30.06.2021 - 15:45 Uhr
TrausnitzOberpfalz

Campingplatz steht zum Verkauf: Wie geht’s weiter am Trausnitzer Stausee?

Bestes Wetter, Corona-Sperre weg – aber der Campingplatz in Trausnitz (Kreis Schwandorf) samt Gasthaus bleibt zu, steht zum Verkauf. Die Gründe erläutert Geschäftsführer Bernhard Neumann.

Das Schild stammt noch aus Lockdown-Zeiten. Die Gründe sind aber andere, dass der Trausnitzer Campingplatz immer noch geschlossen ist.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Nicht nur der Gemeinderat, auch potenzielle Gäste sind verwundert: Auch nach dem Corona-Lockdown bleiben der Trausnitzer Campingplatz und das Gasthaus Seeterrasse geschlossen. Bürgermeister Martin Schwandner überbrachte dem Rat die schlechte Nachricht. Zu weiteren Einzelheiten wollte er sich gegenüber den Oberpfalz-Medien nicht äußern. Nur so viel: Dass der Platz zum Verkauf steht, sei bekannt.

Verwunderung im Gemeinderat

Trausnitz

Auf den Seiten eines Regensburger Maklerbüros wird der Platz samt Gasthaus am Stausee – ohne die Ferienhaus-Siedlung "Fischerdorf" im westlichen Teil – als Renditeobjekt angepriesen: 19 000 Quadratmeter inklusive Gasthaus für 1,39 Millionen Euro. Parzelliert für bis zu 55 Ferienhäuser ist von einem möglichen "Bruttoertrag" von bis zu 4,1 Millionen Euro die Rede. Nur: Dafür braucht's Baurecht. Und das gibt's bisher nicht.

Sonst würde Bernhard Neumann, Geschäftsführer der Campingplatz Trausnitz GmbH, ja vielleicht auch selbst weitermachen, berichtet er im Gespräch mit den Oberpfalz-Medien, und will mit seinem Anwalt Erwin Hollmann zunächst ein Gerücht aus der Welt schaffen: Den großen Reibach habe er mit den Grundstücken im "Fischerdorf" nicht gemacht. Jedenfalls nicht so viel, dass es reichen würde, den Campingplatz und das Gasthaus auf Vordermann zu bringen und zu modernisieren. Dauercamper seien nach einer Auflage der Gemeinde nicht erwünscht, mit Tagesgästen auf dem Platz und in der Gaststätte sei das nicht zu stemmen. "Die Renovierung lässt sich aus dem Betrieb nicht finanzieren," sagt Neumann.

Weitere Ferienhäuser

Deshalb reifte schon vor und erst recht während der Pandemie eine Idee: Auch auf dem bestehenden Campingplatz, im oberen, nördlichen Teil könnten bis zu 45 Parzellen für Ferienhäuser oder "Tiny-Houses" entstehen, die verkauft oder langfristig verpachtet werden könnten. Die Nachfrage nach "festen" Übernachtungsmöglichkeiten wie den kleinen Häuschen sei enorm, meinte Neumann. Auf diesem finanziellen Grundstock ließen sich die weiteren Ideen verwirklichen: Ein Saunagebäude, Anbauten für neue, moderne Sanitäranlagen, die Renovierung der Gaststätte. Rund 40 Prozent des bestehenden Platzes würden dann für klassisches Camping bleiben, sagte der 53-Jährige Geschäftsführer. Das würde auch der Nachfrage an "Durchfahrtscampern" entsprechen, so Neumann. So modern aufgestellt, lasse sich der Platz weiterführen, meint der Geschäftsführer. Sogar Gespräche mit der Regierung habe es schon gegeben, um Zuschussmöglichkeiten abzuklopfen. Mit dem bisherigen Angebot jedenfalls lasse sich nicht wirtschaftlich arbeiten.

Für seine Pläne ist Neumann auf das Wohlwollen der Gemeinde angewiesen - und das Verhältnis ist nicht ungetrübt. Jahrelang beschäftigte das "Fischerdorf" immer wieder den Gemeinderat, wurden Bedingungen gestellt, Änderungen beraten. Auch einige Verpflichtungen liegen auf dem Platz, etwa den Zugang zu See betreffend. Die zurückliegenden Diskussionen im Gremium zugrunde gelegt, ist nicht davon auszugehen, dass Neumanns Konzept mit kopfnickender Begeisterung sofort Zustimmung finden würde.

Gemeinsame Lösung suchen

Gespräche laufen, und auch die Gemeinde unterstütze bei der Suche nach einem Investor. Allerdings, davon sind Neumann und sein Anwalt überzeugt: Auch ein potenzieller Käufer will mit dem Platz in traumhafter Lage Geld verdienen. Dazu sind Investitionen nötig, die refinanziert werden wollen. "Wir wollen eine gemeinsame, einvernehmliche Lösung", betonte Bernhard Neumann. Aber unter den momentanen Voraussetzungen lasse sich der Betrieb, die Pflege des Grundstücks und das – trotz allen eigenen Einsatzes – notwendige Personal nicht finanzieren. Deshalb habe er beschlossen, den Platz vorerst still zu legen. "Es tut mir leid, auch für die Gemeinde", betont Neumann. Den Gesprächsfaden zur Gemeinde will er nicht abreißen lassen. "Auf jeden Fall muss eine Veränderung her. Sonst kann's nicht weitergehen," sagt Neumann.

Ferienhäuser im Fischerdorf gefragt

Trausnitz

"Die Renovierung lässt sich aus dem Betrieb nicht finanzieren."

Bernhard Neumann, Geschäftsführer der Campingplatz Trausnitz GmbH.

Bernhard Neumann, Geschäftsführer der Campingplatz Trausnitz GmbH.

Das Gasthaus Seeterrasse am Campingplatz ist ebenfalls geschlossen.
Hintergrund:

Campingplatz Trausnitz

  • Mitte der 1980er Jahre: Firma Tausenpfund kauft Grundstück am Stausee. Der Campingplatz wird ausgebaut.
  • 2010: Campingplatz Trausnitz GmbH plant 42 Ferienhäuser im westlichen Teil. Bebauungsplanverfahren "Fischerdorf" läuft an.
  • 2014: Bernhard Neumann pachtet den Platz.
  • 2015: Neumann kauft das Gelände, inklusive der Gaststätte "Seeterrasse" und dem "Fischerdorf"
  • ab 2016: Erste Grundstücke im Westteil werden verkauft und bebaut.
  • 2018: Neumann plant als Geschäftsführer der Campingplatz Trausnitz GmbH auch im Ostteil Ferienhäuser, Sauna, Schwimmbad, Kinderbecken.
  • 2019: 23 Grundstücke sind verkauft, 18 noch übrig.
  • 2020: Bebauungsplan "Fischerdorf" soll geändert werden. Campingplatz wegen Corona zu.
  • 2021: Areal steht zum Verkauf. Campingplatz bleibt vorerst geschlossen.

 

 

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