09.05.2021 - 16:21 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Werkhof in Tirschenreuth: Mehr als "Second Hand"

Der Werkhof ist bei weitem nicht nur ein Kaufhaus für gebrauchte Ware. Dahinter steckt ein Arbeitgeber, bei dem der Inklusionsgedanke groß geschrieben wird.

Ein Teil des Werkhof-Teams vor dem projekteigenen Transporter und dem Laden in der Franz-Heldmann-Straße.
von Externer BeitragProfil

Zwei Zielgruppen mit einem Projekt erreichen - dieses Ziel verfolgt das Diakonische Werk mit seinen Werkhöfen. Sowohl Menschen mit einem geringen Einkommen, als auch schwerbehinderte Menschen haben oft mit dem gleichen Problem zu kämpfen: einem unzureichenden Zugang zur gesellschaftlichen Teilhabe. Das Konzept "Sozialkaufhaus Werkhof" bietet mit einem bezahlbaren Einkaufsangebot Beschäftigungsperspektiven für langzeitarbeitslose oder schwerbehinderte Frauen und Männer. Anlässlich des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung, der kürzlich stattfand, hat der Träger des Sozialkaufhauses noch einmal per Pressemitteilung auf diese Besonderheit in den kirchlichen Beschäftigungsprojekten hingewiesen.

Übertritt geling seltener

Vor allem schwerbehinderte Menschen profitierten weniger vom Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt, wie der Monatsbericht der Agentur für Arbeit für den Geschäftsstellenbezirk Tirschenreuth aufzeigt habe. Während im Jahresvergleich (April 2021 zu April 2020) die Arbeitslosenzahl insgesamt um 10,8 Prozent zurückgegangen ist, fiel sie bei schwerbehinderten Menschen nur um 5,6 Prozent, also circa halb so stark. Über 13 Prozent der Arbeitslosen im Landkreis haben eine Schwerbehinderung - und damit gelinge ihnen deutlich seltener der Übertritt in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung als den meisten anderen Arbeitslosengruppen, wie das Diakonische Werk weiter betont. Auch würden sie häufiger langzeitarbeitslos.

Auf Augenhöhe arbeiten

Hier wolle das Konzept Werkhof ansetzen und Menschen mit Schwerbehinderungen und meist mehrfach gebrochenen Lebensläufen Beschäftigungsperspektiven eröffnen. "Es ist für die Mitarbeitenden selbstverständlich, dass Menschen mit und ohne Behinderung auf Augenhöhe miteinander im Team arbeiten", erläutert Markus Friedrich, Geschäftsführer der Ostbayerischen Dienstleistungsagentur, einer 100-prozentigen Tochter des Diakonischen Werks, die Idee hinter dem Sozialkaufhaus. "In der Inklusionsfirma sind inzwischen 17 Menschen an vier Standorten (Weiden, Tirschenreuth, Vohenstrauß und Cham) fest angestellt", so Friedrich weiter. Hinzu kommt fast die gleiche Anzahl an Frauen und Männern, welche in der Regel in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen in Kooperation mit den jeweiligen Jobcentern sinnstiftend im Sozialkaufhaus beschäftigt werden.

Jeder darf einkaufen

Im Werkhof Stiftland können Menschen mit geringem Einkommen auf fast 700 Quadratmetern Bekleidung, Haushaltswaren oder Kindersachen günstig erwerben. Dem Leiter der Tirschenreuther Einrichtung, Thomas Bauer, ist auch wichtig, dass das Einkaufen im Sozialkaufhaus nicht stigmatisierend wirkt: "Nachdem bei uns jeder einkaufen darf, der für gut erhaltene Gebrauchtware nicht viel Geld ausgeben kann oder will, ist für den Außenstehenden nicht erkennbar, ob ein Kunde ein Schnäppchenjäger oder Sozialhilfeempfänger ist." Natürlich räumt er ein, dass ein Großteil der Besucher aus dem Kreis der Geringverdiener, Sozialleistungsempfänger, Kleinrentner, Auszubildenden oder Studierenden stammt.

"Durch die Unterstützung der Stadt, des Bezirks und des Inklusionsamtes können wir den Festangestellten Tariflöhne bezahlen, auch wenn die Betroffenen vielleicht etwas länger brauchen oder manche Aufträge auch zu zweit erledigen müssen", erläutert Friedrich das Finanzierungskonzept des Inklusionsbetriebs Werkhof. Mit zuverlässiger Arbeit beweise aber jeder Beschäftigte tagtäglich seine Leistungsfähigkeit.

Interessierte finden den Werkhof in Tirschenreuth in der Franz-Heldmann-Straße 38, in der Nähe des Volksfestplatzes. Informationen über das Beschäftigungsprojekt sind über die Telefonnummer 09631/600 237 erhältlich. Über den Kontakt können auch Termine für einen Anschautermin für die kostenfreie Möbelspendenabholung vereinbart werden. Geöffnet ist das Sozialkaufhaus von Montag bis Freitag, 10 bis 18 Uhr und samstags, 9 bis 12 Uhr.

Küchen und Elektrogeräte gesucht

Ab sofort können wieder Sachspenden abgegeben bzw. Möbelspenden auch abgeholt werden. Besonders gesucht sind im Augenblick Textilien aller Art, gut erhaltene Küchenzeilen und voll funktionsfähige Elektrogroßgeräte.

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