01.12.2020 - 11:23 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Schlesier kommen in Tirschenreuther Chronik nicht vor

Genau genau zehn Jahren hat sich die Schlesiergruppe zur ersten Weihnachtsfeier getroffen. Daraus wird heuer nichts. Doch hat Rudolf Fastner auch in Zusammenhang mit der neuen Stadtchronik eine getrübt Stimmung.

Zu den Aktivitäten der Schlesiergruppe gehörten natürlich auch verschiedene Ausflüge, etwa nach Breslau.
von Werner Schirmer Kontakt Profil

"Mit nicht geringer Verwunderung" hat Fastner, der Vorstand, Organisator und Sprecher der Schlesiergruppe Tirschenreuth ist, festgestellt, dass in der "Neuen Tirschenreuther Chronik" die Autoren in keinem Wort die Schlesiergruppe erwähnt haben. Dabei erkennt Fastner die Qualität der Arbeit an, bescheinigt eine "gut gelungene neue Chronik der Stadt Tirschenreuth", aber halt ohne eine Bemerkung über die Schlesier.

Horizont der Forscher erweitern

In einer Reaktion will Fastner deshalb "den Horizont der Forscher etwas erweitern". Dabei beschreibt er seine Bestrebungen im Bereich der Ahnenforschung sowie die Entwicklung der Schlesiergruppe in der Kreisstadt. Als gebürtiger Tirschenreuther hat Fastner aufwendige Ahnenforschung auch über die Familie seiner Frau Christine betrieben. Während Fastners familiäre Wurzeln in den südlichen Böhmerwald reichen, kam er bei seiner Frau bis zu dem im Jahr 1826 in Kauffung in Niederschlesien geborenen Johann Ehrenfried Gründel, dem Urgroßvater. "Damit beließ ich es, vorläufig", blickt Fastner zurück, denn ihn trieb noch etwas anderes um: die Tirschenreuther Schlesier an einen Tisch zu bringen. Bei den ähnlichen Organisationen, wie den Sudetendeutschen in Tirschenreuth, den Schlesiern im Bauerhaus in Mitterteich oder im Maria-Seltmann-Haus erkundigte sich Fastner und ging mit dort gefundenen Erfahrungen daran, die Schlesier in Tirschenreuth ausfindig zu machen. Allzu schwer war das nicht, gibt oder gab es doch zahlreiche Betriebe im Ort, die von Schlesierin geführt wurden.

Bei einem ersten Treffen im Gasthaus der in Schlesien gebürtigen Ursula König im Lerchenfeld waren schon 16 Personen dabei. "Es wurden Erinnerungen an die alte Heimat Schlesien ausgetauscht und natürlich Lieder aus Schlesien gesungen", erinnert sich Fastner. Zum zweiten Treffen kamen dann schon 32 Personen und es wurde beschlossen, die Schlesier in Tirschenreuth in einer Gruppe zusammenzuschließen. Zu den ersten Planungen gehörte eine Weihnachtsfeier, bei der schon 67 Teilnehmer dabei waren. Aus Platzgründen fand diese Feier im Gasthaus Gleißner statt. Dabei wurde auch der Entschluss gefasst, keinen Schlesierverein offiziell anzumelden. Seitdem kann Fastner eine rege Vereinstätigkeit auflisten, mit Busfahrten in die Umgebung oder auch Kaffeekränzchen oder Schlachtschüsselessen.

Und stets gehörten zu den Treffen die Geschichten aus der alten Heimat. 2010 konnte Fastner auch selbst mit seiner Frau zu einer Reise nach Pombsen im Kreis Jauer in Niederschlesien, dem Heimatort der Gründel Familie, aufbrechen. Krummhübel oder die Kirche Wang unter der Schneekoppe waren Station der Reise. Kaum daheim kamen aus der Gruppe Anfragen zu weiteren Reisen. 2013 folgte die erste Bustour nach Breslau, mit Mitreisenden aus Neubrandenburg, Beverungen, Augsburg und München. Der erlebnisreiche Ausflug beinhaltete Sehenswürdigkeiten wie das spätgotische Rathaus, die Elisabethkirche oder die Jahrhunderthalle, die von Max Berg und Hans Pölzig entworfen wurde und 1913 der größte Spannbeton-Kuppelbau der Welt war. Besucht wurden auch die Universität Leopoldina oder die zum Weltkulturerbe gehörende Friedenskirche in Schweidnitz.

Eine Schlesiergruppe gibt es auch in Weiden

Weiden in der Oberpfalz

104 Schlesier in der Kartei

Nach der Reise wuchs die Gruppe auf 75 Personen an. Der Platz für die Treffen wurde eng, die Gruppe wechselte ins Kettelerhaus und dann ins Gasthaus Kistenpfennig. Heute stehen 104 Schlesier in der Kartei von Rudolf Fastner.

Und in der Bilanz findet sich eine Fülle von Aktivitäten. Über die sei auch in der Zeitung berichtet worden, weiß Fastner. "Deshalb ist es schon mehr als verwunderlich, dass in der neuen Chronik mit keinem Wort erwähnt wird, dass heimatvertriebene Schlesier in Tirschenreuth aktiv in einer Gruppe tätig und dort gut aufgehoben sind."

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