26.09.2021 - 14:16 Uhr
TrabitzOberpfalz

Gemeinderat Trabitz erinnert an „Unternehmer vom alten Schlag“ und Ehrenbürger

Von 1941 bis 1994 befand sich in Trabitz ein Leistritz-Werk, ehe es an den französischen Faurecia-Konzern verkauft und 2016 geschlossen wurde. Firmen-"Patriarch" Helmuth Schaak ist nun gestorben – Thema auch im Trabitzer Gemeinderat.

Die Oberpfalz lag Helmuth Schaak (Dritter von links) zeitlebens am Herzen: Unter anderem anno 2013 war der Leistritz-"Patriarch" gemeinsam mit Ehefrau Annemarie hier zu Besuch. Begrüßt wurde das Ehepaar damals von Landtagsabgeordnetem Tobias Reiß, dem seinerzeitigen Trabitzer Bürgermeister Dieter Klein (von links), dessen Speinsharter Kollegen Albert Nickl und dem damaligen Trabitzer Vizebürgermeister Heinrich Bauer (von rechts).
von Bernhard PiegsaProfil

Mit einer Schweigeminute gedachte der Gemeinderat in seiner September-Sitzung des am 19. August 2021 verstorbenen Ehrenbürgers Helmuth Schaak. Bürgermeisterin Carmen Pepiuk zitierte hierzu Altbürgermeister Dieter Klein: „Von Ihrer Arbeit haben unsere Gemeinde und die Region profitiert. Sie waren ein Unternehmer vom alten Schlag, dessen Wort etwas galt.“

Rund vier Jahrzehnte lang habe Schaak an der Spitze des Nürnberger Unternehmens Leistritz gestanden und in dieser Position auch die langjährige Partnerschaft zwischen dem Hersteller von Werkzeugen, Automobil- und Flugzeugtriebwerksteilen und der Gemeinde Trabitz mitgestaltet. In viele örtliche Vereine habe sich Helmuth Schaak eingebracht und oft signalisiert, wie sehr ihm die Gemeinde ans Herz gewachsen sei, die ihn an seine auf einem Bauernhof verbrachte Jugend erinnert habe.

Begonnen habe Helmuth Schaaks Lebensweg am 16. August 1924 im niederlitauischen Schaken, von wo seine Familie 1939 aufgrund eines deutsch-litauischen Abkommens nach Hinterpommern umgesiedelt worden sei. Auf Kriegsdienst, amerikanische Kriegsgefangenschaft und den Neubeginn in Lübeck sei ein 1951 abgeschlossenes Maschinenbautechnikstudium in Braunschweig gefolgt.

Danach habe Schaak acht Jahre für eine Lübecker Werft gearbeitet, die Geschäftsbeziehungen mit der Firma Leistritz gepflegt habe. Bei Verkaufsgesprächen mit Unternehmenschef Paul Leistritz, der 1957 verstorben sei, und seiner Tochter Ruth hätten er und die Firmenerbin einander kennengelernt und nach der Heirat 1959 gemeinsam Verantwortung für den Konzern übernommen.

„Helmuth Schaaks erste Frau ist in Trabitz nicht zuletzt als Initiatorin des 1957 erfolgten Baus der evangelischen Pauluskirche unvergessen geblieben, die auch ihrem Mann am Herzen gelegen hat“, erinnerte die Bürgermeisterin. Nach Ruth Schaaks frühem Tod 1963 habe der Diplomingenieur das Unternehmen allein weitergeführt, das sich zum Weltkonzern gemausert habe. 2001 sei er von der Vorstands- an die Aufsichtsratsspitze gewechselt und habe sich erst 2012 formell zurückgezogen. Aber auch danach habe er noch fast jeden Tag sein Büro aufgesucht, solange es seine Gesundheit erlaubt habe.

„Helmuth Schaak war ein geschätzter Botschafter für den Wirtschaftsstandort Nürnberg, und der Region auch durch großes persönliches Engagement verbunden, etwa als Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer“, zitierte Pepiuk den Nürnberger Oberbürgermeister Markus König. Für seine Verdienste habe ihm die Frankenmetropole 2005 die Bürgermedaille und die Gemeinde Trabitz bereits 1984 die Ehrenbürgerwürde verliehen. Ferner sei Schaak Träger des Bundesverdienstkreuzes und des Bayerischen Verdienstordens, Ehrenbürger der Stadt Pleystein sowie Ehrenmitglied des Trachtenvereins „D’Haidnaabtaler“ und der Feuerwehr Burkhardsreuth gewesen.

Helmuth Schaak habe es zudem bei mehreren festlichen Anlässen die Schirmherrschaft zu übernommen, so etwa 1974 – zusammen mit Alois Ackermann – zur 80-Jahr-Feier der Burkhardsreuther Feuerwehr, 1987 zur Gerätehauseinweihung und 1993 zur 100-Jahr-Feier der Wehr, die ihm obendrein zwei Atemschutzgeräte verdankt habe.

Gemeinde, Trachtenverein, Feuerwehr Burkhardsreuth und einige Leistritz-Ruheständler sowie der Betriebsrat des damaligen Trabitzer Faurecia-Werks, das von 1941 bis 1994 zum Leistritz-Konzern gehört habe, hätten 2004 zu seinem 80. Geburtstag einen Ehrenabend im Preißacher Schützenheim für ihn ausgerichtet. Als großer Gönner und Unterstützer in vielerlei Hinsicht sei Schaak auch bei den „Haidnaabtalern“ in Erinnerung geblieben. Die Gemeinde werde ihm ein ehrendes Andenken bewahren, schloss Pepiuk.

Zuschüsse für Jugendarbeit

92 Jugendliche gehörten im vergangenen Jahr den in der Nachwuchsarbeit engagierten Trabitzer Vereinen an: An diese Organisationen schüttet die Gemeinde Trabitz gemäß einstimmigem Gemeinderatsbeschluss 460 Euro an Fördermitteln aus. Im Jahr 2019 hätten die Vereine noch 105 Kinder und Jugendliche gemeldet, erinnerte Bürgermeisterin Carmen Pepiuk.

Wasserversorgung und Haushalt

Formsache war die Feststellung des Jahresabschlusses 2020 der gemeindlichen Wasserversorgungseinrichtung. Die Bilanzsumme in Aktiva und Passiva belief sich auf 1.154.885,64 Euro; der Jahresverlust von 57.829,54 Euro wird aus der Allgemeinen Rücklage ausgeglichen. Ferner informierte die Bürgermeisterin, dass das Landratsamt den Haushalt für 2021 genehmigt habe. Zudem erhalte die Gemeinde für den Ortskern Trabitz 120.000 Euro aus der Bund-Länder-Städtebauförderung.

Stoppschilder und Meierhof

Unter Hinweis auf den schweren Verkehrsunfall auf der Kreuzung bei „Neuelend“ soll eine Stoppstellenregelung geprüft werden. Pepiuk sagte zu, dies beim Landratsamt vorzuschlagen. Ferner informierte sie über den Abschluss der Sanierungsarbeiten an dem von einem Rohrbruch betroffenen Westflügel des Meierhofes. Der Seminarraum stehe nun wieder für standesamtliche Trauungen zur Verfügung, und auch die zwei Wohnräume der Jugendbetreuungseinrichtungen seien wieder bezugsfertig.

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„Von Ihrer Arbeit haben unsere Gemeinde und die Region profitiert. Sie waren ein Unternehmer vom alten Schlag, dessen Wort etwas galt.“

Dieter Klein während seiner Amtszeit als Bürgermeister über Helmuth Schaak

 

 

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