29.04.2020 - 12:18 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Tirschenreuth: Bürgermeister uneins wegen Coronazahlen für einzelne Gemeinden

Es bleibt dabei: Weiterhin veröffentlicht das Landratsamt Tirschenreuth keine Zahlen über die Corona-Infizierten der einzelnen Gemeinden. Im Kreisausschuss geraten deswegen auch zwei Bürgermeister aneinander.

Großer anstatt Kleiner Sitzungssaal: Um den Abstand in Coronazeiten zu wahren, wechselte der Kreisausschuss diesmal den Raum.
von Martin Maier Kontakt Profil

Die Rathauschefs erhalten in regelmäßigen Abständen die genauen Zahlen der Covid-19-Erkrankten ihrer Kommunen. Veröffentlichen will das Landratsamt trotz mehrmaliger Anfragen des „Neue Tags“ (wir berichteten) diese aber nicht. Für Bürgermeister Franz Stahl ist dieses Vorgehen mittlerweile nicht mehr verständlich. Das machte der Tirschenreuther in der Kreisausschusssitzung deutlich. „Ich sehe kein Problem, die Zahlen weiterzugeben.“ Dabei bezog sich der CSU-Politiker auch auf ein NT-Interview mit dem Bayerischen Landesbeauftragte für den Datenschutz, Thomas Petri.

„Vielleicht ist bedingungslose Transparenz das Beste. Die Zahlen könnten die Verunsicherung nach unten schrauben. Das hat sonst auch negative Auswirkungen auf unsere Firmen“, meinte Stahl. Er werde auch immer wieder von Bürgern auf diese Sache angesprochen. Und der Bürgermeister nannte für die Kreisstadt konkrete Zahlen: In Tirschenreuth gab es bisher 141 Corona-Infizierte (Stand: 19. April). An das bisherige Gentlemen’s Agreement der Nicht-Veröffentlichung werde er sich künftig nicht mehr halten.

Landrat Wolfgang Lippert sprach von einem „heißen Thema“. Die einhellige Meinung des Krisenstabs sei, die Zahlen nicht herauszugeben. Zwei Punkte würden dagegen sprechen: In Kommunen mit wenigen Fällen könne es zu einer Stigmatisierung der Erkrankten kommen. Zudem könnten Bürger in weniger betroffenen Gemeinden, die Corona-Problematik unterschätzen. Letztendlich gebe es keinen Königsweg. Von 71 bayerischen Landkreisen würden nur 3 die Zahlen auf Gemeindeebene veröffentlichen.

Unterstützung erhielt Stahl von seinem Amtskollegen aus Kemnath, Werner Nickl (CSU): „Die Bevölkerung weiß, wie sie mit den Zahlen umzugehen hat. Ich finde es nicht richtig, die Menschen im Unklaren zu lassen.“ Das sah auch Kreisrätin Jutta Deiml (SPD) so. Es bestehe die Gefahr, dass die Bürger denken, dass man etwas vertuschen wolle.

„Ich habe keine Chance, es richtig zu machen. Daher bleibe ich bei dem eingeschlagenen Weg“, ließ sich Lippert nicht umstimmen. Uli Roth (SPD), Bürgermeister von Krummennaab, sprang dem Landrat bei, denn die Corona-Pandemie sei kein lokales Problem. Die Zahlen seien weltweit besorgniserregend. „Corona weiß nicht, wo die Gemeindegrenzen sind“, ergänzte Bernd Sommer. Und der Waldsassener Bürgermeister überzeichnete bewusst: Um eine Vergleichbarkeit beispielsweise mit Konnersreuth herzustellen, könnte er dann für die Klosterstadt eine Aufteilung der Zahlen auf vier Stadtteile fordern. Er fühle sich wohler, wenn man die Zahlen nur landkreisweit veröffentliche.

„Das ist ein Schmarrn“, konterte Stahl seinem Parteikollegen. Es gehe darum, mit den Zahlen umzugehen. „Wenn Sie damit nicht umgehen können, okay. Ich kann es mit den Tirschenreuthern.“ Sommer machte darauf deutlich, dass auch der „Neue Tag“ Karikaturen verwende, um manchmal Botschaften überspitzt herüberzubringen. Und er habe gerade eben „eine rhetorische Karikatur“ verwendet. Letztendlich schloss Landrat Lippert die Diskussion mit dem Hinweis, das Vorgehen des Landkreises nicht zu ändern.

Warum es in der Oberpfalz keine Infektionszahlen für einzelne Gemeinden gibt

Neustadt an der Waldnaab
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