24.06.2021 - 13:30 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Spannende Szenen bei vierter Staffel der Historischen Stadtführungen in Tirschenreuth

Mit der inzwischen vierten Staffel können die Historischen Stadtführungen begeistern. Bei der Generalprobe werden packende Geschichten erzählt, etwa von einer Tirschenreutherin, die in Pearl Harbour spioniert haben soll.

Für eine Szene der Historische Stadtführung geht es nach Hawaii. Eine Spionin, die den Überfall auf Pearl Harbour ermöglicht hat, soll ihren Lebensabend in Tirschenreuth verbracht haben. Verwandtschaftliche Beziehungen zu Familien in der Stadt gibt es aber nicht, klärten die Stadtführerinnen auf. Im Bild eine Szene mit Lilly Melzer und Benjamin Trenner.
von Ulla Britta BaumerProfil

Unter dem Titel "Pearl Harbour" kann die erste der vier Theaterszenen der aktuellen Historischen Stadtführungen schon mit einer packenden Geschichte aufwarten. Am Dienstag erlebten 25 Teilnehmer bei der Generalprobe spannende Kapitel. Nach einem Jahr Corona-Pause freuen sich die Gästeführerinnen Cornelia Stahl und Christina Zapf ebenso wie die Darsteller endlich wieder auftreten zu können. Regie führen wieder die Drehbuchautoren Marianne Stangl und Manfred Grüssner.

Die Spionin von Pearl Harbour

Im Hinterhaus der Schmellerstraße 8 geht es eng zu, die Szene spielt auf Hawaii im Zweiten Weltkrieg. Die attraktive Spionin Ruth Kühn (Lilly Melzer) verdreht den hohen Offizieren den Kopf und gelangt an Informationen, die zum Überfall auf Pearl Harbour geführt haben sollen. In Deutschland soll die damals 16-Jährige mit Goebbels liiert gewesen sein. Bis dessen eifersüchtige Frau die komplette Familie für Spionagezwecke nach Übersee vorschlägt; um die Nebenbuhlerin loszuwerden. Warum taucht die Spionin, die übrigens nichts mit der ortansässigen Familie zu tun hat, als Szene auf: Sie hat ihren Lebensabend in Tirschenreuth verbracht.

Was für ein Auftakt! Und es gibt weitere spannende Geschichten. Die Stadtführerinnen geben Einblicke in Familien-Sagen oder erzählen vom Freilichtkino vor dem Luitpoldtheater, wissen von einer Rauchfleischwarenfabrik, die es im 18. Jahrhundert in einem Hinterhof in der Schmellerstraße gab; die Schinken waren europaweit begehrt. In der Szene sitzen die Nachfahren der Familie Fellner im Hinterhof vor ihrer nun stillgelegten Fabrik und erlauben der Gruppe Einblicke in die einstige Wirtschaftskraft ihres Unternehmens.

Der Seelenverkäufer

Lustig wird es beim "Seelenverbeter". Der Baptist Schedl (gespielt von Martin Rother) ist ein solcher. Weil die Seele des verstorbenen Leopold Hecht keine Ruhe gibt, muss er her. Er "frisst und säuft" zum Entsetzen der Angehörigen ziemlich viel. Doch nur der Seelenverbeter kann die Seelen einfangen und im Doggerdimpfl versenken.

Jede der vier Szenen ist eine eigene kleine Geschichte, wie im Theater. Das Publikum bekommt sogar Sitzplätze zugewiesen. Was sein muss, wegen der Corona-Regeln, hat einen deutlichen Vorteil. Alle können etwas sehen.

Papierkrippe als Geschenk

Wer dabei ist, kennt nun auch Maurus Fuchs, geboren 1771 in Tirschenreuth. Stahl und Krapf geleiten ihre Gäste in jenen Hinterhof, der dem bekannten Kirchenmaler als Freiluft-Atelier diente. Fuchs (Georg Schirmer) bekommt Besuch. Der Abt aus dem Kloster Tepl (Martin Rother) umwirbt ihn für ein großes Kirchengemälde. Fuchs zieht nach Tachov, seine Liebe (Lilly Melzer) bleibt in Tirschenreuth. Er schenkt ihr eine handgemalte Papierkrippe. Ist das jene Krippe, die im Museumsquartier heute bewundert werden kann?

Nicht weniger spannend ist die Historie zu unzähligen Bauten und Plätzen von Tirschenreuth. Cornelia Stahl und Christina Zapf können sehr spannend darüber erzählen, wie zum Beispiel vom "Rahmplatz". Der habe nichts mit Milchrahm zu tun, beteuert Stahl und erklärt das mit der Tuchmacherei. Aus 300 Haushalten in der Stadt, sagt die Überlieferung, waren 200 im Tuchmachergeschäft. Am "Rahmplatz" wurden die schweren Tücher, in "Rahmen" gespannt, zum Trocknen aufgehängt.

Nach einer kurzen Wegstrecke bleibt die Gruppe am Deschplatz stehen. Jetzt geht es um den Großbrand. 95 Prozent der Stadt waren zerstört. Landrichter Franz-Xaver Desch habe sich damals für die Bürger eingesetzt. Deshalb habe man ihm den Platz gewidmet. Zwei Stunden sind verflogen. Jetzt geht es zur vierten und letzten Szene in einen Hinterhof der Hochwartstraße. Der Dachan, erklärt Cornelia Stahl und lacht selbst, sei ein seltsamer Stadtmensch gewesen, ein Tirschenreuther Original.

Der Dachan

Ohne einen Cent in der Tasche habe sich dieser Dachan (Benjamin Trenner) durchs Leben geschmuggelt. Sein Hobby: Schwarz mit der Bahn fahren, am liebsten nach Eger zu seinem "G'spusi". Was für ein humoriges Schluss-Schauspiel. Gern schauen die Teilnehmer zu, wie der Dachan wieder einige Mitbürger um ihr Geld bringt, ohne dass man ihm böse sein kann deshalb.

Einzig was noch folgen muss: Darsteller und Macher der vierten Staffel der Historischen Stadtführungen bekommen herzlichen Applaus. Nun lassen sich auch die Regisseure Marianne Stangl und Manfred Grüssner sehen. Sie sind "hinter den Kulissen" die über zwei Stunden dauernde Generalprobe mitgelaufen, zur Stütze der Darsteller und um letzte Verbesserungen für die Premiere zu erkennen. Mängel konnten sie gewiss kaum feststellen, außer mit dem geschulten Auge des Regisseurs. Alles ist gut gegangen bei der Generalprobe. Viele Worte des Dankes folgen für die insgesamt neun Akteure, die Helfer, die Stadt, die Inhaber der Szenenorte und die weiteren Beteiligten.

Begeistert dankt auch Bürgermeister Franz Stahl dem Ensemble sowie den Machern für die schöne Fortführung der Stadtführungen. Mit Bier und Wasser in Selbstbedienung und allen erforderlichen Corona-Maßnahmen darf das Ereignis ein wenig gefeiert werden. Den Sekt gibt es erst zur Premiere am Wochenende. Was auch immer die Zukunft bringen wird oder erlauben darf: Die Erfolgsgeschichte der Historischen Stadtführungen geht weiter und nach dieser gelungenen Generalprobe kann wirklich nichts mehr schiefgehen.

Intensiv haben die Mitglieder des Modernen Theaters Tirschenreuth für die Stadtführungen geprobt

Tirschenreuth
Hintergrund:

Restkarten für Juli

  • An der Historischen Stadtführung sind als Schauspieler Georg Schirmer, Karl Jäger, Lilly Melzer, Lisa Schedl, Inge Rankl, Andreas Schirmer, Reiner Summer, Benjamin Trenner und Martin Rother (im Wechsel), alle Mitglieder im Modernen Theater Tirschenreuth, beteiligt.
  • Für Regie und Drehbuch zeichnen Marianne Stangl aus Tirschenreuth und Manfred Grüssner aus Konnersreuth verantwortlich. Der Kulissenbau sowie Arbeiten hinter den Kulissen oblag Anton Beer, Wolfgang Stangl, Thomas Sporrer und Karl Schwägerl.
  • Restkarten gibt es noch für Führungen am 3. und 4. Juli sowie für Führungen am 2., 23. und 24. Oktober. Alle weiteren Veranstaltungen sind bereits ausverkauft. Treffpunkt ist immer in der Schmellerstraße 8 vor dem Gebäude der Kämmerei und Bauamt.
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