04.05.2020 - 17:11 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Viele Friseure im Landkreis Tirschenreuth wochenlang ausgebucht

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Kunden stürmen wiedergeöffnete Friseursalons. Der Renner ist Haare färben. Spätzünder müssen drei weitere Wochen warten.

von Ulla Britta BaumerProfil

Egal ob Tirschenreuth, Waldsassen, Mitterteich oder Kemnath: überall das gleiche Bild. "Unser Terminkalender ist für drei Wochen voll", sagen die von Oberpfalz-Medien befragten Friseure im Landkreis. Gestöhnt wird deswegen aber nicht. Im Gegenteil: In den Salons herrscht geradezu Aufbruchstimmung. Die Freude darüber, endlich wieder schneiden, färben und föhnen zu dürfen, ist überall riesengroß. Manch ein Friseur arbeitet nun sogar sechs Tage die Woche, um den großen Andrang zu bewältigen.

Färben hoch im Kurs

Sechs Wochen waren die Friseurläden wegen Corona zugesperrt. "Jetzt schauen viele wie ein Wischmopp aus", lacht Patricia Berner. Sie und ihre Mutter Hedwig Berner betreiben den Salon "Mein Frisör" in Tirschenreuth. Momentan ohne eine Mitarbeiterin, die aus Tschechien stammt und nicht kommen darf. Haarefärben stehe besonders hoch im Kurs, berichtet Berner. "Sie glauben gar nicht, wie schön es ist, wieder arbeiten zu dürfen", ruft eine Mitarbeiterin von "Haarlekin by Silvy & Team" ins Telefon. Sie nutzte den Montag, um den Tirschenreuther Laden vorschriftsgemäß herzurichten. Denn beim Friseur geht's jetzt anders zu. Desinfektionsmittel und Mundschutz sind Pflicht, jedem Kunden müssen zuerst die Haare gewaschen werden, bevor es ans Schneiden geht, und es muss Protokoll geführt werden, wer wann da war.

Alexandra Weiß in Kleinbüchlberg findet's etwas übertrieben. Ihre erste Kundin, Patricia Hühn, kommt am Montag zum Färben. "Dann arbeite ich durch bis Samstagabend, ohne Ruhetag", erklärt die 57-jährige Friseurin. Natürlich würden die Sicherheits- und Hygienevorschriften streng eingehalten. Wie sie am besten um den Mundschutz herumschneiden könne, müsse sie erst ausprobieren. Sechs Wochen ohne Einkommen seien auf jeden Fall hart gewesen. "Das können wir eh nicht mehr auffangen." Weiß freut sich, dass jetzt ihre Branche mehr wertgeschätzt werde. "Es tut gut zu hören, dass wir wichtig sind."

Wegen der zusätzlichen Kosten fürs Erfüllen der Auflagen muss sie, wie viele der Kollegen, die Preise etwas erhöhen. Mehrkosten verursachen unter anderem Desinfektionsmittel, Mund-Nase-Masken und zusätzliche Wegwerf-Umhänge. Weiß erzählt, dass auch sie nach einem neuen Haarschnitt geradezu fiebere. "Das macht meine Tochter. Aber sie hat ihren Laden in Dresden und darf nicht kommen." Dann klingelt das Telefon, wieder ein Kunde. Das geht im Minutentakt. "Beinahe hätte ich mein Telefon mit ins Bett genommen," scherzt Alexandra Weiß und stürzt sich wieder in die Arbeit.

Eine Woche länger geschlossen hatte Claudia Hahne in ihren zwei Salons "Haarmacherei" in Kemnath und Speichersdorf. Die 39-jährige Mutter von zwei Kindern und Chefin von sieben Angestellten jongliert jetzt zwischen Terminvergaben, Mitarbeiterkoordinierung, Protokollierung und Muttersein hin und her. Hahne hat früher als angeordnet vor sieben Wochen zugemacht, aus Verantwortungsbewusstsein. Auch jetzt möchte sie alles richtig machen. "Viele meiner Kunden sind 50 und älter, gehören also zu Risikogruppen." Sie erzählt, viele Frauen hätten sofort angerufen um einen schnellen Termin. "Jetzt kommen auch die Männer." Leider müsse sie jetzt Kunden vertrösten, weil alle Termine für drei Wochen weg sind. Hahne hat im Erdgeschoss von sieben Plätzen fünf rausgeräumt, um Abstände einzuhalten. Und sie hat einen familiengerechten Mitarbeiterterminplan erstellt. Ihren Kunden gibt Hahne zum Protokollieren ein Formular zum Ausfüllen für die Kontaktdaten und zum Unterschreiben.

Innungsobermeister Alfons Kliebhan vom gleichnamigen Friseursalon in Waldsassen sagt, dass das gar nicht zwingend erforderlich sei. Er und seine Frau Angela führen Kundenprotokolle per Liste. Die 81-jährige Luise Kalliwoda ist eine der ersten Kundinnen nach der Zwangspause bei Kliebhan. Sie lässt sich die lockigen Haare knallrot färben. Luise Kalliwoda ist glücklich. Sie habe bereits selbst an den Haaren herumgeschnitten, gibt sie zu und lacht. "Ich wollte immer Friseurin werden." Kliebhan verrät, dass manche, auch betagte Kunden, versucht hätten, ihn während der Friseursperre zu einem "heimlichen" Haarschnitt zu überreden. Der Innungsobermeister ist hart geblieben.

Friseure wieder offen: Großer Andrang in Weiden

Weiden in der Oberpfalz

Kliebhan hat seinen Salon komplett umgebaut wegen der Abstandsregelung. Er hat sogar Trennwände eingezogen und einen Container von der Firma Kassecker für vier Wochen gemietet für mehr Kapazität. Im Container können zwei Kunden zusätzlich bedient werden. Damit können bei Kliebhan auch wieder alle acht Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen arbeiten. Die Preiserhöhungen durch die Auflagen halten sich nach seinen Angaben in Grenzen. Er selbst schlägt wegen der Corona-Auflagen einen Euro auf die bisherigen Preise drauf.

Salon umgebaut

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