13.12.2020 - 09:41 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Schirmherrin Claudia Grillmeier: So hilft Lichtblicke im Landkreis Tirschenreuth

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Claudia Grillmeier führt als "First Lady" des Landkreises die Tradition der Lichtblicke-Schirmherrinnen fort. Die Coronakrise macht die verantwortungsvolle Aufgabe nicht leichter. Im Interview verrät sie, warum das so ist.

Lichtblicke-Schirmherrin Claudia Grillmeier bessert mit selbst eingemachten Marmeladen die Kasse der Hilfsaktion auf.
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

ONETZ: Frau Grillmeier, im Landkreis Tirschenreuth war die „First Lady“ schon immer gleichzeitig Schirmherrin der Hilfsaktion Lichtblicke. War es für Sie von Anfang an klar, dass Sie im Falle eines Wahlsiegs Ihres Mannes das Amt ebenfalls übernehmen werden?

Claudia Grillmeier: Ich habe mich im Vorfeld zwar nicht sehr intensiv damit beschäftigt, aber ich wusste natürlich, dass es Lichtblicke gibt. Als ich vor der Wahl direkt darauf angesprochen wurde, ob ich diese Tradition fortführen würde, habe ich mich damit natürlich auseinandergesetzt, und ich habe mich über die Aktion informiert. Für mich war dabei schnell klar, dass ich die Aufgabe annehmen werde, falls mein Mann die Wahl gewinnt. Natürlich hat sich dadurch einiges geändert. Roland war zwar vorher schon 18 Jahre Bürgermeister, aber das lässt sich nicht vergleichen. Da konnte ich mich bei seiner Arbeit immer zurückhalten und mich um Kinder und Familie kümmern. Die Aufgaben waren klar verteilt, das hat sich schon ein wenig geändert. Als Frau des Landrats wird man viel öfter angesprochen.

ONETZ: Was sind die Hauptaufgaben als Schirmherrin, und wie viel Zeit nimmt dieses Amt in Anspruch?

Claudia Grillmeier: Die Hauptaufgaben sind die Repräsentationspflichten. Und die liegen mir eigentlich gar nicht so. Öffentliche Auftritte, bei denen ich im Vordergrund stehen muss, meide ich eigentlich gern. Für Lichtblicke muss ich das jetzt übernehmen. Aber der Einsatz für Menschen macht schon auch Freude, weil man weiß, dass man hier etwas Gutes tun kann. Wie viel Zeit man in diese Aufgabe im Schnitt investieren muss, kann ich eigentlich noch gar nicht so recht sagen. Zuletzt war das ganz unterschiedlich, gerade in der Anfangszeit, in der vieles still stand, gab es weniger Anfragen. In der Zwischenzeit tausche ich mich drei- bis viermal in der Woche mit den zuständigen Damen im Landratsamt, Annegret Dworschak und jetzt neu mit Isabel Sommerer, aus. Zuletzt gab es sogar täglich Gespräche. Es gibt doch viel Abstimmungsbedarf zu den Anträgen. Und was sehr erfreulich ist: Es gibt auch viele Menschen, die uns unterstützen wollen. Und das in ganz unterschiedlicher Form. Hier ist ebenfalls ein Austausch notwendig, gerade auch wegen der Organisation von Fahrten zu einer Spendenübergabe. Insgesamt ist es schon beeindruckend, wie viele Menschen Lichtblicke helfen.

ONETZ: Ihre Vorgängerinnen, Helga Haberkorn und Edith Lippert, haben für Lichtblicke Plätzchen gebacken und Marmeladen eingemacht und für den guten Zweck verkauft. Setzen Sie auch diese Tradition fort?

Claudia Grillmeier: Zumindest die eingemachten Marmeladen gibt es weiter. So etwas liegt mir ohnehin mehr als die Repräsentationsaufgaben. Ich backe und koche gerne. Deswegen habe ich mich auch entschlossen, die Aktion mit der Marmelade weiterzuführen. Heuer habe ich mit Bekannten rund 330 Gläser eingemacht, die im Nu verkauft waren. Das macht natürlich Freude. Die Zahl der Sorten müssen wir aber nächstes Jahr reduzieren. Heuer waren es 46 verschiedene Sorten, angefangen von der Quitten- und Erdbeermarmelade bis hin zu Bratapfel- und Weißweingelee. Das war nicht nur ungemein anstrengend, sondern einfach zu zeitaufwendig. Da müssen wir die Arbeitsabläufe etwas straffen. Besonders hat mich gefreut, dass mich auch Helga Haberkorn, die erste Schirmherrin, mit ihrer leckeren Marmelade weiter unterstützt. Leider musste der übliche Verkauf am Weihnachtsmarkt Mitterteich, der fest eingeplant war, ausfallen. Wir haben uns aber mit Alternativen beholfen, die gut angenommen wurden. Auch das Modehaus Zeitler in Mitterteich, das Café Verena in Tirschenreuth und die Metzgerei Zitzelmann in Kemnath haben uns dabei unterstützt. Im nächsten Jahr gibt es die Marmeladen dann hoffentlich wieder auf dem Weihnachtsmarkt.

ONETZ: Sicher wollen Sie auch eigene Akzente setzen ...

Claudia Grillmeier: Ich denke, dass Lichtblicke nicht dazu da ist, persönlich große Akzente zu setzen, sondern um zu helfen, und dass diese Aktion bei den Menschen angekommen ist, zeigen zum einen die vielen Unterstützungsangebote, aber auch die vielen Anfragen. Auch für Behörden und Verbände, die Menschen unterstützen, sind wir ein fester Ansprechpartner geworden, das habe ich die ersten Monate schon mitbekommen. Hinter den Kulissen tut sich aber im Landratsamt einiges, auch dank Frau Isabel Sommerer, die ebenfalls neu im Team ist und mich nach Kräften unterstützt. Sie ist nun erste Kontaktperson im Amt für die Behörden. Wir sind derzeit dabei, unseren Auftritt auf der Homepage des Landkreises und unseren Flyer zu überarbeiten.

ONETZ: Wer entscheidet eigentlich darüber, ob die Aktion Lichtblicke in einem Fall aktiv wird und wie sie einen Bedürftigen unterstützt?

Claudia Grillmeier: Jeder Fall wird genau geprüft und gemeinsam diskutiert. Vorzimmerdame Annegret Dworschak, die durch ihre langjährige Tätigkeit für Lichtblicke hier viel Erfahrung und Wissen mitbringt, ich als neue Schirmherrin und unsere neue Mitarbeiterin Isabel Sommerer von der Hauptverwaltung des Landratsamts treffen danach gemeinsam die Entscheidung, ob das ein Fall für uns ist. Nur wenn wir alle der Meinung sind, dass Lichtblicke hier aktiv werden sollte, dann gibt es auch eine Hilfe. Alleingänge sind ausgeschlossen. Eine wichtige Grundlage aller Entscheidungen ist: Wir leisten nur Hilfe zur Selbsthilfe und übernehmen keine laufenden Leistungen. Zudem ist ein weiteres Grundprinzip, dass es sich um einmalige Hilfe in Notlagen handeln muss, aber natürlich gibt es hier auch Härtefälle und Ausnahmen. Jeder Antrag nimmt Zeit in Anspruch. Wir müssen Hintergründe klären, andere Hilfen abfragen, Missbrauch ausschließen. Oft gibt es dann auch einen anderen Weg über das Jobcenter, das Sozialamt oder andere Stellen. Letztendlich haben sich nach über 20 Jahren auch gewisse Grundlagen und Muster herauskristallisiert, welchen Betrag oder Gutschein man gewährt, hier ist Annegret Dworschak mit über 20 Jahren Erfahrung für uns die beste Entscheidungsstütze.

ONETZ: Und wie sieht so eine Hilfe dann konkret aus?

Claudia Grillmeier: Wie bereits gesagt, es muss wirklich eine Notlage bestehen und Hilfe zur Selbsthilfe möglich sein. Da geht es zum Beispiel mal darum, eine Reparaturrechnung für ein Auto zu übernehmen, damit der Arbeitsplatz nicht verloren geht oder wir zahlen mal eine Monatsmiete ... Jetzt im Winter ist es auch ein wichtiges Thema, mal bei den Heizkosten mit einzuspringen oder einen Einkaufsgutschein auszustellen. Es kommt auch schon mal vor, dass wir bei einer älteren Person eine Tierarzt-Rechnung für ein Haustier übernehmen, wenn uns dies wichtig erscheint. Jeder Fall ist anders gelagert. Es gibt leider immer wieder auch Fälle, da können wir nicht helfen und müssen Nein sagen.

ONETZ: Schildern Sie doch mal ein paar typische Fälle, bei denen Lichtblicke die vergangenen Monate im Landkreis Tirschenreuth helfen konnte.

Claudia Grillmeier: Ein Fall, der mich besonders bewegt hat, ist einer mit Urgroßeltern, die sich um ihren schwer beeinträchtigten Urenkel kümmern. Die Wohnung musste dazu umgebaut werden. Außerdem brauchte die Familie ein behindertengerechtes Auto. Hier konnten wir dann gemeinsam mit meinem Mann über die Rotarier noch eine Unterstützung erreichen. Zusammen konnten wir spürbar helfen. Spontan fällt mir da auch noch ein Fall ein, bei dem wir Kindern aus einer Pflegefamilie helfen konnten, selbstständig zu werden, auf eigenen Beinen zu stehen. Lichtblicke hat die erste Wohnungseinrichtung unterstützt. Die vielen Kosten, die da plötzlich aufliefen, hätten die jungen Leute am Anfang einfach überfordert. Und dann war da noch ein Fall, bei dem ein schwer Gehbehinderter nach langer Suche endlich eine passende Wohnung gefunden hat. Der Umzug musste aber ganz schnell gehen, was finanziell für den Mann so nicht machbar war. Auch hier konnte Lichtblicke helfen. Man merkt bei solchen Fällen erst selbst, wie gut es einem eigentlich geht und freut sich, etwas beitragen zu können, damit es anderen auch besser geht. In Deutschland ist vieles geregelt, und doch stehen manche Leute plötzlich ohne Hilfe da. Hier ermöglichen wir über Lichtblicke eine relativ unbürokratische Hilfe, deswegen ist es gut, dass es die Aktion gibt. Jeder kann durch seine Unterstützung ein Teil von Lichtblicke werden. Ich sehe es auch als meine Aufgabe, dafür zu werben und die Leute zum Mitmachen zu ermuntern.

ONETZ: Die mit unserer Zeitung aus der Taufe gehobene Aktion Lichtblicke gibt es im Landkreis seit 1999. Melden sich die Leute mittlerweile selbst, wenn sie Hilfe brauchen oder kommen die Hilferufe eher aus dem Umfeld der Betroffenen?

Claudia Grillmeier: Es gibt viele Wege, mit uns Kontakt aufzunehmen. Es melden sich wirklich etliche Hilfesuchende bei uns direkt. Meist schreiben sie eine Mail oder einen Brief und beschreiben darin ihre Notlage, andere rufen auch an, manche kommen auch persönlich im Amt vorbei. Viele Anfragen kommen aber in der Zwischenzeit auch von Betreuern, Verbänden oder auch schon mal direkt vom Sozial- oder Jugendamt, die auch wissen, dass wir oft einmal etwas unbürokratischer als andere Stellen helfen können.

ONETZ: Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf die Arbeit aus? Viele Veranstaltungen, bei denen für Lichtblicke ein Erlös erzielt worden ist, fallen aus. Kann Lichtblicke überhaupt da noch helfen?

Claudia Grillmeier: Gott sei Dank gibt es einen guten Grundstock, und ich bin beeindruckt, wie viele Firmen oder Schulen, wie zuletzt die Realschule in Kemnath, uns mit einer Aktion unterstützen. Auch Privatpersonen geben uns von ihren Geburtstagsgeschenken einen Teil ab. So ging in den vergangenen Monaten fast der Betrag an Spenden ein, den wir gebraucht haben. Wir geben oft auch keine allzu großen Summen aus, kleine Beträge sind auch eine Hilfe. Der höchste Betrag war eine Summe von 3000 Euro, meist sind es kleinere Beträge, mit denen wir helfen können.

ONETZ: Eine Besonderheit ist, dass kein Bargeld ausbezahlt wird, um Missbrauch zu verhindern ...

Claudia Grillmeier: Das erscheint uns auch künftig ungemein wichtig. Grundsätzlich ist es ja in Deutschland so, dass jeder eigentlich das erhält, was er zum Leben braucht. Aber es gibt schon Fälle, da ist das einfach nicht genug, und Geld rinnt einem ja bekanntlich auch durch die Finger, deshalb geben wir kein Bargeld her, sondern bezahlen direkt Rechnungen oder wir geben zweckgebunden Gutscheine aus, dann ist ein Missbrauch eigentlich ausgeschlossen. Aber leider gibt es auch immer wieder Versuche, unsere Hilfsaktion auszunutzen. So gab es unlängst einen Fall, bei dem einfach etwas bestellt und angegeben wurde, dass Lichtblicke das schon bezahlen würde. Auch mit solchen Fällen müssen wir uns leider beschäftigen.

Lichtblicke-Schirmherrin Claudia Grillmeier.
Hintergrund:

Zur Person Claudia Grillmeier (51)

Hier einige Infos zur neuen Lichtblicke-Schirmherrin:

  • Seit Beginn der neuen Kommunalwahlperiode im Mai 2020 „First Lady“ im Landkreis Tirschenreuth und Schirmherrin von Lichtblicke
  • Seit 2001 verheiratet mit Roland Grillmeier
  • Mutter von zwei gemeinsamen Kindern, einem Sohn (19) und einer Tochter (15)
  • Geboren im Krankenhaus in Waldsassen und aufgewachsen in Kondrau
  • Erlernter Beruf: Bürokauffrau
  • Hobbys: Fahrrad fahren, lesen und Ski fahren
  • Wohnt mit ihrer Familie in Mitterteich

Hier erfahren Sie mehr über den Wechsel der Schirmherrschaft

Tirschenreuth

Hier geht es zum Bericht über den Marmeladenverkauf

Tirschenreuth

Ihre erste Spende nahm Claudia Grillmeier von den SPD-Frauen entgegen

Erbendorf

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