11.07.2021 - 09:16 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Suche nach 85 Kindern für Antikörper-Studie im Landkreis Tirschenreuth

Bei einer Corona-Antikörper-Studie im Landkreis Tirschenreuth ließen sich vor einem Jahr 650 Kinder Blut abzapfen. 85 von ihnen waren positiv. Und genau diese werden jetzt für eine zweite Runde der Studie gebraucht.

Ein Bild von der ersten Testrunde vor einem Jahr in Tirschenreuth: In diesen Ampullen wurde das Blut für den Test aufbewahrt.
von Martin Maier Kontakt Profil

Bei wissenschaftlichen Untersuchungen zu Covid-19 ist im Landkreis Tirschenreuth schon so etwas wie Routine vorhanden. Eine Fortsetzung gibt es nun bei der Studie zu Coronavirus-Antikörpern bei Kindern in Bayern, kurz: CoKiBa. In der ersten Runde wurden im Frühsommer 2020 insgesamt 2.832 Mädchen und Buben im Alter zwischen 6 Monaten und 14 Jahren im Freistaat auf das Vorliegen von Corona-Antikörpern untersucht und 162 positive Kinder identifiziert. Aus dem Landkreis Tirschenreuth stammten 650 Teilnehmer, von denen 85 positiv waren. Diese Zahlen nennt Studienleiter Professor Michael Kabesch im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Er ist Chefarzt an der Klinik St. Hedwig in Regensburg.

Für die Testungen gab es damals Termine beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK) in der ehemaligen Printec-Halle in Tirschenreuth. Außerdem waren die Kinderarztpraxen Dr. Meike Hofmann (Mitterteich), Drs. Elisabeth Beer/Hubert Schirmer (Marktredwitz) und Dr. German Tretter (Altenstadt) bei der Aktion eingebunden.

Adressen liegen nicht vor

Kabesch würde nun gerne mit seinem Team den positiv Getesteten noch einmal Blut abnehmen, um die Studie fortzuschreiben und neue Erkenntnisse zu Covid-19 zu gewinnen. Allerdings ist es nicht möglich, die Kinder beziehungsweise deren Eltern direkt zu kontaktieren. Es fehlen schlicht die Adressen. Diese durften wegen des Datenschutzes nicht gespeichert werden. „Das war alles anonym. Wir haben versucht, möglichst datensparend zu arbeiten“, erklärt Kabesch. Die Eltern konnten damals die Werte ihrer Kinder über einen Link abrufen.

Für die zweite Runde der CoKiBa- Studie gibt es auch schon einen Termin: Am Montag, 19. Juli, von 9 bis 16 Uhr können die Mädchen und Buben in der Tennishalle in Tirschenreuth zur Blutentnahme kommen. Der Professor hofft, über verschiedenen Medien-Kanäle die Eltern der betroffenen Kinder zu erreichen. „Tirschenreuth war ganz früh von Corona betroffen. Das wären wahrscheinlich weltweit mit die ersten Daten bei Kindern mit Blick auf die Langzeitfolgen“, streicht Kabesch die Bedeutung der Untersuchungen heraus.

Mögliche Impfempfehlung

Die bisherigen Erkenntnisse der Studie: Es habe sich gezeigt, dass die Antikörperantworten bei Kindern überproportional hoch sind. Was bei der akuten Infektionsbewältigung bei Kindern von Vorteil zu sein scheint, könnte allerdings im weiteren Verlauf (nach Wochen und Monaten) zum Pädiatrischen Multiorgan Immunsyndrom (PMIS) und anderen Spätschäden beitragen. Um schwere Verläufe zu verhindern, sei eine frühe und systematische klinische und immunologische Untersuchung und Betreuung aller Kinder/Jugendlichen notwendig, die bereits Antikörper entwickelt haben oder noch entwickeln werden.

Die erneute Testung der Antikörper solle nun Hinweise darüber liefern, ob bei positiv getesteten Kindern auch ein Jahr nach der initialen Testung noch Antikörper gegen Sars-CoV-2 nachweisbar sind. Der Professor verspricht sich so, weitere wichtige Informationen über die Auswirkungen von Covid-19 bei Mädchen und Buben zu erforschen. Zudem gelte es, mögliche Langzeitfolgen im Blick zu haben. Eventuell sei es auch möglich, auf dieser Basis eine Impfempfehlung für Kinder nach überstandener Corona-Infektion zu geben. Und zum Abschluss hat Kabesch noch ein großes Lob für das Rote Kreuz: „Die umfassend angelegte Testung ist ohne den BRK-Kreisverband Tirschenreuth nicht vorstellbar. Für die sehr gute Kooperation sind wir sehr dankbar.“

Tirschenreuth auf dem Weg zur Herdenimmunität

Tirschenreuth

Bei der ersten Testung vor einem Jahr ließen sich Hunderte Kinder Blut abnehmen

Tirschenreuth
Service:

Zweite Runde der Studie zu Coronavirus-Antikörpern bei Kindern

  • Wann: Montag, 19. Juli 2021, 9 Uhr bis 16 Uhr
  • Wer: Alle Kinder, die bei der Testaktion in Tirschenreuth oder auch in den Kinderarztpraxen Dr. Hofmann, Dres. Beer/Schirmer und Dr. Tretter vor einem Jahr positiv getestet wurden.
  • Wo: Tennishalle Tirschenreuth, Franz-Heldmann-Straße 29, 95643 Tirschenreuth
  • Anmeldung: http://studie.brk-tirschenreuth.de
  • Falls noch vorhanden, sollen die Eltern die persönliche Studien-ID (16-stelliger Buchstabencode) und/oder Labor-ID (4-stellig) ihres Kindes zum Termin mitbringen. Diese wurde bei der Testaktion in Tirschenreuth ausgedruckt ausgehändigt.
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