Zeugin auf. Diese gab an, dass sie am ersten Verhandlungstag im Wartebereich vor dem Gerichtssaal saß. Dort habe die Stieftochter nach ihrer Vernehmung zu ihrer Mutter gesagt, dass sie "gerne wieder alles richtigstellen will". Die Mutter habe geantwortet: "Du hast alles gesagt, was ich dir gesagt habe."

Auch die Familienhelferin habe das Gespräch mitbekommen. Das verneinte diese aber auf Nachfrage des Richters. Die Verhandlung wird am Mittwoch, 26. Juni, um 13.30 Uhr fortgesetzt.

Bericht über den ersten Verhandlungstag:

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