29.07.2020 - 13:53 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Warten auf den Angeklagten

Manchmal passiert es auch, dass ein Angeklagter nicht zum Gerichtstermin erscheinen. Ein Situationsbericht aus dem Amtsgericht Tirschenreuth.

von Vanessa Lutz Kontakt Profil

Vormittag, 8.25 Uhr, Sitzungssaal 128 im Amtsgericht Tirschenreuth, fünf Minuten vor Prozessbeginn wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung. Richter Thomas Weiß, Staatsanwältin und Verteidiger sitzen in ihren Roben bereit, nach einem kurzen Plausch sehen sie sich unschlüssig um. „Der Angeklagte kommt hoffentlich schon noch?“, fragt der Verteidiger. Schulterzucken.

Einmal, erzählt der Verteidiger, habe der Angeklagte es in die Kanzlei zur Besprechung geschafft. Danach: Funkstille. Mehrmals lässt Amtsgerichtsdirektor Weiß den Angeklagten ausrufen. Vergeblich. Soll man ihn mit Hilfe der Polizei vorführen lassen? Stirnrunzeln. „Das dauert sicher eine Stunde“, weiß Weiß.

Vor dem Schöffengericht in Tirschenreuth musste sich kürzlich ein Drogendealer verantworten

Tirschenreuth

Er verlässt kurz den Raum, kommt wieder und sagt, der Angeklagte habe seit kurzem den Wohnort gewechselt. Der Verteidiger notiert sich die neue Adresse. „Dann machen wir halt einen Haftbefehl“, sagt Weiß.

Für 9 Uhr ist eine Zeugin geladen. „Wir warten auf sie, ob er vielleicht mit ihr erscheint.“ Und falls nicht? Weiß und der Verteidiger vergleichen ihre Kalender für einen neuen Termin.

9.05 Uhr. Keine Zeugin in Sicht. Kein Angeklagter in Sicht. Die junge Staatsanwältin, für diesen Tag als Vertretung extra aus Weiden angereist, beantragt also einen Haftbefehl. „Es ergeht folgender Beschluss“, so Amtsrichter Weiß, „die Hauptverhandlung wird ausgesetzt. Die Vorführung des Angeklagten durch die Polizei wird angeordnet.“ Neuer Versuch: Mitte September.

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