18.11.2020 - 13:35 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Teenagerin Drogen angeboten: Richter spricht Angeklagte schuldig

Weil sie einer damals 15-Jährigen Crystal Meth anbot, muss sich eine junge Frau vor dem Amtsgericht Tirschenreuth verantworten. Bis zur Urteilsverkündung streitet sie die Tat ab.

Weil sie einer damals 15-Jährigen Crystal Meth anbot, muss sich eine junge Frau vor dem Amtsgericht Tirschenreuth verantworten. Bis zur Urteilsverkündung streitet sie die Tat ab.
von Katrin Pasieka-Zapf Kontakt Profil

Eine junge erwachsene Frau musste sich kürzlich vor dem Schöffengericht in Tirschenreuth verantworten. Im Mai vor zwei Jahren soll sie einer 15-Jährigen in ihrer Wohnung Methamphetamine angeboten haben. Die Jugendliche lehnte zwei Mal ab, die Drogen wurden nicht konsumiert.

Bekannt wurde der Vorfall erst, als sich ein anonymer Anrufer beim Jugendamt meldete und seinen Verdacht äußerte. Die Mitarbeiter des Jugendamts nahmen daraufhin die Ermittlungen auf, sprachen mit der 15-jährigen über den Vorfall, den sie daraufhin bestätigte. Ein familienrechtliches Verfahren wurde gegen die Angeklagte eingeleitet. Bei einer Durchsuchung konnte die von dem Mädchen beschriebene Schachtel, in welcher sich die Drogen befanden, nicht gefunden werden.

Drogentest negativ

So argumentierte auch Verteidiger Ulrich Sanner. "Woher soll sie die Drogen gehabt haben?", fragte er. Die Angeklagte war vor und auch seit dem Vorfall nicht mit Betäubungsmitteln auffällig geworden. Freiwillige Drogentests waren immer negativ.

Staatsanwältin Anja Benner-Tischler hielt es für bewiesen, dass die Angeklagte der damals 15-Jährigen Methamphetamine angeboten hat. "Das Opfer konnte alles erklären und beschreiben und konnte auch Nachfragen logisch erklären", sagte sie. Auch sei es nur dem "Verstand einer 15-jährigen zu verdanken, dass die Tat nicht vollendet wurde". Für "die unerlaubte Verbrauchsüberlassung" von Betäubungsmitteln an Minderjährige kann eine Freiheitsstrafe von unter einem bis zu 15 Jahren verhängt werden. Da sich die Angeklagte aber gut um ihre Kinder kümmere, forderte die Staatsanwältin eine Bewährungsstrafe von drei Jahren.

Gericht belogen?

Bevor Richter Thomas Weiß sich mit zwei Schöffen zur Beratung zurückzog, hatte die Angeklagte das letzte Wort: "Ich habe es nicht getan", sagte sie. Das sah das Schöffengericht anders: "Wir haben keinen Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Opfers", erklärte Weiß bei der Urteilsverkündung. Die Angeklagte hatte angegeben zur Tatzeit in Bamberg gewesen zu sein.

Die Richter kamen zu dem Schluss, dass die Angeklagte, das Gericht belogen und durch die Mobilisierung ihrer Verwandten versucht habe, ein falsches Alibi zu kreieren. "Als wir Sie damit konfrontiert haben, sagten Sie, dass Sie sich wohl im Datum geirrt hätten", schlussfolgerte Weiß. Die negativen Drogentest seien nicht aussagekräftig, da diese nur einen kurzen Zeitrahmen abbildeten.

Das Gericht verurteilte die zweifache Mutter zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten. "Für Sie spricht, dass Sie noch nie vorbestraft waren und es sich nur um eine sehr geringe Menge der Droge handelte", erklärte Weiß das Urteil. Auf die Frau kommen nun die Kosten des Verfahrens und 80 Stunden gemeinnützige Arbeit zu.

Vor dem Amtsgericht Tirschenreuth musste sich auch eine E-Bay-Betrügerin verantworten

Tirschenreuth

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