04.05.2020 - 17:08 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Friseure wieder offen: Großer Andrang in Weiden

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An diesem Montag ist nach sechswöchiger Corona-Zwangspause bei den Friseuren Schneiden und Färben angesagt. Glücklich ist, wer vorher einen Termin vereinbart hat – die Weidener Haarstylisten sind ausgebucht.

Vor dem Herren Friseur "Emirat" in der Bahnhofsstraße heißt es Schlange stehen.
von Helmut KunzProfil

Seit diesem Montag sind die Friseure wieder geöffnet. Die Kunden stehen Schlange. „Wir sind heute voll. Wir sind morgen voll“, blättert Friseurin Andrea Müller in ihrem Terminkalender. „Ich könnte Ihnen höchstens noch für Mittwoch um 19 Uhr einen anbieten.“ Die restliche Woche sei schon komplett ausgebucht. Bei „Frisör Klier“ in der Unteren Bauscherstraße müssen Kunden, wie in vielen anderen Weidener Coiffeur-Salons auch, reservieren. Die Telefondrähte sind heiß gelaufen, seit bekannt wurde, dass am 4. Mai Friseure wieder öffnen dürfen.

In der Unteren Bauscherstraße ist es nur jeweils drei Kunden erlaubt, gleichzeitig den Salon zu betreten. Alle anderen müssen draußen vor der Tür warten, bis sie vom Personal hereingebeten werden. Aufgrund vorheriger Terminabsprachen gibt es allerdings nur unwesentliche Warteschlangen.

„Auch bei uns steht das Telefon nicht mehr still“, berichtet Friseurmeisterin Tatjana Hair vom "La Coupe". „Wir sind komplett ausgebucht.“ In der Dr.-Pfleger-Straße müssen die Damen drei Wochen auf einen Termin warten. Wenn aber zwischendurch jemand außer der Reihe kommt und gerade einer der neun Plätze frei ist, wird er natürlich bedient. „Vom Organisatorischen her läuft alles super.“ Ihr Team sei gut trainiert, betont die Hairstylistin. Schon vorne an der Rezeption wird auf die strikte Einhaltung der Corona-Vorschriften geachtet: Niemand darf in Eigenregie ins Haar-Studio. Dafür sorgt eine Schranke. Im "La Coupe" muss sich jeder vor der Behandlung die Hände desinfizieren.

Die Corona-Regeln sind hier verpflichtend. Egal ob Abstandsanzeigen oder Trennwände aus Plexiglas, die extra angebracht wurden. Mund- und Nasenmasken sind ohnehin obligatorisch. „Bei uns läuft alles reibungslos.“ Im "La Coupe" wird mit voller Besetzung gearbeitet. Zwei Angestellte kümmern sich allein nur um die Einhaltung der Corona-Vorschriften. „Die Desinfektion muss organisiert sein“, erklärt die Chefin. „Die putzen permanent, räumen auf, waschen die Umhänge, reinigen die Kundenplätze, desinfizieren Türklinken, Telefone und Computer, machen Spiegel, Stühle und Waschbecken sauber."

Das Tragen von Masken während der Arbeit sei notwendig, aber strapaziös. „Man muss schon ab und zu mal raus an die frische Luft und durchatmen. Wenn man die Masken zwei Stunden lang ununterbrochen auf hat, kann einem schon mal schwindlig werden." Denn Anwendungen am Kunden dauerten im Durchschnitt zweieinhalb Stunden. Und so lange müssten die Masken durchgehend angelegt werden. Erst dann sei eine 15-minütige Pause möglich, bevor die Maske weitere zwei bis drei Stunden getragen werden müsse. „Wer es hier mit dem Kreislauf hat, muss aufpassen. Kann gefährlich werden. Es geht halt nicht anders.“

Ein Friseurbesuch gilt ja gemeinhin auch gerne als Plauderstündchen. Man erfährt hier Dinge über Gott und die Welt. Momentan aber nicht. „Jeder ist ruhiger und spricht weniger. Wer spricht verbraucht Sauerstoff und den braucht man ja unter der Maske.“ Ihre Kunden würden die Einschränkungen kritiklos mittragen, freut sich die Friseurmeisterin. „Sie sind happy, dass wir überhaupt geöffnet haben.“ Die Männer, weil sie ihre langen Haare geschnitten bekommen. Die Damen wegen ihrer neu gefärbten Haaransätze. Ferner sei der Besuch beim Friseur gleichzusetzen mit Körperpflege und Hygiene.

Sie stelle durchaus fest, dass sich einige ihrer Kunden mit Eigenversuchen an ihre Frisuren gewagt haben. „Das mussten sie ja auch." Manche Frauen haben versucht, ihren Männern die Konturen um die Ohren sauber zu schneiden, was manchmal missglückt sei. Eine Kunding habe sich ihren Haaransatz selber gefärbt. Das Ergebnis: „Eine Katastrophe. Es hätte braun werden sollen, wurde aber ein Mix aus Rot und Orange. Das konnte man wieder richten. Aber mit Mehraufwand." Hair: "Wir kriegen alles wieder hin, auch Verschnitte. Dafür sind wir ja da."

Und: „Wir freuen uns über jeden der kommt. Wir müssen schließlich unsere Defizite wieder reinholen." Auffangen könne man die Umsatzeinbußen nach sechs Wochen Kurzarbeit und Komplettschließung wohl nie mehr. „Ich kann ja nur eine gewisse Anzahl von Kunden annehmen." Ein geringer Teil des Defizits sei vielleicht mit Überstunden über einen Zeitraum von zwölf Monaten wieder gut zu machen.

Beim Herrenfriseur Huseyin Güdük braucht keiner einen Termin. „Das sind alles meine Stammkunden.“ Sitzfleisch müssen sie aber schon mitbringen, wenn sie draußen vor dem Salon „Emirat“ in der Bahnhofsstraße auf bereitgestellten Stühlen warten. Wer eingelassen wird, muss den Abstand zum nächsten Kunden wahren. „Dieser Abstand ist wichtig“, sagt Güdük. „Die Leute sind voller Hoffnung und glücklich.“ Warum? Weil ein Stück Normalität zurückgekehrt sei. Dass am ersten Tag viele Leute kommen würden, sei ihm klar gewesen. "Hoffentlich hält das die nächsten Tage und Wochen an." Viele seiner Kunden hätten sich ebenfalls in Eigenregie die Haare geschnitten. "In sechs Wochen wachsen Haare zwei Zentimeter." Um diese Unwucht am Kopf wieder auszubügeln, sei manchmal zwar schwierig, aber niemals unmöglich. "Der Kunde ist schließlich König."

Rainer Hetz trägt sein Los wie ein Mann und sein Haar nach wie vor ordentlich und nicht zu lang. Er hat in den vergangenen Wochen keinen Laien-Coiffeur an seine Frisur gelassen. Deshalb hat er die Öffnung der Friseursalons schon „schön langsam“ herbeigesehnt. Allerdings: „Ganz so wichtig, wie mancher Frau, ist mir das Ganze nicht." Sein Sitznachbar in der Warteschlange vor dem "Emirat", Armin Pausch, hatte Glück im Unglück. „Ich war noch am letzten Tag vor der Schließung hier beim Friseur und der hat mir die Haare ratzeputz kurz geschnitten." Hätte die Zwangspause länger gedauert? "Dann wäre es schwierig geworden."

Viele Friseure im Landkreis Tirschenreuth wochenlang ausgebucht

Tirschenreuth

Die Friseure haben sich vorher auf den Ansturm vorbereitet:

Neustadt an der Waldnaab
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