Klein, aber fein: Das „Doktor Eisenbarth- und Stadtmuseum Oberviechtach“ hat es schon zweimal in den Kalender „Museen“ der Bayerischen Staatsregierung geschafft. Museumsleiter Wilfried Neuber zeigt die beiden Kalenderseiten stolz her und weiß auch, woher die Ehre kommt: „Unsere Alleinstellungsmerkmale sind Gold und Doktor Eisenbarth.“
Der 71-jährige Altbürgermeister weiß, wovon er spricht: Während seiner Amtszeit hat er das Museum mit aufgebaut, das auch heute noch der Stadt gehört und vom Museumsverein Oberviechtach e.V. geführt wird. Schon seit 1966 gibt es ein Stadtmuseum in der ehemaligen Kreisstadt. Doch das wurde zu klein. Im Jahr 2002 kaufte die Stadt deshalb die ehemalige Stadtmühle und baute sie bis 2006 zum Museum um.
Der Schwerpunkt liegt zweifellos auf dem berühmten Doktor Eisenbarth, der oft als Witzfigur eines „Quacksalbers“ herhalten musste. In seiner Geburtsstadt Oberviechtach, wo er im Jahr 1663 auf die Welt kam, weiß man das freilich besser. Wilfried Neuber erklärt, wer eigentlich hinter dieser Figur steckt, die hier auch alljährlich mit Festspielen geehrt wird. „Im Jahr 1163 wurde von der Kirche die Ausübung der Chirurgie verboten.“ Nur in den großen Städten und an den Fürstenhöfen gab es „Physiki“ oder „Hofärzte“.
Die Bevölkerung auf dem Land wurde dagegen von handwerklich ausgebildeten Badern, Barbieren und anderen mehr oder weniger erfolgreich behandelt. Für ernsthafte Erkrankungen gab es „fahrende Landärzte“, die immerhin eine Prüfung durch die Hofärzte oder Stadtmedici und eine Arbeitserlaubnis der jeweiligen Landesherren haben mussten. Jener Johann Andreas Eisenbarth gehörte wohl zu jener Gruppe. Mehr noch: Der gelernte „Okulist, Bruch- und Steinschneider“ machte sich einen Namen als Erfinder chirurgischer Apparate und Pharmazeut.
In seinem Anwesen „Zum Güldenen Apfel“ in Magdeburg mischte er ab 1704 seine Medikamente selbst zusammen, die er „Theriak“ oder „Balsamus vitae“ nannte. Professor Dr. med. Lorenz Heister, der Begründer der wissenschaftlichen Chirurgie, schilderte in seinen Büchern erfolgreiche Operationen des Doktor Eisenbarth, bei denen er im Jahr 1700 in Frankfurt „Hoden- und Wasserbruch sowie Kropf und Star“ behandelt haben soll. Doktor Eisenbarth starb im Jahr 1727 in Hannoversch Münden.
Das zweite Hauptthema des Museums ist das Gold, das man einst in den Bächen rund um die Stadt fand, die ursprünglich nur „Viechtach“ hieß. Das Gold war in Vergessenheit geraten, bis zwischen 1983 und 1995 Bodenuntersuchungen in der Gegend gemacht wurden, bei denen gezielt nach Gold gesucht wurde. Zwar erwiesen sich die Vorkommen nicht als abbauwürdig, doch sie veranlassten die Historiker, in der Vergangenheit zu schürfen. Und sie fanden heraus, dass es schon im Jahr 1328 einen Goldbergbau „am Gütting“ gegeben hatte, der sich bis 1768 hinzog. Das Gold fand man hier in sekundärer Lagerstätte, also herausgeschwemmt aus dem Gebirge rundherum in den Bächen, wo man es mit Schüsseln aus den Bächen heraus wusch. Das können Interessierte heute noch bei Goldwanderungen rund um Oberviechtach nachvollziehen.
Auch sonst finden regelmäßig Veranstaltungen statt (www.eisenbarthmuseum.de). Geöffnet hat das Museum von Mai bis Oktober dienstags und donnerstags von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr. Gruppen haben ganzjährig nach Vereinbarung Zugang (Telefon 09671/646611 und 30716). (moh)

















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