16.03.2020 - 20:34 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

"Stabile Gestaltungsmehrheit“ für CSU im Kreistag Tirschenreuth

Die Mehrheitsverhältnisse im Tirschenreuther Kreistag bleiben fast gleich. CSU und Zukunftsliste haben miteinander weiterhin die absolute Mehrheit. Großer Verlierer ist die SPD.

Der künftige Landrat Roland Grillmeier holte mit 47.335 Stimmen das beste Einzelergebnis aller 283 Kreistagskandidaten. Er gab am Sonntagvormittag seine Stimmzettel ab.
von Martin Maier Kontakt Profil

Dass es im Kreistag zu Veränderungen kommen wird, war klar. Schließlich nehmen im neuen Gremium aufgrund der sinkenden Bevölkerungsentwicklung nur noch 50 anstatt 60 Personen Platz. Somit muss sich die CSU trotz sehr geringer Verluste künftig mit 21 Sitzen begnügen. Damit verliert sie 5 Mandate.

"Ich bin äußerst zufrieden", kommentierte CSU-Fraktionsvorsitzender Toni Dutz am späten Montagnachmittag die Zahlen. Im Prinzip müsse man das Ergebnis der Zukunftsliste zu den "Schwarzen" dazurechnen. "Somit haben wir Verhältnisse wie früher", verwies er auf die absolute Mehrheit. Auch stehe nichts dagegen, weiterhin eine Fraktionsgemeinschaft mit FDP-Politiker Werner Ott einzugehen. Dieser hält wie bisher als Einzelkämpfer das Fähnchen der Freien Demokraten hoch. Zusätzlich kommt noch die Stimme von Landrat Roland Grillmeier dazu. Somit bilanziert der Wiesauer Bürgermeister: "Wir haben eine stabile Gestaltungsmehrheit im Kreistag."

Roland Grillmeier neuer Landrat im Landkreis Tirschenreuth:

Tirschenreuth

Die Arbeit im Gremium werde aber weiterhin sehr fraktionsübergreifend ablaufen. Aus seiner Sicht spreche zudem nichts dagegen, weiterhin auf Alfred Scheidler (CSU) als stellvertretenden Landrat zu setzen. Ein großer Wermutstropfen sei, dass nach zwölf Jahren CSU-Fraktionsgeschäftsführer Bernhard Söllner nicht mehr den Einzug in den Kreistag geschafft hat. Er fiel von Listenplatz elf auf 24 zurück. "Das tut mir persönlich weh", so Dutz. Eine Überraschung gelang dem Tirschenreuther Peter Gold, der sich vom letzten Platz nach vorne arbeitete und sich noch ein Mandat sicherte. Nach Listenführer Roland Grillmeier (47 335) holten MdL Tobias Reiß (35 557) und Toni Dutz (30 503) die meisten Stimmen für die Christsozialen.

Wie die CSU haben auch die Freien Wähler fast ihr Ergebnis von 2014 erreicht. Die 21 Prozent bedeuten elf Sitze, zwei weniger als vor sechs Jahren. "Wir konnten unsere Position im Kreistag halten. Ich bin zufrieden", erklärte FW-Kreisvorsitzende Gisela Kastner. Ihre Gruppierung schicke einige neue Köpfe in das Gremium. Damit sei ein Generationenwechsel eingeleitet. Auch künftig würden die Freien Wähler mit allen Parteien und Landrat Grillmeier konstruktiv zusammenarbeiten. Ely Eibisch, der mit 34 077 Stimmen das drittbeste Ergebnis aller 283 Kandidaten eingefahren hat, hätte laut Kastner eine Stichwahl verdient gehabt. Knapp verpasste der langjährige Kreisrat Josef Schmidkonz den Einzug in das Gremium.

Einen weiteren Rückschlag musste die SPD hinnehmen. Sie fiel von 19 auf etwas mehr als 13 Prozent. Dies bedeutet sieben Mandate (2014: elf). Auffallend: Listenführer Thomas Döhler schaffte gerade noch den Sprung in den Kreistag. Er rutschte auf Platz sieben ab. "Ich bin froh, dass er als Landratskandidat angetreten ist. Er war sehr fleißig", sagte Kreisvorsitzende Brigitte Scharf, die am meisten Stimmen (15 006) für die Genossen holte. Aber die Bürger hätten dies offenbar nicht geschätzt. Letztendlich sei Döhler zu wenig bekannt gewesen.

Das SPD-Ergebnis mache sie traurig. "Ich hätte mir mehr gewünscht." Trotzdem war Scharf froh, "dass es wenigstens sieben Sitze sind". Die Erbendorferin sprach von einer gewissen Ratlosigkeit. Sie wisse fast nicht mehr, wie sie Bürger für sozialdemokratische Themen motivieren könne.

Großer Sprung nach vorne

Bernhard Söllner schafft es nicht

Ihre Sitzzahl hat die Zukunftsliste gehalten. Sie stellt weiterhin fünf Kreisräte. Fraktionsvorsitzender Marco Vollath, der selber nicht mehr angetreten war, zeigte sich "sehr zufrieden". Seine Gruppierung habe alle Wahlziele erreicht. "Mich persönlich freut, dass wir stärker als die Grünen sind", konnte sich Vollath einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen. Einen Riesensprung nach vorne auf der Zukunftsliste machte der Mitterteicher Hans Fick. Der Fahrlehrer rückte von Platz 35 auf fünf vor und sicherte sich noch einen Sitz im Gremium.

Ziel der Grünen: Kreisausschuss

Wie vor sechs Jahren holten die Grünen auch diesmal vier Mandate. Sie legten um etwas mehr als zwei Punkte auf neun Prozent zu. "Wir haben unsere Sitzzahl in einem kleineren Kreistag gehalten. Das war das vorrangige Ziel. Auch wenn wir ein bisschen mehr wollten", gab Fraktionsvorsitzende Heidrun Schelzke-Deubzer zu. Natürlich habe die Öko-Partei ein zweistelliges Ergebnis im Visier gehabt. "Das haben wir knapp verfehlt." Die Kemnatherin hofft nun, dass es reicht, um mit im Kreisausschuss vertreten zu sein. "Denn da wird die echte Politik gemacht. Da wollen wir mitspielen." Ein Farbtupfer im Gremium ist die ÖDP. Sie stellt mit Markus Remold aus Plößberg erstmals einen Kreisrat.

Nach seiner Stimmabgabe am Sonntagvormittag stellte sich SPD-Landratskandidat Thomas Döhler den Fragen von OTV. Der Pechbrunner schaffte nur knapp der Einzug in den Kreistag.
Hochbetrieb herrschte am Sonntagabend beim Auszählen der Stimmen im Tirschenreuther Rathaus.
Kommentar:

Sacharbeit im Vordergrund

Es ist wie vor sechs Jahren: Die CSU hat zusammen mit der Zukunftsliste knapp die absolute Mehrheit im Kreistag. Dass die Zukunftsliste nicht viel mehr als eine zweite CSU-Liste ist - nur mit im Schnitt jüngeren Leuten - hat sich schon in den vergangenen sechs Jahren gezeigt. Mit Matthias Grundler (Falkenberg) und Günter Kopp (Kulmain) stellt die Gruppierung zudem zwei CSU-Bürgermeister. Der neue Landrat Roland Grillmeier hat im Kreistag somit eine politische Hausmacht hinter sich. Diese gilt es auch zu nutzen.
Ohne einen Landrat rücken die Freien Wähler im Gremium nun noch in die Rolle der Opposition. Ely Eibisch hat aber schon am Sonntagabend angedeutet, weiterhin auf die gute Zusammenarbeit mit allen Parteien zu setzen.
Wie fast immer in den vergangenen Jahren verliert die SPD im Landkreis weiterhin an Boden. Im neuen Kreistag haben die Genossen nur noch sieben Mandate. Zudem müssen sie mit Fraktionsvorsitzendem Rainer Fischer und Hannelore Bienlein-Holl, die beide nicht mehr zur Wahl antraten, zwei erfahrene Kreispolitiker mit viel Fachwissen ersetzen. Die Grünen stellen wie vor sechs Jahren vier Kreisräte. Auch wenn die Partei in einigen Orten schon etabliert ist, tut sie sich im Landkreis weiterhin schwer, den Sprung über die zehn Prozent zu schaffen.
Durch die Bank haben alle Parteien betont, weiterhin auf ein gutes Miteinander zu setzen. Die Sacharbeit soll im Vordergrund stehen. Das ist in Zeiten von Corona und den folgenden Auswirkungen ein positives Zeichen. Denn dieses Thema wird die nächsten Monate auch auf Kreisebene den größten Platz einnehmen.

Von Martin Maier

 

 

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