23.08.2018 - 15:34 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Wegen Trockenheit: Bauern müssen Kühe verkaufen

Staubtrockene Felder, braune Wiesen, leere Bachläufe: Der heiße Sommer 2018 lässt kaum einen Landwirt kalt, zumal das Wetter mittlerweile bei manch einem Bauern die Ställe immer mehr leert.

Vielen Landwirten ist mittlerweile das Grünfutter ausgegangen. Weil der Zukauf von Futter teuer ist, werden nun Tiere günstig abgegeben.
von Redaktion ONETZProfil

(lym) Etliche Landwirte sehen sich mittlerweile gezwungen, aufgrund der Trockenheit Vieh zu verkaufen. Im Landkreis Tirschenreuth fehlt seit Monaten der Regen, was enorme Ernteeinbußen für die Landwirte dieser Region bedeutet.

„Seit Mai hat es bei uns nicht mehr richtig geregnet. Durch den fehlenden Niederschlag können wir nicht einmal die Hälfte des üblichen Futters bereitstellen“, stellt stellvertretender Bezirkspräsident und Kreisobmann des Bauernverbandes (BBV) Tirschenreuth, Ely Eibisch, fest. Ohne Futter kann aber das Vieh nicht ernährt werden. „Milchbauern sehen sich bereits gezwungen, ihre Kühe zum Schlachter zu bringen, weil sie keine andere Möglichkeit sehen“, führt Ulrich Härtl, Geschäftsführer des Bauernverbands Tirschenreuth, fort.

Laut Eibisch hat mittlerweile fast jeder Betrieb begonnen, Tiere abzustoßen. Auf den Schlachthöfen gehe es hoch her. Darüber freuen sich Fleisch -und Wurstliebhaber: Metzgereien sind voll, der Fleischpreis ist also niedrig wie lange nicht mehr. „Wir sprechen hier von absoluten Notmaßnahmen. Kein Bauer würde sein Vieh einfach so verkaufen, zumal es sich finanziell nicht rentiert. Es ist ein freier Markt, auf dem Metzgereien nicht soviel Rücksicht auf Bauernhöfe nehmen können“, gibt Härtl zu bedenken.

„Aufgrund der extremen Trockenheit erwartet der deutsche Raiffeisenverband (DRV) eine Getreideernte von 36,3 Millionen Tonnen, das wäre der niedrigste Wert seit 1994. Das schwache Vorjahresergebnis von 45,6 Millionen Tonnen wird um gut ein Fünftel unterschritten, der langjährige Durchschnitt von 47,9 Millionen Tonnen um fast ein Viertel verfehlt“, heißt es nach Einschätzung des DRV.

Eibisch spricht von einer „sehr brisanten Situation“. Das Problem ziehe weite Kreise. Auch auf den Milchpreis werde der Sommer Auswirkungen haben, sollten zahlreiche Milchkühe ins Schlachthaus wandern. „Man kann nicht differenzieren zwischen den einzelnen Betrieben. Dieses Jahr sind alle betroffen, alle leiden. Auch Biogasanlagen müssen entsprechend reduzieren“, gibt Eibisch zu bedenken.

Die zwei „passablen Erntejahre“ 2017 und 2016 würden helfen, die Probleme zu meistern. Bereits jetzt würden aber viele Kollegen und auch der Verband mit Sorgenfalten auf der Stirn auf 2019 blicken.

Eibisch sieht die Lösung des Problems nicht in einer Förderung für Futterzukauf, wovon in vielen Debatten die Rede ist, sondern in finanzieller Förderung: „200 bis 300 Euro pro Hektar wären mindestens notwendig, um das Minus zumindest ein wenig auszugleichen.“ Der Mais sei schon gelaufen, auch die Rapsernte sei zwei bis drei Woche zu früh dran gewesen. Das einzige Potenzial könnte noch in Wiesen stecken.“ Hinzu komme die Situation, dass sich bei einer Silo-Ernte bei 35 bis 40 Grad Pilze bilden könnten, die langfristig zu weiteren Problemen führen könnte.

Vielen Landwirten ist mittlerweile das Grünfutter ausgegangen. Weil der Zukauf von Futter teuer ist, werden nun Tiere günstig abgegeben.

Ein Traktor auf einem Feld bei Mähring wirbelt mehr Staub auf als Ertrag.

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