22.09.2021 - 16:08 Uhr
TrabitzOberpfalz

Katholischer Frauenbund Burkhardsreuth entgeht drohender Auflösung

Es geht weiter: Dies ist die wichtigste Botschaft aus der Hauptversammlung des Katholischen Frauenbunds Burkhardsreuth. Anders als die Eschenbacherinnen ist der Zweigverein dem Schicksal der Auflösung erst einmal entronnen.

"Der Frauenbund, das seid ihr": Mit unkonventionellen Methoden kämpft Pfarrer Edmund Prechtl in der Jahreshauptversammlung gegen eine drohende Auflösung des Burkhardsreuther Katholischen Frauenbunds – er hält den Mitgliedern den Spiegel vor.
von Bernhard PiegsaProfil

Nachdem 2019 Maria Anzer, die Sprecherin des Leitungsteams, zurückgetreten war, hatten die Mitglieder des Katholischen Frauenbunds bereits bei der Hauptversammlung im Januar 2020 entschieden, es bis zu den turnusmäßigen Neuwahlen im folgenden Jahr bei einem Rumpfvorstand unter Leitung von Schriftführerin Christa Schramm und Kassierin Margit Buchfelder zu belassen. Der Diözesanvorstand des Frauenbunds hatte dagegen nichts einzuwenden.

Doch nun drohte die heuer fällige Neubildung des Vorstand zu scheitern: Weder für den Posten der Vorsitzenden noch für das Amt der Schriftführerin, das bisher Christa Schramm bekleidet hatte, war es gelungen, Kandidatinnen namhaft zu machen.

Stellvertretende Frauenbund-Bezirksvorsitzende Rita König nahm dies bei der Hauptversammlung in der Trabitzer „Alten Säge“ mit Bestürzung zur Kenntnis: „In den 50 Jahren seit Gründung eures Zweigverbands gab es Höhen und Tiefen, und jedesmal haben sich Frauen gefunden, die ihn weitergeführt haben. Es wäre schade, wenn er nun aufgelöst werden müsste.“ Die Gruppe habe das Gemeindeleben unschätzbar bereichert: „Wer soll das leisten, wenn ihr es nicht tut?“

Ein Jahr kommissarisch im Amt

Auch Bürgermeisterin Carmen Pepiuk appellierte: „Gebt euch einen Ruck und macht weiter – diese aktive Gruppe hat es verdient.“ Pfarrer Edmund Prechtl verwies darauf, dass der Pressather Frauenbund vor einigen Jahren in einer ähnlichen Situation gesteckt und diese überwunden habe. In den Seelsorgeeinheiten, die bei einer weiteren Pfarrreform wohl noch vergrößert würden, seien die „Gemeinschaften vor Ort“ wichtiger denn je, denn sie spornten die Pfarrangehörigen zur Mitgestaltung des kirchlichen Lebens an und hielten so das Bewusstsein lebendig: „Kirche – das ist unsere Sache.“

Um den Mitgliedern dies buchstäblich vor Augen zu halten, ging der Geistliche mit einem Handspiegel, in den er jede Versammlungsteilnehmerin blicken ließ, durch die Reihen: „Dieser Spiegel und das, was ihr darin seht – das ist der Frauenbund Burkhardsreuth. Es ist an euch, ihn nicht für tot zu erklären, sondern mit Leben zu erfüllen.“ Ein Fortbestand der Gruppe sei auch in seinem Interesse, fügte er schmunzelnd hinzu: „Ein ‚armer Hund‘ will ich schließlich nicht sein – deshalb reißt euch zusammen und steht eure Frau.“

Den Knoten hieb schließlich Bürgermeisterin Carmen Pepiuk durch, indem sie das Amt der Schriftführerin für eine einjährige „Brückenzeit“ übernahm: „Diese Zeit wollen wir gemeinsam nutzen, um uns um neue Mitglieder zu bemühen.“ Für ein kommissarisches Amtsjahr traten auch Schatzmeisterin Margit Buchfelder sowie die Beisitzerinnen Andrea Schwemmer, Waltraud Judas, Veronika Hösl und Christine Majer nochmals an. Sie werden als verkleinerter Vorstand nun die Vereinsgeschicke bestimmen.

50 Jahre Frauenbund-Geschichte

Was es mit dem von Pfarrer Prechtl scherzhaft „befürchteten“ Schicksal eines „armen Hunds“ auf sich hatte, klärte Chronistin Christa Heim in einer gereimten Rückschau auf 50 Jahre Burkhardsreuther Frauenbund-Geschichte auf: Mit dem Bonmot „Ein Pfarrer ist ein armer Hund, wenn er hat keinen Frauenbund” soll der Burkhardsreuther Pfarrer Josef Wiesmet vor gut 50 Jahren auf die Gründung einer Frauenbundgruppe in seiner Pfarrei gedrängt haben. Im Dezember 1970 hätten 80 Frauen diesen Schritt vollzogen, wenige Wochen später seien es bereits 130 gewesen.

Viel habe der Katholische Frauenbund Burkhardsreuth in seiner 50-jährigen Geschichte „auf die Beine gestellt“, blickte Vereinschronistin Christa Heim zurück: „Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.” Aber auch „schwere Zeiten” habe man durchlebt. Von 1989 bis 1996 habe der Verein schon einmal seine Vorsitzenden-Ämter nicht besetzen können. Doch habe er diese „unglücklichen Jahre“ dank der Solidarität der Mitglieder bewältigt.

Das pandemiebedingt stark zurückgefahrene Vereinsleben seit Januar 2020 fasste Schriftführerin Christa Schramm zusammen. Zurzeit gehörten dem Zweigverein 96 Mitglieder an. Im Namen des Leitungskreises dankte Christa Schramm der Chronistin Christa Heim für 45 Jahre kreativer und „nervenstarker“ Mitarbeit in vielen Ämtern. Geehrt wurden außerdem 19 langjährige Vereinsangehörige, darunter 13 Gründungsmitglieder.

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