19.05.2021 - 14:36 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Vergewaltigung nur ausgedacht

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Was einer 20-Jährigen an einem Novemberabend passiert ist, hört sich furchtbar an. Aber noch in der selben Nacht gibt sie zu, dass sie alles nur erfunden hat. Jetzt musste sie sich dafür vor Gericht verantworten.

Eine 20-Jährige stand wegen einer erfundenen Vergewaltigung vor der Jugendrichterin.
von Armin Eger Kontakt Profil

Eine junge Frau schilderte bei einer Vernehmung am 30. November vorigen Jahres Polizeibeamten in allen Einzelheiten, was gegen 21.15 Uhr in einem Ort im östlichen Landkreis Tirschenreuth passiert sein soll. Schluchzend und weinend berichtete die 20-Jährige, dass ein Unbekannter versucht habe, sie zu vergewaltigen.

Allerdings stellte sich noch in der gleichen Nacht heraus, dass das nur erfunden war. Die junge Frau saß jetzt wegen Missbrauchs von Notrufen in Tateinheit mit Vortäuschen einer Straftat vor dem Jugendgericht in Tirschenreuth.

"Sehr einfallsreich"

Richterin Janina Leinhäupl verlas das Vernehmungsprotokoll vom November 2020. Die Auszubildende sagte damals aus, dass ein unbekannter Mann auf sie zugegangen sei und ihr über die Kleidung an die Brüste gefasst habe. Der Mann habe sie zu Boden gedrückt und ihre Hose ein Stück weit hinuntergezogen. Die Vergewaltigung kam nicht zustande, weil sie ihre Oberschenkel zusammengedrückt habe.

Der Mann habe von ihr abgelassen und sich entfernt, heißt es in dem Protokoll. Danach rief die 20-Jährige mit dem Handy die Notrufnummer der Polizei an. Auch den Täter beschrieb sie. Etwa 35 Jahre alt soll der gewesen sein, braune Haare und ein west- beziehungsweise leicht osteuropäisches Erscheinungsbild gehabt haben. "Sie waren sehr einfallsreich und schilderten den Vorfall in allen Einzelheiten", sagte Richterin Leinhäupl.

Mit anderen Mann getroffen

Als noch in der Nacht eine Beamtin die Angeklagte befragte, gab sie schließlich zu, dass alles nur erfunden war. "Wie sind Sie auf die Idee gekommen?", wollte die Richterin wissen. "Ich weiß nicht genau, es war eine Kurzschlussreaktion", versuchte es die 20-Jährige zu erklären. Sie hatte sich nämlich mit dem Bruder einer Freundin getroffen und laut Anklageschrift wurden Zärtlichkeiten ausgetauscht. Dies wollte sie vor ihrem Freund verheimlichen. "Ich wollte ihm nicht die Wahrheit sagen", so die Angeklagte.

"Sie waren sehr einfallsreich und schilderten den Vorfall in allen Einzelheiten."

Richterin Janina Leinhäupl

Da die junge Frau bis jetzt noch nicht straffällig geworden war, sich alles noch in der gleichen Nacht aufgeklärt habe und, wie Staatsanwalt Matthias Biehler hervorhob, sich der Ermittlungsaufwand in Grenzen hielt, wurde das Verfahren gegen eine Geldauflage von 500 Euro eingestellt.

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