17.11.2021 - 12:31 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Viele Sagen aus dem Landkreis Tirschenreuth auf Youtube

Als das Coronavirus den Stillstand für Brauchtumspflege brachte, entwickelte Kreisheimatpfleger Helmut Baer aus Lichtenau die Idee, Sagen über Youtube zu erzählen. Das Handwerkszeug brachte sich der 79-Jährige selbst bei.

Helmut Baer hat die Coronapandemie genutzt, um über Youtube Sagen zu erzählen. Dabei geht er auch auf Sagen aus dem Landkreis Tirschenreuth ein.
von Lucia Brunner Kontakt Profil

Helmut Baer aus Lichtenau (Landkreis Ansbach) hat sich die Brauchtumspflege auf die Fahnen geschrieben. Als im Lockdown sämtliche Vereinsfeiern und -treffen verboten waren, entwickelte der 79-Jährige die Idee, auf Youtube Sagen zu erzählen. Sein Spektrum reicht dabei bis in den Landkreis Tirschenreuth. „Ich erzähle schon von Jugend an gerne Geschichten und habe während meiner Gymnasialzeit Theaterstücke geschrieben. Also eine gewisse Ader ist vorhanden“, erklärt Baer.

Seine Wurzeln hat er in der Oberpfalz. 1942 wurde er in Sulzbach-Rosenberg geboren, 1946 kam er mit seiner Familie nach Tirschenreuth. „Meine alte Heimat“, sagt er. Dort besuchte er die Volksschule und das St.-Peter-Progymnasium. Sein Abitur machte er in Weißenburg und er studierte Diplomsoziologie in München. Seit 1992 ist er Kreisheimatpfleger für Volksmusik und Brauchtum beim Landkreis Ansbach. Sein Weg zum digitalen Sagenerzähler war jedoch gar nicht so leicht. „Ich absolvierte von April bis Juni 2020 einen Fernlehrkurs in Sachen Social Media bei der Hochschule Bamberg/Schweinfurt.“ Dort bekam er Einblick in die sozialen Medien und lernte, wie man Videos dreht und bearbeitet.

Wiederkehrenden Elemente

Dafür rüstete sich der Pensionist mit Technik aus, besorgte sich ein Smartphone, eine Halterung sowie Mikrofon und Kabel. „Dann richtete ich mir einen Platz in einem Kellerraum meines Hauses ein, der mir als variabler und ungestörter Hintergrund für Aufnahmen dienen konnte“, so Baer. Zusätzlich besorgte er sich ein Computerprogramm, mit dem er seine Aufnahmen gestalten konnte, richtete sich den Youtube-Kanal „Sagen Legenden Bräuche“ ein und legte los. Seinen Auftritt gestaltet er stets mit wiederkehrenden Elementen. Dazu gehört auch sein Outfit aus Lederhose, Leinenhemd, fränkischer Weste sowie einem Hut, der ein Erbstück vom bäuerlichen Großvater seiner Frau ist.

In den Videos sind stets eine Musikantengruppe und eine Gitarre zu sehen, die Baers Leidenschaft für Volksmusik unterstreichen soll. Denn Sagen und Volksmusik gehören für Baer unweigerlich zusammen. Diese wird auch immer wieder zwischen den Sequenzen eingespielt. Hier fragt Baer auch bei Oberpfälzer Gruppen wie „die zwoa Schneidig’n“ aus Waldkirch nach. Zudem gibt es eine Kerze, ein Bild seiner Vorfahren und einen Blumenstrauß, der je nach Jahreszeit gestaltet wird, auf seiner Videobühne.

Sage mit wahrem Kern

Das Material für seine Erzählungen stammt aus den Regionen der Landkreise Ansbach, Weißenburg-Gunzenhausen, Neustadt-Bad Windsheim (alle Mittelfranken) und auch Tirschenreuth. „Über einen Schulfreund aus Bad Neualbenreuth bin ich auf Hildegard Bocks ‚Geheimnisvolles Stiftland und Egerland‘ gestoßen und schließlich fand ich den großartigen Franz Xaver von Schönwerth“, erklärt Baer. Gerade Letzterer liefert umfangreiches Sagenmaterial aus der Oberpfalz. Für Baer hat eine Sage immer einen wahren Kern, um den eine Geschichte erzählt wird. Das sei auch ein Unterschied zum Märchen, die meist reine Fantasiegebilde seien.

Feedback von den Zuschauern

„Bei Sagen wird nicht auf historische Genauigkeit geachtet, sondern der Volksglaube versucht, das Unklärbare zu erklären“, beschreibt Baer. Ebenso spielen hier wundersame Wesen eine Rolle. Für Baer sind Sagen es wert, weitergegeben zu werden. „Das sind eben nicht nur ‚Gschichtla‘, sondern sie beinhalten Aussagen, die auch für den heutigen Menschen von Bedeutung sind“, betont er. Für seine Arbeit erhält der 79-Jährige auch immer wieder Feedback von seinen Zuschauern.

Mit seinen Erzählungen will Baer Menschen ansprechen, die Fans von Sagen, Legenden und Bräuchen sind, historisches Interesse haben und auch das Geheimnisvolle beziehungsweise Fantastische mögen. Eine Herausforderung: „Meine Zuschauer sind überwiegend ältere Leute, aber viele Senioren und Seniorinnen sind einfach zu wenig computeraffin. Deswegen muss man ihnen genau beschreiben, wo und wie sie etwas finden.“

Über 90 Videos

Seinen Zuschauern gibt er auch einen Überblick zu den Orten und ihrer Geschichte. Hier fügt er aktuelle Bilder, Kartenmaterial und Informationen mit ein. Er versucht auch stets, Heimatpfleger vor Ort in seine Arbeit einzubinden. Bisher hat Baer über 90 Videos zu Themen wie „Der Wolfsmensch von Ansbach“, „Der Weißenburger Fenstersturz“ oder „Die Zwerge von Tillenberg“ veröffentlicht. Diese wurden fast 24 000 Mal gestreamt. Aus der Oberpfalz will der 79-Jährige noch einiges bringen. Als Ausblick verrät er, dass ihn seine nächste Arbeiten auf den Teichlberg bei Pechbrunn und nach Wiesau führen werden.

Von Oberpfalz-Medien gibt es einen Podcast zu Märchen und Sagen

Oberpfalz
Hintergrund:

Sagen aus dem Landkreis auf Youtube

  • Der Alte Herrgott (Bad Neualbenreuth)
  • Der Wolfenstein (Hohenwald)
  • Eine Stadt geht unter (Bad Neualbenreuth)
  • Die Stadt Jerusalem (Bad Neualbenreuth)
  • Die Zwerge vom Tillenberg (Bad Neualbenreuth)
  • Der Granatbrunnen (Bad Neualbenreuth)
  • Der Teufelsstein (Fuchsmühl)
  • Der Schlossergeselle und der Drache (Steinwald)
  • Der tiefe Brunnen (Ebnath)

 

 

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