12.02.2020 - 13:06 Uhr
TrabitzOberpfalz

Nicht durch Gegenwind bremsen lassen

Im November 2019 wurde das erste Nahwärmenetz in Trabitz in Betrieb, das von einer Tochtergesellschaft dieser Genossenschaft getragen wird. Nun ist es an der Zeit für ein erstes Fazit.

In Trabitz wird auch das Jugendhaus "Meierhof" durch das neue Nahwärmenetz beheizt. Die Heizungsanlage begutachten die Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder der "Bürger-Energie"-Genossenschaft gemeinsam mit Bürgermeisterin Carmen Pepiuk.
von Bernhard PiegsaProfil

Energiegewinnung aus erneuerbaren Quellen fördern, die Abhängigkeit der Nordoberpfalz von den Energie-Großkonzernen lockern und damit Arbeitsplätze in der Region sichern und schaffen: Mit diesen Zielen nahm das Energiegenossenschaften-Tandem „Neue Energien West“ (NEW) und „Bürger-Energie-Genossenschaft West“ vor bald elf Jahren seine Arbeit auf. Wie Vorstand und Aufsichtsrat der „Bürger-Energie“ in ihrer Sitzung im Trabitzer „Meierhof“ bilanzierten, legen inzwischen mehr als 1500 Mitglieder dieser Genossenschaft mit fast 40.000 Geschäftsanteilen im Wert von annähernd 20 Millionen Euro das finanzielle Fundament dieses ambitionierten Projekts. Dass die „Bürger-Energie“ ihre erste Leitungsgremiensitzung des Jahres 2020 nach Trabitz verlegte, war kein Zufall: Hier ging im November 2019 das erste Nahwärmenetz in Betrieb, das von einer Tochtergesellschaft dieser Genossenschaft getragen wird.

Zu den per Heißwasser-„Pipeline“ aus Blankenmühle versorgten Gebäuden gehört auch das Jugendhaus „Meierhof“, dessen Heizungsanlage die „Bürger-Energie“-Verantwortlichen gemeinsam mit Bürgermeisterin Carmen Pepiuk besichtigten. Alles in allem arbeite das Wärmenetz bisher verlässlich: „Wir haben beständig 85 Grad heißes Wasser“, bemerkte NEW-Geschäftsführer Bernhard Schmidt. Man hoffe, dass bis Ende Februar die meisten Hausanschlüsse am Netz seien, doch seien Verzögerungen bei den Heizungsbauern nicht immer zu vermeiden.

„Bürger-Energie“-Aufsichtsratsmitglied und NEW-Vorstandsvorsitzender Helmuth Wächter mahnte, dass die Genossenschaften ihr Möglichstes zum zügigen Abschluss der Arbeiten am Trabitzer Netz beitragen müssten: „Das ist unser erstes derartiges Projekt und muss unser Aushängeschild werden, damit künftige ähnliche Vorhaben Akzeptanz finden.“ Die vor zwei Jahren übernommenen beiden Windkraftanlagen des Windparks Creußen sprach „Bürger-Energie“-Aufsichtsratsvorsitzender Stefan Dötsch an. Auch hier habe die NEW Neuland betreten: „Bislang hatte man sich ja vornehmlich auf die Photovoltaik konzentriert.“

Die Energiewende lasse sich freilich nur verwirklichen, „wenn man nicht gebremst wird“, wie das etwa durch die 10-H-Regelung, aber auch durch den „Gegenwind“ kritischer Bürgerinitiativen geschehe. Als Bürgergenossenschaft wolle man freilich „nicht gegen Bürgerinteressen planen und handeln“, bekräftigte Dötsch. Doch bleibe es das erklärte Ziel, die Menschen von der Energiegewinnung aus regenerativen Ressourcen zu überzeugen, Unterstützer zu gewinnen und so die noch oft anzutreffende Gleichgültigkeit und Sorglosigkeit zu überwinden: „Für viele Leute kommt die Energie noch immer ‚aus der Steckdose‘.“

Nicht zu vergessen sei, dass es Großinvestoren gebe, die über die Mittel verfügten, „sich mit viel juristischem Aufwand einen Weg zu bahnen, um eigene Windkraftprojekte in der Region zu verwirklichen“, gab Dötsch zu bedenken. Damit wären NEW und „Bürger-Energie“ als „Interessengemeinschaft der Bürger“ an den Rand gedrängt.

Info:

Zwei Standbeine

Auf zwei genossenschaftlichen Standbeinen ruht seit 2009 das Projekt einer regionalen Energieversorgung für die Nordoberpfalz: Die „Neue Energien West eG“ ist eine interkommunale Genossenschaft von 17 Städten und Gemeinden aus den Landkreisen Neustadt/WN, Tirschenreuth und Amberg-Sulzbach. Sie beschäftigt sich aktiv mit der Projektierung und dem Betrieb von Anlagen zur regenerativen Energieerzeugung. Das finanzielle Fundament in Form von 500-Euro-Genossenschaftsanteilen, die jeder Bürger erwerben kann, schafft die „Bürger-Energie-Genossenschaft West“, unter deren organisatorischem Dach darüber hinaus der neue Betriebszweig der Nahwärmenetze ausgebaut werden soll. (bjp)

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.