27.09.2020 - 14:14 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Würgemale und Schere im Ellbogen: Beziehungsstreit vor Gericht

Dieses Mal kam der Angeklagte freiwillig in den Gerichtssaal in Tirschenreuth. Er soll seine ehemalige Lebensgefährtin bei einem Streit festgehalten und gewürgt haben. Der 21-Jährige zeigte sich vor Richter Thomas Weiß geständig.

von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Wegen gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung, Beleidigung und vorsätzlichem Fahren ohne Führerschein musste sich ein 21-Jähriger vor dem Amtsgericht Tirschenreuth verantworten. Nachdem der Angeklagte bereits Anfang August nicht zur Verhandlung erschienen war, wurde beim vergangenen Termin die Vorführung durch die Polizei angeordnet. Doch diese war nicht nötig, da der junge Mann selbstständig vor Gericht erschien.

"Den ganzen Körper zerkratzt"

In seinen Schilderungen während der Verhandlung zeigt er sich geständig und schildert die ihm zur Last liegenden Geschehnisse. Dabei geht es vor allem um die Beziehung zu seiner früheren Lebensgefährtin. "Wie ist diese verlaufen?", will Richter Thomas Weiß wissen. "Erst war es ruhig. Dann gab es Streit", sagt der Angeklagte. Beide hätten ein bis zwei Mal die Woche die Droge Crystal konsumiert. Speziell fragt der Richter nach den Ereignissen im August 2019. Wieder habe das Paar viel gestritten. "Ich wollte, dass es aufhört. Ich habe sie fest umarmt. Sie hat mir dabei fast den ganzen Körper zerkratzt", führt der Angeklagte aus. "Ich habe sie dann mit Armen und Beinen auf der Couch festgehalten. Irgendwann habe ich sie dann gewürgt." Als er gemerkt habe, dass seine Lebensgefährtin keine Luft mehr bekam, habe er von ihr abgelassen.

Der Streit sei danach weitergegangen, die Frau in die Küche gegangen. Sie habe eine Schere geholt, die sie dem Angeklagten in den Ellbogen stieß. Verteidiger Thomas Bäumler fragt: "Warum haben Sie die Frau festgehalten?" Der 21-Jährige antwortet: "Weil wir schon gestritten haben. Ich wollte das nicht mehr. Das war zu viel für mich." Bilder von der Geschädigten zeigen Würgemale und Abschürfungen am Hals sowie blaue Flecken am Schienbein. "Das war meine erste Beziehung. Ich hätte nie gedacht, dass ich handgreiflich werden könnte", sagt der 21-Jährige.

Wohnung zerstört

Zudem ging es in der Verhandlung um Sachbeschädigung. In der gemeinsamen Wohnung soll der Angeklagte einiges zerstört haben. "Bevor ich einen Menschen angreife, da haue ich lieber in die Wand", gibt der Angeklagte zu. Er habe alle Türen ausgerissen und das Waschbecken im Bad beschädigt. Bilder bestätigten die Aussage. Des Weiteren gibt der Angeklagte zu, ohne Fahrerlaubnis gefahren zu sein. Ebenso hat er im Oktober 2019 und im Februar 2020 Polizeibeamte beleidigt. Wieder hatte er Streit mit seiner früheren Partnerin. "Ich war emotional betroffen und wollte, dass sich niemand einmischt."

Eine Polizistin wurde als Zeugin befragt. Sowohl Angeklagter wie auch Geschädigte sind der Polizei bekannt. "Die beiden haben sich gegenseitig nichts genommen", erklärt sie. "An einem Tag gab es Streit, dann am nächsten Tag wieder Glück." Die Geschädigte selbst konnte nicht zur Verhandlung erscheinen, da sie sich in stationärer Behandlung befindet. Verteidiger Bäumler will auch ihre Sicht auf die Geschehnisse hören. Aus diesem Grund wird die Verhandlung Anfang Oktober fortgesetzt.

Hier eine weitere Verhandlung vor dem Amtsgericht Tirschenreuth

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