12.02.2019 - 18:25 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Stromtrassen stiften Verwirrung

Tennet treibt den Neubau des Ostbayernrings voran. Gleichzeitig startet die Bundesnetzagentur die Auslegungsfrist für den Süd-Ost-Link. Das stiftet große Verwirrung und Verunsicherung im Landkreis.

Der Ostbayernring ist eine rund 185 Kilometer lange, bereits bestehende Stromtrasse, die von Redwitz in Oberfranken über Etzenricht bis nach Schwandorf führt. Aufgrund der zunehmenden Einspeisung regenerativer Energien gerät der Ostbayernring regelmäßig an seine Kapazitätsgrenzen. Deshalb soll die Leistungsfähigkeit deutlich erhöht werden. Das Bild zeigt die derzeitige Trasse in der Nähe von Konnersreuth.
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Regina Kestel ist um ihren Job derzeit wirklich nicht zu beneiden. Die Oberregierungsrätin "darf" beide Strom-Verfahren für den Landkreis fachlich begleiten. Vor einigen Tagen im Naturschutzbeirat und am Montag im Kreisausschuss verdeutlichte sie die wesentlichen Unterschiede und Verfahrensschritte der beiden Trassen, die Strom von Nord nach Süd bringen sollen.

Während der Ostbayernring durch ein leistungsfähigeres und höheres Mastensystem ersetzt werden soll, ist der Süd-Ost-Link eine völlig neue Trasse, die beim Wegfall der Atomkraftwerke die Energieversorgung im Süden der Republik sicherstellen soll. Der Ostbayernring folgt im Landkreis grob dem Verlauf der Autobahn, die favorisierte Vorzugstrasse des Süd-Ost-Links durchschneidet den Landkreis in einem Bogen, der bis östlich von Tirschenreuth reicht.

Für die betroffenen Kommunen ist es nicht ganz einfach, bei den beiden Verfahren, die sich überlagern, mit Tennet beziehungsweise der Bundesnetzagentur Schritt zu halten. Das kam im Kreisausschuss am Montag im Landratsamt deutlich zur Sprache. Oberregierungsrätin Kestel betonte, dass der neue Ostbayernring schon 2020 gebaut werden solle. Er diene der Versorgungssicherheit der nachgelagerten Netzebenen in der Region und solle das bestehende 380- und 220-kV-Mastensystem durch zwei 380-KV-Systeme ersetzen. Der Süd-Ost-Link hingegen sei eine Erdkabel-Gleichstromleitung von Wolmirstedt bis zum Kernkraftwerk Isar, für den es bisher "nur" einen 1000 Meter breiten Vorzugskorridor und alternative Trassen gebe. Die Bundesnetzagentur werde entscheiden, welche Trasse komme.

"Kleinere Kommunen werden da regelrecht an die Wand gefahren", schimpfte der Tirschenreuther Bürgermeister Franz Stahl (CSU) über das Süd-Ost-Link-Verfahren. Seine Stadt habe Tennet wegen der Vorzugstrasse schon drei Mal angeschrieben und keine Rückmeldung erhalten. Er warf den Verantwortlichen eine Vernebelungstaktik vor, die bei Erörterungsterminen "mit Butterbrezen versüßt wird". Bei so einem einschneidenden Projekt müsse man die Menschen mitnehmen. "Um es ganz klar zu sagen: Es geht uns nicht um das Floriansprinzip. Irgendwo muss die Trasse gebaut werden, aber wir haben triftige Gründe, warum wir die derzeitige Planung ablehnen." Er sei überhaupt nicht zufrieden damit, "wie das läuft" und habe sich mittlerweile deswegen auch an den Wirtschaftsminister gewandt.

Auch Landrat Wolfgang Lippert ist nicht gut auf den Ablauf des Verfahrens zu sprechen. Er zeigte sich froh, dass der Landkreis dem Hamelner Bündnis beigetreten ist, um hier fachlich und rechtlich Rückendeckung zu haben. "Wichtig ist, dass es uns gelingt, die Leerrohre beim Süd-Ost-Link zu verhindern", meinte der Landrat. Ihm stößt zudem sauer auf, dass das Verfahren für die 320-kV-Leitung mit Volldampf vorangetrieben wird, obwohl unter Umständen die moderne 525-kV-Leitungstechnik eine Bündelung der Trassen an der Autobahn zulassen würde. "Wenn es technisch möglich ist, muss die naturverträglichere Lösung her", forderte der Landrat. In diese Kerbe stieß auch Hans Donko (CSU), der darauf hinwies, dass ein 30-Meter-Streifen entlang der Autobahnen ohnehin in Besitz des Bundes sei.

Das Thema wird wohl in der nächsten Sitzung des Kreisausschusses wieder für Diskussionen sorgen. Denn am heutigen Mittwoch, 13. Februar, startet die Behörden- und Öffentlichkeitsbeteiligung für den Süd-Ost-Link. Die Unterlagen für den Abschnitt C liegen bis 12. März auch im Landratsamt aus. "Sie füllen 48 Ordner", stöhnte Kestel. Sie riet Betroffenen deshalb, sich die Daten lieber im Internet (www.netzausbau.de) anzusehen. Da sei es viel leichter, die richtigen Passagen zu finden und sich einen Überblick zu verschaffen. Bis zum 12. April können per Online-Formular, über Anschreiben oder als Niederschrift beim Landratsamt Einwendungen erhoben werden. Wenn es mehr als 50 Einwendungen sind, wird der anschließende Erörterungstermin öffentlich bekannt gegeben. "Die betroffenen Personen werden dann nicht extra angeschrieben", warnte Kestel. Die anschließenden Erörterungstermine sind nichtöffentlich.

Info:

Hintergrund

Ostbayernring

Trasse: Der Ostbayernring führt vorbei an Konnersreuth, erreicht bei Mitterteich die Autobahn und folgt ihr dann grob bis zur Landkreisgrenze.

Leitung: Das alte 380- und 220-kV-System soll durch zwei 380-kV-Systeme auf neuen Masten ersetzt werden. Die neuen Masten sind deutlich höher als die bisherigen. Auch ihre Zahl wird steigen. Die alten Masten werden später abgebaut.

Süd-Ost-Link

Trasse: Die Trasse ist noch nicht festgelegt. Der empfohlene Vorzugskorridor führt südwestlich an Konnersreuth und östlich an Mitterteich vorbei, macht dann einen Schwenk bis östlich von Tirschenreuth und nähert sich in einer Südkurve vorbei an Pilmersreuth an der Straße, Haid, Leichau, Schönficht, Beidl und Wildenau der Landkreisgrenze.

Leitung: Eine Erdstromleitung soll in rund 1,5 Meter Tiefe verlegt werden. Derzeit sind zwei Kabelgräben mit je zwei 320-kV-Leitungen geplant.

Die Unterlagen für den Süd-Ost-Link liegen ab heute im Landratsamt aus. Landkreis-Mitarbeiterin Sonja Landgraf zeigt die 48 Ordner.
Auslegung der Unterlagen für Südostlink im Landratsamt Tirschenreuth.
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