01.03.2020 - 16:42 Uhr
TrausnitzOberpfalz

Als Bürgermeister unterwegs zu Landleben 2.0

"Der bewegt was": Das sagen nicht nur die Trausnitzer über ihren Bürgermeister Martin Schwandner. Der 36-Jährige stemmt sich seit sechs Jahren gegen Trends, die der Gemeinde die Luft abschnüren. Jetzt nimmt er erneut den Kampf auf.

Der amtierende Bürgermeister Martin Schwandner tritt bei der Wahl am 15. März in Trausnitz ohne Gegenkandidat an.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Einen Gegenkandidaten hat Martin Schwandner nicht, wenn es am 15. März bei den Kommunalwahlen ums Amt des Bürgermeisters von Trausnitz geht. Seine "Gegner" sind vielmehr Hürden auf dem Weg zu einer zukunftsfähigen Kommune. "Ich will Chancen statt Schulden übergeben", sagt der 36-Jährige, der vor sechs Jahren als Newcomer für die Freie Wählergruppe angetreten ist. So aufgeräumt wie sein Büro in der Verwaltungsgemeinschaft Pfreimd ist, so strukturiert wirken seine Pläne für den Heimatort. Da ist einmal die Familienpolitik, die der Fachinformatiker nach vorne bringen will, die Weichen dafür hat er schon gestellt mit dem Landkindergarten, wo er für die Kernzeit Kostenfreiheit erwirken will. "Wenn sich Eltern für einen Bauplatz interessieren, dann fragen sie als erstes, ob es vor Ort einen Kindergarten gibt", weiß der Bürgermeister. Da kann er dann punkten. Seit September 2018 boomt die Einrichtung, 25 Kinder haben einen Platz gefunden, und die Gemeinde habe bei der Förderung auch genau den richtigen Zeitpunkt erwischt und eine 90-prozentige Förderung erreicht. Schon früh will er den Nachwuchs mit Vereinen vernetzen und beispielsweise dafür sorgen, dass jedes Kind vor Schuleintritt schwimmen kann. Bei allem Optimismus ist Schwandner vorsichtig: "Personal ist hier das A und O, und das ist dünn gesät. Da sollte man ein moderner und guter Arbeitgeber sein."

Ein weiterer Pfeiler in seiner Strategie gegen Landflucht ist bezahlbares Bauland, lieber im Ortskern als in freier Natur, "weil das wichtig ist fürs Zusammengehörigkeitsgefühl". Dabei verliert der Bürgermeister auch die ältere Generation nicht aus dem Blick. In der Kirche fällt ihm der demografische Wandel am deutlichsten ins Auge, wenn die ersten Bänke nicht mehr von Zehnjährigen, sondern von Gläubigen "Ü 90" belegt sind. "Man braucht kein Hellseher zu sein, um zu erkennen, wie wichtig ambulante Pflege und betreutes Wohnen künftig werden", gibt der 36-Jährige zu bedenken und hat schon eine Vision, wie die Gemeinde diese Entwicklung stemmen könnte: "In der Jugendherberge Jung und Alt zusammenbringen, das hätte schon was". Er setzt auf "Rückkehrer", wünscht sich Physiotherapeut, Friseur und Arzt für seinen Heimatort. "Der Trend ist da. Jetzt ist es Aufgabe der Gemeinde, auf solche Leute zuzugehen." Auf jeden Fall peilt der Kandidat der Freien Wählergemeinschaft acht bis zehn Einheiten für ambulante Pflege und betreutes Wohnen an - "das wäre ein Modell, das gebraucht wird".

Wie fast alle Bürgermeister im Landkreis will auch Schwandner das Feld "Infrastruktur" beackern. Beim Mobilfunk rechnet man zwar bis Endes des Jahres mit drei großen Anbietern, aber es sei da noch nicht alles in trockenen Tüchern. Mit einer 85-prozentigen Breitband-Erschließung will er sich nicht zufrieden geben und fordert Glasfaser für jedes Grundstück. Beim Kanal- und Trinkwassernetz ist eine Sanierung fällig, und nach der Dorferneuerung in Köttlitz steht schon Söllitz für diesen Prozess in den Startlöchern. Auch die Straßen kommen in die Jahre. "Was da als nächstes angepackt wird, muss das Gremium erarbeiten", erklärt der Bürgermeister. Heuer liegt der Schwerpunkt bei Feld- und Waldwegen.

Rückhalt für Vereine

Wichtig ist dem 2014 mit einer Mehrheit von 82,9 Prozent der Stimmen gewählten Amtsinhaber neben all den Pflichtaufgaben das Ehrenamt. Das Engagement in Vereinen sei eine aktive Bereicherung für den Ort. Es stärke nicht nur die Gemeinschaft, sondern auch die Persönlichkeit, ist der 36-Jährige überzeugt und strahlt, wenn er an den vorweihnachtlichen "Winterzauber" denkt, für den sich 2019 so viele engagiert haben wie nie zuvor. "Als Gemeinde hinter den Vereinen stehen", lautet deshalb sein Credo. Damit das alles auch transparent ist, hat er gleich zu Beginn seiner Amtszeit einen Gemeindeanzeiger herausgebracht, der seither regelmäßig über Politik, Initiativen und Termine informiert.

Bei allem Engagement weiß der Kandidat ohne Gegner aber auch um seine Grenzen. "Es dauert, bis die Mühlen anfangen zu mahlen, fünf Jahre sind da nichts", sagt er mit Blick auf Fördertöpfe, die es auszuschöpfen gilt. Und noch eins ist ihm wichtig: "Alleine kann ich gar nichts bewirken, da braucht es eine Mannschaft." Das junge Team der Verwaltungsgemeinschaft Pfreimd hat sein Vertrauen: "Eine gute Basis, um in sechs Jahren viel durchzukriegen."

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