27.09.2020 - 09:41 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Vitamin-C-Bomben vom Vogelbeerbaum

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Reichlich leuchtend rote Früchte tragen in diesem Jahr die Ebereschen. Dabei ist die Vogelbeere nicht giftig, sondern sehr vielseitig zu verwenden – von der süßen Nachspeise bis zum herben Verdauungsschnaps.

Die Vogelbeere setzt mit ihren leuchtend roten Früchten einen deutlichen Farbakzent im Spätsommer.
von Externer BeitragProfil

Ein weit verbreiteter Irrtum besteht darin, zu glauben, dass die Vogelbeere giftig sei. Darauf weisen die zertifizierten Kräuterführerinnen Cornelia Müller aus Pullenreuth, Regina Hermann aus Erbendorf und Ulrike Gschwendtner aus Weiden hin. Die rohen Früchte schmecken zwar sehr bitter und können bei größeren Mengen magenreizend wirken, weil sie Parasorbinsäure enthalten – diese wird aber im getrockneten oder gekochten Zustand in Sorbinsäure umgewandelt, die der Körper gut aufnehmen kann.

Die Vorsilbe „Eber“ geht auf „aber“ zurück und bedeutet falsch. Also falsche Esche im Gegensatz zur gemeinen Esche. Andere Quellen meinen, die Beeren seien zur Ebermast verwendet worden.

Die Eberesche ist ein eher kleiner Baum, der circa 15 Meter hoch wird. Sie hat gefiederte, stark gezähnte Blätter, weißlich-cremig blühende Doldenrispen im Mai/Juni, die fischartig riechen und orange bis tiefrotfarbige Früchte. Deren Geschmack ist trocken, herb und bitter.

Vögel lieben die kleinen Früchte. Deshalb sollten immer genügend Beeren am Baum als Futter verbleiben, da sie eine wichtige Nahrungsquelle für Tiere sind. 63 verschiedene Vogelarten und verschiedene Säuger fressen die Beeren.

Gartenbesitzer haben eventuell die Mährische Vogelbeere daheim. Diese Früchte sind größer und nicht so bitter, so dass sie auch im rohen Zustand gegessen werden können.

Auch in der Volksheilkunde wird die Vogelbeere gerne verwendet. Sie kann bei Nieren- und Lebererkrankungen helfen. 100 Gramm Beeren können bis zu 100 Milligramm Vitamin C enthalten, das ist ungefähr doppelt so viel, wie in Zitronen steckt. Die Früchte sollen auch den Augeninnendruck senken und wegen ihrer Wirkung auf die Stimmbänder gut für Sänger und Redner sein. Die getrockneten Früchte können bei Heiserkeit eingesetzt werden. Laut Kräuterpfarrer Johann Künzle (1857 bis 1945) besitzen die Vogelbeeren „eine unvergleichliche Heilkraft bei Heiserkeit und gänzlichem Fehlen der Stimme, da sie zähen Schleim von den Stimmbändern lösen“. Dazu wurden die Beeren eine Stunde geköchelt und der Absud zum Gurgeln verwendet. Sie wirken zudem blutreinigend, verdauungsfördernd, allgemein stärkend und lindern den Hustenreiz.

Zum Trocknen werden ganze Dolden bei Sonnenschein geerntet und daheim im Schatten zum Trocknen aufgehängt. Die getrockneten Beeren können gekaut oder zu einem ungesüßten Beerentee verarbeitet werden. Dazu übergießt man einen Teelöffel getrocknete Beeren mit einer Tasse kaltem Wasser, lässt es kurz aufkochen und einige Minuten ziehen.

Ein weiterer Beitrag der Serie beschäftigt sich mit dem Schwarzen Holunder

Erbendorf
Hintergrund:

Pflanze an Kultstätten, Färbemittel und Vogelfutter

Die Vogelbeere wird häufig in Gärten angepflanzt. Sie kommt auch an Waldrändern, in Wäldern, Hecken und Gebüschen vor. Die Vogelbeere mag nährstoff- und kalkarme Böden. Verwandt mit der Eberesche sind Speierling oder Mehlbeere, diese sind ebenfalls nicht giftig.

  • Anwendung früher: Für die keltischen Vorfahren war die Eberesche der Baum des Lebens und war der Frühlingsgöttin Brigid geweiht. Die Kelten sahen in der Vogelbeere stark abwehrende Kräfte und pflanzten sie um ihre Kultstätten. So sollte Unheil von den sakralen Plätzen ferngehalten werden. Nach einer alten keltischen Sage trug eine Vogelbeere im Norden die Früchte der Unsterblichkeit. Mit ihnen konnte man Verwundete heilen und das Leben Todgeweihter um ein Jahr verlängern. Bewacht soll der Baum von einem drachenähnlichen Ungeheuer worden sein. Die Menschen glaubten, dass er Macht über die Winterdämonen und anderen Zauber besitze. Die aufgefädelten Beeren wurden an spezielle Plätze von Haus und Stall gehängt, um sich vor Drachen zu schützen. In manchen Gegenden zählte die Vogelbeere zu dem zauberkräftigen „neunerlei Holz“. Das waren neun verschiedene Holzarten, die zusammengesetzt eine starke Magie besaßen. Mit neunerlei Holz konnte man verhindern, dass Hexen und Dämonen in Haus und Stall eindrangen.
  • Färbemittel und Werkstoff: Die Rinde des Baumes wurde verwendet, um Wolle braun oder rot zu färben. Das Holz der Eberesche ist feinfaserig, elastisch und schön gemasert, deshalb eignet es sich für Drechsel- und Schnitzarbeiten. Auch Wanderstöcke ließen sich gut aus dem Holz herstellen.
  • Vogelbeere im Garten: Nicht nur als Vogelfutter ist die Vogelbeere eine Bereicherung im Garten. Ihre Blätter enthalten reichlich Magnesium. Außerdem verrotten sie leicht, das sieht man am schnellen Verfärben der Blätter und der Zersetzung des abgeworfenen Laubs im selben Jahr. Dieses kann man im Garten zum Mulchen und zum Anreichern des Bodens verwenden oder eine Schicht Vogelbeerblätter mit in den Kompost geben. 
  • Seelische Ebene: Ein Besuch beim Vogelbeerbaum und aufmerksames „In-sich-Spüren“ kann helfen, auf die innere Stimme zu hören, empfehlen die drei Kräuterführerinnen: "Er kann ein machtvoller Schutz auf unserem Weg sein und uns zu unserem Wesenskern führen. Versuchen Sie es einfach einmal!"
  • Verwendung in der Küche: Bei den Früchten nur ausgereifte Beeren sammeln (ganze Doldentrauben abschneiden), dann abzupfen und verlesen. Wenn sie nicht getrocknet werden, kann auch der Frost abgewartet werden. Oder die geputzten Beeren einfrieren, sie schmecken dann milder. Vogelbeeren eignen sich für Gelee, dies passt sehr gut zu Wildgerichten – ähnlich der Preiselbeere. Auch ein Verdauungsschnäpschen kann man ansetzen. Die Früchte eignen sich gut für viele Chutneys, als herb-pikanter Brotaufstrich. Aber auch süße Nachspeisen, zum Beispiel mit kandierten Vogelbeeren, lassen sich zubereiten. Man kann täglich circa 5 getrocknete Beeren ins Joghurt oder Müsli geben.
Rezepte:
  • Ebereschen-Gelee: 1 kg Ebereschen mit 400 ml Wasser kurz aufkochen lassen und über Nacht kaltstellen. In ein Tuch einschlagen und aufgehängt abtropfen lassen. Wenn nur noch wenig Saft tropft, leicht nachpressen. Den Saft abmessen und mit Gelierzucker 1:1 zu gleichen Teilen (also auf 1 Liter Saft 1 kg Zucker) entsprechend der Anleitung vier Minuten kochen und heiß in Gläser füllen.
  • Vogelbeerdessert: 500 g Quark, 100 g kandierte Vogelbeeren, 1 Flasche Vogelbeersirup, 100 g Zucker, 1 Becher Naturjoghurt, 3 bis 4 EL Honig, 250 ml Schlagsahne, 1 Päckchen Vanillezucker. Den Quark mit dem Joghurt, Zucker und Honig verrühren. Sahne mit Vanillezucker aufschlagen. Zwei Drittel der Sahne vorsichtig unter den Quark heben. Einen Teil der kandierten Vogelbeeren unter die Masse geben. Die Sahne-Quarkmasse in Kompottschalen füllen und den Vogelbeersirup darüber geben. Mit einem Klecks Sahne und den kandierten Vogelbeeren bestreuen.
  • Kandierte Vogelbeeren: 1 ½ kg geputzte Vogelbeeren, 1 kg Zucker, ½ l Wasser, 250 g Puderzucker. Zucker und Wasser aufkochen lassen und zu Zuckersirup kochen. In dieses Zuckerwasser die geputzten Beeren geben und kurz aufkochen lassen. Einen Tag stehen lassen. Früchte abseihen und Zuckerwasser aufkochen. Topf vom Feuer nehmen, die Vogelbeeren zugeben und wieder einen Tag stehen lassen. Das Ganze viermal wiederholen und nach fünf Tagen die Beeren herausnehmen, auf Tüchern gut trocknen lassen und später in Puderzucker wälzen. Beeren trocken aufbewahren und vor dem Verzehr mit Puderzucker bestreuen. Den Sirup nochmals aufkochen und sofort heiß in Flaschen abfüllen. Dieser kann mit Wasser oder Sekt verdünnt getrunken oder für Quarkspeisen hergenommen werden.
  • Kürbis-Vogelbeer-Chutney: 300 g Kürbisfleisch, 50 g Zwiebeln, 150 g Äpfel, 200 g Vogelbeeren (mindestens drei Wochen eingefroren), 1 TL Ingwer, 1 EL Rosinen, 1 Prise Chili, Nelkenpulver, Zimt, 1 TL Salz, 100 g Zucker, 200 g Essig. Kürbis in kleine Würfel schneiden, Zwiebel kleinhacken, Äpfel würfeln und mit den Vogelbeeren und den restlichen Zutaten unter Rühren aufkochen und 30 bis 45 Minuten weich köcheln. Abschmecken, sofort heiß in Gläser füllen und fest verschließen. Haltbarkeit etwa 1 Jahr.
  • Ebereschen-Tequila: 5 bis 6 aus den Knospen ausgetriebene Blattbüschelchen (im Frühling) in eine Flasche geben und mit Tequila oder Wodka auffüllen. Zimmerwarm und dunkel 2 bis 3 Wochen ziehen lassen. Danach abfiltern und kühl und dunkel reifen lassen – schmeckt erst nach einigen Monaten gut. (Rezept von Karin Greiner)
  • Vogelbeer-Cidre: 2 Handvoll Vogelbeeren im Entsafter zu Vogelbeersaft verarbeiten. In eine saubere, sterilisierte Flasche abfüllen. Einen kleinen Schuss des Safts ins Glas geben, Eiswürfel dazu und mit gekühltem Cidre auffüllen. Schmeckt herb und erfrischend.
  • Vogelbeer-Essig: Flasche mit 0,7 l Weißweinessig gut zu einem Drittel mit Vogelbeeren auffüllen. Wenn vorhanden, ein paar Blüten der Vogelbeere und zerhackte Sternanisrädchen mit hineingeben. 3 bis 4 Wochen dunkel und kühl lagern, Ansatz filtern und in zwei kleinere Flaschen abfüllen. Der feinaromatische Essig eignet sich gut für Herbst- und Wintersalate. Er schmeckt auch als Dressing mit Honig gemischt über Roter Beete.
Ulrike Gschwendtner, Regina Herrmann und Cornelia Müller (von links) vor einem Vogelbeerbaum.
Die Vogelbeere setzt mit ihren leuchtend roten Früchten einen deutlichen Farbakzent im Spätsommer.
Vogelbeerendrink und kandierte Vogelbeere.

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