24.05.2019 - 18:19 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Sibyllenbadgäste in Kreisstadt lotsen

Stadtrat Tirschenreuth kristisiert Sibyllenbad: Mehr für Werbung tun, was kriegen wir für unser Geld?

von Lena Schulze Kontakt Profil

Erster Punkt auf der Tagesordnung der Stadtratssitzung am Donnerstagabend war der Situationsbericht über das Sibyllenbad Neualbenreuth. Schon länger drängte Manfred Zandt (Freie Wähler) im Rechnungsprüfungsausschuss darauf, Werkleiter Gerhard Geiger für einen Situationsbericht einzuladen. "Für das Sibyllenbad geben wir jährlich 120 000 Euro aus, mehr als für unsere eigene Tourist-Info. Was kommt zurück?", fragte Zandt.

"Das Sibyllenbad ist ein magnetischer Anziehungspunkt für unsere Region. Nicht nur gesundheitlich, auch hinsichtlicher des Tourismus", begrüßte Bürgermeister Franz Stahl Gerhard Geiger. Neben dem Bezirk Oberpfalz (70 Prozent), dem Landkreis Tirschenreuth (15 Prozent) und der Kommune Neualbenreuth (3 Prozent) sind die Städte Mitterteich, Waldsassen und Tirschenreuth mit jeweils 4 Prozent am Zweckverband Sibyllenbad beteiligt.

Neue Projekte

Geiger gab einen kurzen historischen Überblick. 1980 – vor 38 Jahren – wurde der Zweckverband gegründet, 1996 ging das "Kurmittelhaus Sibyllenbad" in Betrieb, ein Jahr später eröffnete der orientalische Badetempel. Der Wellnessbereich kam 2006 hinzu. "Über diese Investition bin ich sehr froh", erklärte der Werkleiter. Eine Modernisierung der Badehalle, der medizinischen Abteilung und des Eingangsbereichs fand von 2012 bis 2014 statt. "Unser Fokus sind medizinische Anwendungen mit Radon und Kohlensäure", erklärte er. "Das Thema ,klassische Kur‘ ist tot. Wir müssen uns auch nach neuen Geschäftsfeldern umsehen", betonte Geiger. Dazu gab der Werkleiter einen Ausblick: Derzeit qualifizieren sich Therapeuten, um etwa im Bereich "Reha-Sport" aktiv zu werden. Als künftige Projekt könne sich Geiger auch einen Motorik-Park und Sturzprophylaxe im Angebot vorstellen.

Keine konkreten Lösungsansätze

In den Anfangszeiten konnten die Besucherzahlen innerhalb weniger Jahre verdoppelt werden. Heute hat das Sibyllenbad täglich rund 800 Gäste. Im Dezember 2012 verzeichnete das Kurmittelhaus einen Besucherrekord von über 1600 Gästen an einem Tag. "Die Erwartungshaltung unserer Gäste ist hoch", sagte Geiger. Deshalb sei der Draht zu den Tourist-Informationen besonders wichtig. "Die Frage ist: Wie kriegen wir unsere Gäste mehr zu ihnen?" Für kreative Lösungen sei der Werkleiter offen. Neualbenreuth strebe zudem den Bäder-Status an, um sich künftig "Bad Neualbenreuth" nennen zu dürfen. Anfang Juni komme ein Kommission zur Beurteilung, ließ Gerhard Geiger wissen und schloss seinen Vortrag. "Das Sibyllenbad ist ein absoluter Werbeträger für unsere Region", sagte Stahl, der Bäder-Status würde auch für das Stiftland viel bringen.

Dann konnten die Stadträte Fragen stellen. Manfred Zandt (FW) wünsche sich, dass die Tirschenreuther Tourist-Info noch mehr eingebunden werde. Seiner Meinung nach kamen in Geigers Vortrag zu wenig Vorschläge in diese Richtung. Zandt sei nicht zufrieden, wie Tirschenreuth eingebunden ist. Die Werbung würde er mehr auf die Region und den Zweckverband beziehen. Die Werbetexte des Kurmittelhaus in Freizeitmagazinen sei von medizinischer Fachsprache durchdrungen. "Ein Laie versteht das nicht!", kritisierte Zandt. Der Sibyllenbad-Werkleiter antwortete, dass man mit dem Alex-Bad in Bad Alexandersbad und dem Kurort Marienbad in Tschechien das Bayerisch-Böhmische-Bäderdreieck bilde. Dies sei den Gästen ein Begriff und diene deren Orientierung.

Sanierung und Expansion

Zweiter Bürgermeister Peter Gold (CSU) erkundigte sich nach den Quellen und ob demnächst weitere Sanierungsmaßnahmen anstehen. "Für uns ist absolut wichtig, dass die drei Radon- und die zwei Kohlensäurequellen konstant zur Verfügung stehen. Und das tun sie", erläuterte Geiger. Im Bezug auf die Sanierung sagte er: "Bei der Modernisierung von 2012 bis 2014 haben wir den orientalischen Badetempel bewusst außen vor gelassen. Es gibt Planungen hierzu. Im Sommer gibt es eine grobe Rechnung, was uns die Sanierung des Badetempels kosten würde." Allerdings brauche dieses Projekt viel Vorlauf und müsse behutsam geplant werden. Eine ähnliche Frage hatte auch Gunar Prauschke (SPD). Er wollte wissen, ob eine Expansion, wie etwa eine Reha-Klinik, angedacht sei. "Jede Modernisierung ist ein Einschnitt. Wir wollen erst mal wieder zur Ruhe kommen", machte Geiger deutlich. "Eine Erweiterung war mal ganz locker angedacht. 800 Gäste am Tag sind super, aber damit sind wir am Limit. Zu einem zweiten Hotel würde ich nicht Nein sagen, aber es muss stimmig sein."

Dann sprach Gold noch die Staatsstraße von Wondreb nach Neualbenreuth an. "Die wird von Winter zu Winter schlechter. Ich will nicht, dass die Straße zur Autobahn wird, aber so ist es kein gutes Aushängeschild für das Sibyllenbad", fand er. Der Bürgermeister sah das anders: "Das würde ich nicht so hoch hängen." Die Straße durch den Wald habe einen tollen landschaftlichen Reiz. Stadtbaumeister Andreas Ockl wusste, dass schon mal über einen Ausbau nachgedacht wurde, die Pläne aber nach einer Verkehrszählung verworfen wurden.

"Mobilität vor Ort für unsere Gäste ist ein wichtiger Punkt", sagte der Werkleiter. Zusätzlich zum "Baxi" sei eine Art Bimmelbahn angedacht, die zwischen Bad und Bahnhof Marktredwitz oder Wiesau pendelt oder die Gäste in die Städte bringt. Natürlich schlage man den Gästen vor, Ausflüge zu machen. "Ob sie dann nach Waldsassen oder Tirschenreuth fahren, ist ihnen überlassen."

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.