01.07.2021 - 13:18 Uhr
TrabitzOberpfalz

"Neue Energien West" und "Bürgerenergie" übernehmen Biomassekraftwerk Blankenmühle

Grüne Kraft voraus unter neuer Flagge: Das Biomassekraftwerk Blankenmühle zählt jetzt zu den Anlagen der nordoberpfälzischen Partner-Energiegenossenschaften „Neue Energien West“ (NEW) und „Bürgerenergie“.

Als Modellprojekt lobte Bundestagsabgeordneter Albert Rupprecht (Zweiter von rechts) bei einem Besuch mit Bürgermeisterin Carmen Pepiuk (rechts) das Blankenmühler Biomassekraftwerk. Mit dabei waren: (von links) NEW-Geschäftsführer Bernhard Schmidt, NEW-Vorstandsvorsitzender Helmuth Wächter sowie die „Bürgerenergie“-Co-Vorsitzenden Udo Greim und Johann Mayer.
von Bernhard PiegsaProfil

Der bisherige ortsansässige Betreiber STS übergab das Biomassekraftwerk Blankenmühle an die neu gegründete „Energiehof Blankenmühle GmbH & Co. KG“, die den beiden Genossenschaften, „Neue Energien West“ (NEW) und „Bürgerenergie“ je zur Hälfte gehört.

Damit arbeiten die Nahwärmeversorgung für Trabitz und das Biomassekraftwerk, das sie mit Heizenergie versorgt, nun Hand in Hand unter dem Dach des regionalen Energiegenossenschafts-Duos. „Vor genau einem Jahr, im Juni 2020, begannen die Verhandlungen mit STS“, blickte NEW-Vorstandsvorsitzender Helmuth Wächter bei einem Ortstermin mit Bürgermeisterin Carmen Pepiuk zurück.

Nach intensiven Unterredungen und einer Bewertung der Anlage durch eine Mitterteicher Beraterfirma wurde der Notarvertrag am 5. Februar unterschrieben. Im März ließen sich die Vorstandsmitglieder von NEW und „Bürgerenergie“ in die Anlage einweisen, zum 1. April vollzog sich der juristische „Stabwechsel“.

Mitarbeiter werden übernommen

„Die beiden Kraftwerksmitarbeiter wurden übernommen und obendrein zwei weitere 450-Euro-Arbeitsplätze geschaffen“, informierte Wächter. Die Zukunft des Kraftwerks sei gesichert: „Für die Biomassebelieferung wurden langfristige Lieferverträge mit Landwirten aus der Umgebung abgeschlossen, der im Blockheizkraftwerk erzeugte Strom wird in das Bayernwerk-Netz eingespeist, und die bei der Stromerzeugung entstehende Abwärme beheizt zurzeit 70 an das Nahwärmenetz angeschlossene Anwesen, wodurch pro Jahr etwa 384 000 Liter Heizöl eingespart werden.“ Auf längere Sicht rechne man damit, die in Trabitz gesammelte Erfahrung in weitere Projekte einbringen zu können.

Pepiuk: „Keine Beschwerden“

Von guten Erfahrungen mit dem Nahwärmeprojekt berichtete Bürgermeisterin Pepiuk: „Es kamen keinerlei Beschwerden – die Wärmeversorgung klappte auch im zurückliegenden zeitweilig eisigen Winter störungsfrei.“ Die anfängliche Skepsis der Bürger sei verflogen, und auch andere Ortschaften zeigten sich interessiert an einem Anschluss an das Wärmenetz. Den weiteren Planungen sehe sie mit Spannung entgegen: „Vieles ist möglich, und wir sind für alles offen – vielleicht werden wir noch zur energieautarken Gemeinde.“

Auf eine weiterhin erfolgreiche Entwicklung hoffte auch „Bürgerenergie“-Vorstandsmitglied Udo Greim: „Statistisch stehen wir momentan an der Spitze der bayerischen Energiegenossenschaften und wollen das Ziel einer energieautarken Region, das wir vor elf Jahren in den Blick genommen haben, weiter verfolgen.“

NEW-Geschäftsführer Bernhard Schmidt merkte noch an, dass ein regionaler Energieerzeuger den Einwohnern und insbesondere den Schülern auf „kurzem Weg“ nahebringen könne, „woher Strom und Wärme kommen“, und worin insbesondere der Nutzen der Energieerzeugung aus regenerativen Quellen liege.

Modell für die Zukunft

Beeindruckt zeigte sich auch CSU-Bundestagsabgeordneter Albert Rupprecht bei einem Besuch des Blankenmühler „Energiehofs“, den er als „Projekt mit Modellcharakter und Zukunft“ lobte. Im Gespräch mit den Verantwortlichen und Bürgermeisterin Pepiuk wurden auch Perspektiven und Probleme der „Energiewende“ erörtert.

Sorgen bereiteten den Genossenschaftsverantwortlichen die Versuche finanzkräftiger überregionaler Anlagenbetreiber, in der Region Fuß zu fassen, was letztlich auf Kosten ortsansässiger Energieerzeuger gehe. Ferner seien eigene Planungen durch das „mit heißer Nadel gestrickte“ neue Erneuerbare-Energie-Gesetz erschwert worden. Im Entwurfsverfahren seien einige vorgesehene Regelungen, auf die man sich schon vorbereitet habe, „kurz vor knapp gekippt“ worden.

Rupprecht gab zu bedenken, dass der Gesetzgeber gerade bei diesem Gesetz viele verschiedene Interessen gegeneinander habe abwägen müssen: „Ich kann mich an kein anderes Gesetz erinnern, bei dem so viele Interessenlagen zu berücksichtigen waren – und es sollte ja im Ergebnis für alle eine jeweils größtmögliche Rechts- und Planungssicherheit gewährleistet werden.“

Bürgermeister schlägt Krach: Energiegenossenschaft NEW West schludert

Grafenwöhr
Info:

"Neue Energien West" und "Bürgerenergie"

  • 17 Städte, Märkte und Gemeinden tragen die Energiegenossenschaft „Neue Energien West“
  • Finanziell fundiert wird es von der „Bürgerenergie“-Genossenschaft mit 1643 Mitgliedern
  • 40 965 Genossenschaftsanteile entsprechen einem Eigenkapitalfundament von fast 20,5 Millionen Euro
  • Den aus verschiedenen regenerativen Ressourcen gewonnenen „Regionalstrom“ nehmen zurzeit 712 Kunden ab
  • Die „NEW-Gruppe“, zu der auch Tochterfirmen wie die „Nahwärme Trabitz GmbH & Co. KG“ oder die „Energiehof Blankenmühle GmbH & Co. KG“ zählen, unterhält zurzeit 13 Freiflächen-Photovoltaikanlagen, 20 Dachanlagen und einen Windpark
  • Der erzeugte Strom reicht aus, um 33 250 Vier-Personen-Haushalte zu versorgen
  • Im Portfolio sind außerdem das Trabitzer Nahwärmenetz sowie neun Stromladesäulen.

 

 

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