20.04.2021 - 11:51 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Sexualstraftäter erneut vor Gericht

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Ein Sexualstraftäter hat in den vergangenen Jahren absichtlich mehrere Beratungstermine versäumt. Vor dem Amtsgericht Tirschenreuth zeigt sich der 44-Jährige geständig. Ängste seien der Grund für sein Verhalten.

Ein vorbestrafter Sexualstraftätet sitzt erneut vor dem Amtsgericht in Tirschenreuth. Er verstieß mehrmals gegen die gerichtlich verordnete Führungsaufsicht.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Es ist ein nicht alltäglicher Fall vor dem Amtsgericht Tirschenreuth: Ein 44-Jähriger muss sich verantworten, da er in drei Jahren sämtliche Beratungstermine nicht wahrgenommen hat. Dabei wäre er gerichtlich dazu verpflichtet gewesen, vor allem mit Blick auf sein Vorstrafenregister.

2010 war der Mann bereits wegen mehrerer schwerer Vergehen verurteilt worden. Darunter: Verbreitung pornografisch Schriften in 24 Fällen. Genauer gesagt, hatte der Angeklagte mehrere Nachrichten mit seinem Mobiltelefon an ein damals elfjähriges Mädchen verschickt. Dabei drohte er dem Kind sexuellen Missbrauch und Mord an. Zudem hatte die Polizei sieben Bilder und Videos gefunden, die sexuelle Handlungen an und vor Kindern zeigten.

Haftstrafe verbüßt

Der Angeklagte war 2010 zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden. Da der heute 44-Jährige im Jahr 2013 zum Wiederholungstäter wurde, saß er drei Jahre und einen Monat in Haft. Bis April 2018 hatte er seine Strafe verbüßt, doch bis zum Oktober 2023 besteht noch gerichtlich angeordnete Führungsaufsicht. Deshalb wurde der Mann angewiesen, mit Psychiatern oder Fachstellen Termine einzuhalten. Da er aber in einem Zeitraum von drei Jahren mehrmals Termine versäumte, wurde er nun von Staatsanwalt Christoph Mey beschuldigt, gegen die Führungsaufsicht verstoßen zu haben.

"Warum haben die Beratungstermine nicht funktioniert?", will Amtsrichter Thomas Weiß wissen. "Wegen der Fahrerei", gibt der Angeklagte offen zu. Meistens hätte ihm ein Fahrer gefehlt. Öffentliche Verkehrsmittel könne er wegen einer Angststörung nicht nutzen. Zudem habe er durch seine Arbeitslosigkeit finanzielle Schwierigkeiten. In größeren Städten fühle er sich schnell überfordert. Vor Gericht wird klar, dass der Angeklagte einige Möglichkeiten auch unversucht gelassen hat. "Es ist auch das Schamgefühl mit Menschen zusammenzukommen", erklärt der Angeklagte.

Wenig soziale Kontakte

Der Richter: "Ich habe den Eindruck, dass Sie alles aus Ausrede verwenden." Der Staatsanwalt hakt ebenfalls nach. "Tun Sie irgendwas gegen Ihre Angststörung?" Der Angeklagte gibt an, etwas dagegen tun zu wollen, aber das Problem mit dem "Fahren" hindere ihn daran. "Wann hat die Phobie angefangen?", fragt Mey. "Das hat schon vor der Verurteilung angefangen, wurde danach aber schlimmer." Der Angeklagte habe seither wenig soziale Kontakte. Auch die Bewährungshelferin schildert ihren Eindruck. Sie betreut den Angeklagten seit 2019. Der Mann habe bereits nach der Haftentlassung seine Probleme mit dem Fahren angegeben. Man habe dann versucht, Therapeuten und Beratungsstellen in der Nähe zu finden. Jedoch wurden diese Versuche immer wieder abgebrochen, da der Angeklagte nicht zuverlässig zu den Terminen kam.

Die Bewährungshelferin sei froh, dass der Angeklagte überhaupt zum Gerichtstermin erschienen ist. "Wir sind immerhin so weit, dass man die Tat ansprechen kann", sagt sie. Bis heute könne sie die Tat mit dem Angeklagte nur ansatzweise besprechen, da er schnell aufgeregt bei dem Thema werde. Die Tat sei stark schambelastet. Richter Weiß verliest eine Beurteilung der Fachambulanz für Gewalt- und Sexualstraftäter in Nürnberg, die bestätigt, dass bei dem Angeklagten eine Angststörung im Sinne einer sozialen Phobie beziehungsweise Agoraphobie (Platzangst) vorliegt. Jedoch könnten die Ängste durch die Einnahme von Medikamenten überwunden werden.

Lange Zeit nichts unternommen

Staatsanwalt Mey kommt in seinem Schlussworten zu dem Fazit, dass die Ängste des Angeklagten für eine verminderte Schuldunfähigkeit sprechen. Er fordert daher eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten, die für drei Jahre auf Bewährung ausgesetzt werden kann. Die Strafe nimmt Richter Thomas Weiß in seinem Urteil auf und verpflichtet den Angeklagten erneut, zu einem Psychiater zu gehen. "Ich möchte mich wirklich ändern. Ich möchte arbeiten und in Therapie gehen", verspricht der 44-Jährige. Der Richter betont zum Abschluss: "Lassen Sie sich jetzt helfen! Wenn das nicht funktioniert, dann wandern Sie ins Gefängnis." Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Ein Student muss sich vor dem Amtsgericht Tirschenreuth nach einem Unfall auf der A93 verantworten

Tirschenreuth

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.