08.10.2020 - 10:07 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Die Zeit der Sommerreifen endet

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In Deutschland gibt es keine Pflicht, mit Winterreifen zu fahren. Wenn allerdings ein Unfall in Eis und Schnee passiert, drohen Strafen. Seit 1. Januar 2018 ist das sogenannte Alpine-Symbol auf Winterreifen vorgeschrieben.

Mit Winterreifen ist man auch auf rutschigem Herbstlaub sicherer unterwegs.
von Konrad RosnerProfil

Langsam wird es Zeit, wenn sich der Autofahrer an die immer noch weit verbreitete O-Regel hält: Von Oktober bis Ostern, sagt der Volksmund, ist Winterreifenzeit. Denn mit Matsch, Schnee oder Glatteis ist zu rechnen.

Eine Pflicht, mit Winterreifen unterwegs zu sein, gibt es allerdings in Deutschland nicht. Wenn keine winterlichen Temperaturen herrschen, Schnee und Eis ausbleiben, kann man auch mit Sommerreifen unterwegs sein, ohne eine Strafe zu bezahlen. Doch in unserer Region ist es auf jeden Fall sicherer, mit Winterreifen auf den Straßen unterwegs zu sein.

Profil und Gummi

Was unterscheidet einen Sommer- vom Winterreifen? Zum einen das Reifenprofil, zum anderen die Gummimischung des Reifens. Ein Winterreifenprofil hat viele kleine Lamellen und kann so einem möglichen Rutschen des Fahrzeugs entgegen wirken. Die Gummimischung ist bei Winterreifen wesentlich weicher ausgelegt als bei Sommerreifen, die härter sind. Deswegen lohnt es sich auch, nach Ostern wieder die Sommerreifen zu montieren, anstatt mit den Winterreifen weiter zu fahren. Winterreifen verursachen einen höheren Spritverbrauch.

Vor dem Montieren der Winterräder sei es auf jeden Fall wichtig, das Reifenprofil zu messen. Kraftfahrzeugtechnikermeister Andreas Weis: "Gesetzlich vorgeschrieben ist, dass der Reifen noch mindestens 1,6 Millimeter Profiltiefe hat. Ich rate aber jeden aus Gründen der Sicherheit, sich schon bei vier Millimetern Profiltiefe, neue Winterreifen zu kaufen."

Nach acht Jahren erneuern

Ein weiteres wichtiges Kriterium ist das Alter der Reifen. Reifen sollten nach spätestens acht Jahren erneuert werden, manche plädieren sogar für einen Neukauf nach sechs Jahren. Das Alter der Reifen sei, so Andreas Weis, leicht festzustellen. Jeder Reifen habe eine sogenannte DOT-Nummer, die an der Reifenseite eingedruckt ist. "2715" bedeutet zum Beispiel, dass dieser Reifen in der 27. Woche im Jahr 2015 hergestellt wurde. Er ist also aktuell gut fünf Jahre alt.

Ebenso wichtig: Bisher reichte es aus, wenn die Winterreifen die Bezeichnung "M+S" trugen. Seit dem 1. Januar 2018 ist es zudem Pflicht, dass das sogenannte Alpine-Symbol (Schneeflocke) auf den Reifen geprägt ist.

Viele lassen ihre Winterreifen in der Werkstatt wechseln und ihre Sommer-Räder gegen eine Gebühr auch gleich dort einlagern. Das lästige Herumschleppen entfällt damit.

Doch man kann die Winterreifen auch zu Hause wechseln. Voraussetzungen dafür sind ein guter Wagenheber und natürlich etwas Fachkenntnis: Das Auto an geeigneter Stelle anheben und das Sommer-Rad abmontieren. Es empfehle sich, so Andreas Weis, die Räder zu markieren, damit sie im Frühjahr wieder an gleicher Position am Auto montiert werden können. "VL" bedeutet "Vorne links", "VR" ist "Vorne rechts", "HL" entspricht "Hinten links" und "HR" heißt "Hinten rechts". Zudem gelte es zu beachten, dass mittlerweile viele Reifen eine Laufrichtung hätten. Diese ist mit einem Pfeil am Reifen kenntlich gemacht.

Wichtig, so der Kfz-Experte sei es, die Räder mit einem Drehmomentschlüssel festzuziehen, "damit die Felgen nicht zu wenig oder auch nicht zu fest angezogen werden". Nach 50 bis 100 gefahrenen Kilometern sollte man die Räder nachziehen lassen.

Luftdruck prüfen

Nicht zu vergessen: Der Reifenluftdruck muss geprüft werden. Der Luftdruck sollte den Angaben des Fahrzeugherstellers entsprechen. Die neueren Fahrzeuge sind mit einem sogenannten "RDKS", dem Reifendruck-Kontrollsystem, ausgestattet. Wenn man also die Räder wechselt, müssen auch die Daten im Fahrzeug zurückgesetzt werden. Dies funktioniert zu einen über den Bordcomputer oder das RDKS wird mit einem speziellen Tester wieder neu angelernt. Der "Otto Normalfahrer" wird dies wohl kaum selbst bewerkstelligen können.

Punkt in Flensburg

Wer auf vereister oder verschneiter Straße mit Sommerrädern fährt und erwischt wird, muss mit einem Bußgeld von 60 Euro rechnen. Wer den Verkehr behindert, zahlt 80 Euro. Bei einem Unfall kann die Strafe sogar 120 Euro betragen. Dazu gibt es in allen Fällen mindestens einen Punkt in Flensburg.

Neue Regelung für Lkw und Busse: Seit dem 1. Juli 2020 gibt es eine gesetzliche Regelung, dass Lkws und Omnibusse auch auf den Lenkachsen über einen wintertaugliche Bereifung verfügen müssen. Bisher waren Winterreifen nur auf den Antriebsachsen Pflicht.

Pro- und Contra: Winterreifen vs. Ganzjahresreifen

Weiden in der Oberpfalz
Kraftfahrzeugtechnikermeister Andreas Weis misst das Reifenprofil mit einem Profiltiefenmesser.
Die DOT-Nummer gibt Auskunft über das Baudatum: Dieser Reifen wurde in der 17. Woche im Jahr 2019 produziert.
Das Alpine-Symbol, die Schneeflocke, darf auf keinem neuen Winterreifen fehlen.
Solche Reifen haben im Winter nichts auf Fahrzeugen zu suchen: ein abgefahrener Ganzjahresreifen.

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