09.04.2021 - 19:30 Uhr
TrausnitzOberpfalz

Die Grundschulen im Dorf lassen: Schwandorfer Landrat und Bürgermeister schreiben an Kultusminister Piazolo

Landrat Thomas Ebeling und zwölf Bürgermeister aus dem nördlichen Landkreis fordern in einem Brandbrief an Kultusminister Michael Piazolo eine nachhaltige Sicherung der kleinen Landschulen. Corona kommt ihnen argumentativ zu Hilfe.

Die Gemeinde Trausnitz ist stolz auf die Grundschule und sorgt für eine gute Ausstattung. Das Damoklesschwert der Schließung schwebt seit Jahren über der kleinen Landschule.
von Irma Held Kontakt Profil

Trausnitz gilt als trauriges Beispiel. Die Schule ist Jahr für Jahr von der Schließung bedroht. Doch auch andere kleinere Standorte kämpfen ums Überleben, denn die Lehrerstunden werden nach der Zahl der Schüler berechnet. Zwölf Bürgermeister, unterstützt von Landrat Thomas Ebeling, der sich in einem Brief an Kultusminister Michael Piazolo gewandt hat, fordern eine bessere personelle Versorgung dieser Grundschulen. "Ein flächendeckendes Schulangebot gerade im ländlichen Raum ist Herzstück des bayerisches Weges", heißt in dem Positionspapier, das sich auf die Bestandsgarantie des Freistaates für wohnortnahe Schulen beruft.

Die Unterzeichner führen eine Schule am Ort neben der Kinderbetreuung im Allgemeinen als entscheidenden Standortfaktor bei jungen Familien an. Sie verweisen auch darauf, dass die Geburtenzahlen im ländlichen Raum wieder ansteigen. Landrat und Bürgermeister spielt nicht zuletzt die Corona-Pandemie in die Karten und macht den Vorteil kleiner Grundschulen deutlich: "Ansteckungen im überfüllten ÖPNV oder Klassenräumen können erst gar nicht auftreten."

Wieder auf der Kippe

Bürgermeister, allen voran den Trausnitzer Rathauschef Martin Schwandner, treibt die Zukunft der kleinen Grundschulen seit längerem um. Zum nächsten Schuljahr habe er noch keine Informationen, sagt Schwandner. Aber einige Schulen stünden wieder auf der Kippe. Die Lehrerzuteilung reiche nicht für eine qualitative Versorgung und so hätten kleine Schulen das Nachsehen. "Wer A sagt Muss auch B sagen und sich für den ländlichen Raum einsetzen." Damit spielt Martin Schwandner auf die Bestandsgarantie für wohnortnahe Grundschulen an. Es müssten in der Folge für wenig Schüler mehr Lehrer bereit stehen. Die Zahl der Schüler wird sich nach Ansicht Schwanders nach den geburtenschwachen Jahrgängen wieder stabilisieren. Die neuesten Zahlen ließen darauf hoffen. Martin Schwandner erwartet sich einiges davon, dass Kultusstaatsekretärin Anna Stolz, wie im vorigen Jahr versprochen, im Sommer in den Landkreis kommt und sich der kleinen Schulen annimmt.

"Akt der Solidarität"

Dauersorgen um Trausnitzer Schule

Trausnitz

Auf nicht ganz so wackligen, aber dennoch unsicheren Füßen steht die Grundschule Guteneck. 24 Kinder in vier Jahrgängen zählt sie nach den Worten von Bürgermeister Hans Wilhelm. "Wenn Trausnitz weg ist, werden wir bald folgen", befürchtet er. Obwohl steigende Schülerzahlen in Aussicht stehen, 2020 elf Geburten in der Gemeinde gezählt wurden und Bauplätze begehrt sind, bleibt er skeptisch: "Ist die Schule zu, hilft uns auch eine Steigerung nichts." Aus Nabburg, zu dessen Schulverband Guteneck gehört, fühlt sich Hans Wilhelm "gut versorgt". Mit 80 Schülern und einem erwarteten kleinen Plus stehen die Grundschule Teunz und Bürgermeister Norbert Eckl vergleichsweise gut da. Er sieht in seiner Unterstützung einen "Akt der Solidarität mit den Amtskollegen".

Ob es Schulschließungen, Klassenverlagerungen oder weitere Kombiklassen geben wird, dazu kann das Schulamt Schwandorf zum jetzigen Zeitpunkt keine Auskunft geben. Wie Schulamtsleiter Johann Hilburger auf Anfrage von Oberpfalz-Medien mitteilt, befinde man sich erst in der Anfangsphase der Planungen für das Schuljahr 2021/22. Auf eine weitere Unwägbarkeit weist der Sprecher des Landratsamtes Hans Prechtl in der Mitteilung zum Schreiben an den Kultusminister hin, wenn in der Pandemiezeit mehr Eltern als sonst ihre Kinder ein Jahr später einschulen wollen.

Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder unterstützt den Vorstoß von Landrat und Bürgermeistern. Sie - vor ihrem Wechsel in den Bundestag bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Landtag - erinnert an den früheren Standard, "dass in Bayern kleine Schulen für Klassen mit einer Stärke von mindestens 13 Schülerinnen und Schüler eine Lehrerstelle zugewiesen bekamen. " Aus Spargründen sei dies abgeschafft worden. Es brauche mehr Lehrkräfte, großzügigere Stundenkontingente und letztlich mehr Geld. Genau das wollen Landrat Thomas Ebeling und die zwölf Bürgermeister mit ihrem Brief auch bezwecken.

"Die Lehrerzuteilung reicht nicht für eine qualitative Versorgung und so haben kleine Schulen das Nachsehen."

Martin Schwandner, Bürgermeister von Trausnitz

Martin Schwandner, Bürgermeister von Trausnitz

"Wenn Trausnitz weg ist, werden wir bald folgen."

Hans Wilhelm, Bürgermeister von Guteneck, zum Fortbestand der Grundschule

Hans Wilhelm, Bürgermeister von Guteneck, zum Fortbestand der Grundschule

Hintergrund:

Das Positionspapier

  • Die Unterzeichner: Landrat Thomas Ebeling, die Bürgermeister Markus Schiesl (Altendorf), Josef Pretzl (Gleiritsch), Johann Wilhelm (Guteneck), Anita Forster (Dieterskirchen), Markus Dauch (Neukirchen-Balbini), Martin Prey (Niedermurach), Reinhard Kreuzer (Schönsee), Johann Prechtl (Stulln), Max Beer (Schwarzhofen), Norbert Eckl (Teunz), Martin Schwandner (Trausnitz) und Sonja Meier (Winklarn).
  • Ziel 1: Das Kultusministerium solle ein festes Budget an Lehrerstunden, das heißt eine Planstelle pro Klasse für kleine Schulstandorte anordnen. Schulämter sollen entsprechend ausgestattet werden.
  • Ziel 2: Das Kultusministerium solle anordnen, dass die Schulleitung (ab 35 Schüler pro Standort) oder bis 35 Schüler pro Standort die stellvertretende Schulleitung an der jeweiligen Grundschule vor Ort installiert wird, um direkt auf die Entwicklung und Konzeption einzuwirken.

 

 

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