05.03.2021 - 15:23 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Ungeduld und Unverständnis: Impfzentrum Waldsassen impft bereits in Phase zwei

Die Impfbereitschaft im Landkreis Tirschenreuth ist hoch: Auch Astrazeneca geht weg wie "warme Semmeln". Allerdings gibt es immer noch zu wenig Impfstoff.

Beim Impfen wurde im Kreis Tirschenreuth nach den bisherigen Regeln streng darauf geachtet, dass Biontech und Moderna Personen über 65 Jahre erhalten und Menschen unter 65 Astrazeneca bekommen.
von Lucia Brunner Kontakt Profil

Landratsamt, BRK-Kreisverband und die Verantwortlichen des Impfzentrums ziehen eine Zwischenbilanz zur Impfung im Landkreis Tirschenreuth. Dabei informiert Holger Schedl, Leiter des BRK-Kreisverbands, bei einem Gespräch am Donnerstag über die aktuellen Impfzahlen. So wurden 6798 Impfungen bislang durchgeführt. Das entspricht 4448 Erst- und 2350 Zweitimpfungen.

"Am Mittwoch wurde das erste Mal der Impfstoff von Moderna verimpft", sagt Schedl. Bislang wurden die Vakzine von Biontech und Astrazeneca im Wechsel verwendet. "Am Freitag kommen die 1000 Dosen Astrazeneca, die vom Freistaat Bayern zugesichert wurden", berichtet er. Diese sollen besonders für Lehrer, Förderlehrer und Erzieher verwendet werden. "Wir haben vergangene Woche und diese Woche aber schon damit begonnen." Beim Impfen wurde nach den bisherigen Regeln streng darauf geachtet, dass Biontech und Moderna Personen über 65 Jahre erhalten und Menschen unter 65 Astrazeneca bekommen.

Alle in Gruppe eins angeschrieben

Aktuell habe man mehr Impfstoff von Astrazeneca als von den beiden anderen. Aus diesem Grund impft der Landkreis bereits in Phase zwei der Impfverordnung. Das bedeutet, dass bereits Personen geimpft werden, die nicht mehr die höchste Priorität haben, zum Beispiel über 80 Jahre sind. Das führe bei manchen Bürgern zu Unverständnis. "Wir haben bereits alle, die in der Gruppe eins sind, angeschrieben", sagt Dr. Mathias Kalkum, Leiter des Impfzentrums. Jedoch stehe für diese Gruppe nicht genug Impfstoff zur Verfügung. Aufgrund der Mehrzahl an Astrazeneca-Dosen vermittelt die bayernweite Terminsoftware bereits automatisch an Gruppe zwei weiter.

Mitte März sollen die Zweitimpfungen an den Pop-up-Impfstationen in Tirschenreuth, Kemnath und Waldershof beginnen. "Wenn es mehr Impfstoff geben sollte, könnten wir schon früher beginnen", schätzt Schedl. Personen, die aus gesundheitlichen Gründen ihr Zuhause nicht verlassen können, sollen sich im Impfzentrum unter der Telefonnummer 09631/308960 melden. "Wir versuchen dann gemeinsam eine Lösung zu finden", verspricht Schedl. In seinem Bericht schickt er auch zwei Appelle an die Bevölkerung im Landkreis. So bilden sich vor dem Impfzentrum in Waldsassen immer wieder Schlangen, da Personen für ihre Termine zu früh kommen. "Wir wollen das vermeiden und wären dankbar, wenn die Impfwilligen erst fünf Minuten vor Terminbeginn kommen würden."

"Solange Impfstoffe die Kühlung brauchen und Verteilzentren notwendig sind, sehe ich keine Alternative, als die, dass wir so weitermachen wie bisher."

Dr. Mathias Kalkum, Leiter des Impfzentrums

Ungeduld spürbar

Der nächste Punkt betrifft die Hotline des Impfzentrums. Viele Anrufer wollen sich informieren: "Wann komme ich endlich dran?" Die Antwort sei immer dieselbe: "Sie bekommen von uns einen Termin." Eine andere häufige Frage ist: "Bin ich für die Impfung berechtigt oder nicht?" Antworten darauf seien ausführlich auf der Homepage des Landkreises zusammengefasst. Bei vielen sei auch Ungeduld spürbar: "Leute am Impftelefon werden auch beschimpft", sagt Landrat Roland Grillmeier. Anrufe dieser Art blockieren die Hotline für wichtigere Dinge. "Ein weiterer Zeithemmer vor Ort ist das Fehlen von Nachweisen für die Impfberechtigung", sagt Schedl. Alle Unterlagen, die benötigt werden, seien ebenfalls auf der Webseite des Landkreises zu finden.

Die Lage des Impfzentrums aus ärztlicher Sicht beschreibt Dr. Kalkum. Er erklärt: "An guten Tagen können 450 Impfungen verimpft werden." Inzwischen werde von Montag bis Samstag täglich geimpft. Die Nachfrage nach Impfungen sei so groß, dass das ärztliche Personal um 25 Prozent aufgestockt werden müsse. Der Impfstoff Astrazeneca werde gut angenommen. "Die Impfbereitschaft ist gefühlt hoch und es gibt keine strikte Verweigerungshaltung." Kalkum hofft, dass der Impfstoff Astrazeneca an Personen über 65 Jahre bald freigegeben wird. Die Ständige Impfkommission hat dies schon empfohlen. Obwohl es anfangs viele Diskussionen darum gab, ist er sich sicher, dass der Impfstoff wirkt.

Über 13.000 Bürger angemeldet

Kalkum betont, dass es wichtig sei die Impfreihenfolge einzuhalten. "Wir dürfen nicht willkürlich impfen." Wenn es nach der Bundesregierung geht, sollen Hausärzte ab Ostern bereits Impfungen mit durchführen. Im Augenblick kann sich Kalkum das schwer vorstellen. "Bei uns arbeiten fast ausschließlich Hausärzte oder Hausärzte im Ruhestand, die aus der Region kommen." Der Landkreis und die Kommunen organisieren die Impfungen und den Ablauf. Kalkum befürchtet, dass das Impfen in Praxen ab Ostern ein Verteilungsproblem verursache. "Solange Impfstoffe die Kühlung brauchen und Verteilzentren notwendig sind, sehe ich keine Alternative, als die, dass wir so weitermachen wie bisher."

Über die bayernweite Terminvergabe-Software seien bislang mehr als 13.000 Landkreis-Bürger für die Impfung angemeldet. "53.000 Bürger sind noch nicht angemeldet." Holger Schedl verweist auf die Webseite www.impfzentren.bayern, um die Anmeldung nachzuholen.

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Tirschenreuth

Informationen rund um das Impfzentrum Waldsassen und zur Corona-Impfung finden Sie hier

 

 

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