26.01.2020 - 11:15 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Verfahren gegen Gastwirt und Kfz-Mechaniker eingestellt

Wegen versuchter Anstiftung zur Falschaussage standen ein Gastwirt und ein Kfz-Mechaniker vor dem Amtsgericht Tirschenreuth. Am zweiten Verhandlungstag wurde das Verfahren eingestellt. Der Jüngere muss eine Geldauflage von 1000 Euro zahlen.

Symbolbild
von Martin Maier Kontakt Profil

Der Ausgangspunkt der komplizierten Geschichte spielte sich am 21. Juli 2017 ab. Damals brachte ein Wirt (51) aus dem Landkreis Tirschenreuth mit seinem Auto innerorts zwei Radfahrer zu Sturz. Das Schöffengericht Tirschenreuth unter Vorsitz von Richter Thomas Weiß verurteilte den 51-Jährigen nach sechs Verhandlungstagen 2018 unter anderem zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten, ausgesetzt zur Bewährung. Das Urteil wurde nach einer Berufungsverhandlung im Januar 2019 rechtskräftig.

Vor dem Schöffengericht hatte der Wirt das Geschehen anders dargestellt und angegeben, er sei einem Fahrzeug ausgewichen. Diesen Ablauf bestätigte einige Monate später ein Kfz-Mechaniker (32) vor Gericht: Er habe das entgegenkommende Auto, einen Ford Kuga, damals bei einer Probefahrt gelenkt.

Zeugen vor Verhandlung besucht

Der 32-Jährige hatte auch den Namen des Kunden (63) genannt, dem das Auto gehört habe. Dieser musste daraufhin als Zeuge aussagen. Dabei stellte sich heraus, dass sein Fahrzeug an besagtem Datum - dem 21. Juli 2017 - gar nicht zur Reparatur in der Kfz-Werkstatt war.

Dies war der Ausgangspunkt für die aktuelle Verhandlung vor dem Amtsgericht vor Richterin Veronika Stark. Denn rund zwei Stunden vor der zweiten Vernehmung des 63-Jährigen vor dem Schwurgericht, am 8. Oktober 2018, statteten der Gastwirt und der Kfz-Mechaniker ihm einen Besuch ab. Dabei hatten die beiden versucht, den Autobesitzer zu überreden, falsche Angaben zu machen. Er sollte aussagen, dass sein Fahrzeug an dem besagten Tag im Juli 2017 in der Werkstatt war. Diesen Vorwurf räumten die beiden Angeklagten am ersten Verhandlungstag ein. Staatsanwältin Franziska Hofmann beschuldigte den 51- und den 32-Jährigen der versuchten Anstiftung zur Falschaussage, zudem den Jüngeren der falschen uneidlichen Aussage. In der Anklageschrift war auch die Rede von einer gefälschten Rechnung, die auf den 21. Juli 2017 datiert und an den 63-jährigen Kunden gerichtet war.

Am zweiten Verhandlungstag traten Richter Thomas Weiß und Staatsanwältin Natalie Wolf als Zeugen auf. Beide waren bei der Verhandlung vor dem Schöffengericht 2018 dabei. Es ging darum, nachzuvollziehen, wie der Kfz-Mechaniker auf das Datum des Unfalls mit den Radfahrern und seine gleichzeitige Probefahrt kam. "Er hatte den Vorfall so geschildert, dass es dieser explizite Tag war", sagte Wolf. Zudem sei immer die Rede von einem Ford Kuga gewesen. Auch die fehlende, fortlaufende Nummer auf der Rechnung habe er nie richtig erklären können.

Für Richter Weiß war beim damaligen Verfahren auffällig, dass sich der Kfz-Mechaniker sehr spät als Zeuge gemeldet hatte. Dieser habe zwar nie konkret das Datum des Unfalls nennen können, aber an den Vorfall mit den Radfahrern habe er sich erinnern können. "Sämtliche Rechnungen waren chronologisch durchnummeriert, aber gerade die eine betroffene Rechnung war nicht nummeriert", wies er auf eine weitere Ungereimtheit hin. In seinem Urteil hatte Weiß damals deutlich gemacht, dass er davon ausgehe, dass der Kfz-Mechaniker gelogen hatte. "Und das glaube ich jetzt noch immer."

Keine Verständigung

Nach der Befragung des Richters und der Staatsanwältin Wolf zogen sich Richterin Stark, Staatsanwältin Hofmann sowie die beiden Anwälte Thomas Porubka und Marc Steinsdörfer zum Rechtsgespräch zurück. Allerdings erfolgte keine Verständigung. Schließlich stellte Hofmann den Antrag, das aktuelle Verfahren gegen den Gastwirt im Hinblick auf die schon erfolgte rechtskräftige Verurteilung vor dem Schöffengericht einzustellen. Für den Kfz-Mechaniker beantragte Hofmann die Einstellung des Strafverfahrens gegen eine Geldauflage von 1000 Euro, die er an die Verkehrswacht Tirschenreuth zahlen muss. Dem stimmte Anwalt Porubka zu.

Bericht über den ersten Verhandlungstag

Tirschenreuth
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.