05.09.2019 - 09:58 Uhr
Oberpfalz

Unvergesslicher Geruch des Kartoffelfeuers

Erinnerungen von Josef Schmaußer ans "Erdöpflklaubn" und "Erdäpflgroom", die ersten "Zigaretten" und Kartoffeln als Wärmespender in Fäustlingen.

Die Wirtsfamilie Kleindienst (heute Donhauser) aus Haag um 1932 beim „Erdöpflgroom“ auf der „Köferinger Hoi“ (Heide), in der Nähe des Haager Viadukts.
von Josef SchmaußerProfil

Das Erdäpflklauben im Herbst war eine Gemeinschaftsaufgabe. Auch nahe und entfernte Verwandte wurden in die Arbeit eingebunden. Bis 1964 hatte unsere Familie noch keinen Bulldog und dadurch natürlich auch keinen Kartoffelroder. Die Milchkühe kamen als Zugtiere zum Einsatz. Vater ackerte mit dem Wendepflug ein Kartoffelbeet nach dem anderen um, meistens vier Beete auf einmal, so dass die Erdäpfel nach oben zu liegen kamen. Mit dem Erdäpfelkreil wurden dann von einem anderen Familienmitglied die Knollen vorsichtig freigelegt.

Schon beim Klauben wurden die Kartoffel in "Qualitätsklassen" sortiert. Als Saatkartoffeln für das nächste Jahr sortierte man gleich die mittelgroßen Erdöpfl aus. Die großen und unbeschädigten wurden in ein "Kretzl" geklaubt und dann in einen Sack geleert. Die beschädigten Kartoffeln und die "Bowerln" (kleine bis kleinste Erdäpfel) sammelten wir in extra Säcke. Sie kamen als Schweinefutter in den Dämpfer.

Die Stimmung in der milden Septembersonne war immer locker und angenehm. Unvergesslich ist der Geruch des Kartoffelfeuers, wenn wir das "Erdöpfl-kreiderer" anzünden und uns in der Glut Kartoffel braten durften. Vater band die vollen Säcke zu. Zum Aufladen gaben sich zwei kräftige Leute die Hand, legten einen Sack darüber und beförderten diesen mit einem kräftigen "Horuck" auf den Wagen. Daheim ließ man die Kartoffeln über eine Holzrinne in den Einwurfschacht des Kellers unter der Küche rollen.

Beim Ernten war man sehr sparsam und ließ nichts auf dem Acker, was nicht unbedingt sein musste. So ging es bald nach dem Erdäpfelklauben ans Aufackern. Ein oder zwei Kinder folgten der Spur und "klaubten nach". Selbst nach dem Ackern war noch nicht Schluss. Nun zog Vater auch noch mit der Egge übers Feld und wir mussten nochmals "Nachklauben". Auch wenn dabei nur ein oder eineinhalb Säcke zusammenkamen, war das auch noch eine Ausbeute, die man zumindest als Schweinefutter brauchen konnte.

Mehrere ältere Leute erzählten mir, dass sie als Kinder oft einen weiten Schulweg hatten. Einer meiner Tanten, sie stammte aus der Filiale Erlheim, wurden im Winter von der Mutter je eine heiße Kartoffel in die Fäustlinge gesteckt. Sie wärmten auf dem langen Schulweg. In der Pause dienten die Erdäpfel als "Pausenbrot".

Dreieinhalb Jahre meiner Schulzeit verbrachte ich im Internat der Steyler Missionare, St. Peter, in Tirschenreuth. Eine wirtschaftliche Grundlage der Klosterschule war die große "Ökonomie". Fast zwei Wochen waren fast 120 Zöglinge nachmittags mit Kartoffelklauben beschäftigt. Die Patres erlaubten in dieser Zeit, dass wir Buben am Kartoffelfeuer rauchen durften. Fast jeder schnitzte sich eine Pfeife und versuchte zu paffen. Wir Kleinen verwendeten trockene Kastanienblätter, die älteren waren frecher und mischten schon mal echten Tabak darunter. Das Brennen des Rauches von Kastanienblättern auf der Zunge werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Rauchen war für mich seit dieser Zeit nie etwas, was mich wirklich reizen konnte. Nach der Kartoffelernte war die Rauch-Erlaubnis wieder vorbei. Eigenartigerweise hielten sich fast 100 Prozent der Internatsschüler dann wieder an das "Rauchverbot". Ein "gebranntes Kind" meidet eben "das Feuer".

Dialekt:

Erdbirn“ oder „Erdäpfel“?

Durch die Gemeinde Ursensollen verläuft schon ganz sachte eine Sprachgrenze. In Hohenkemnath geht man in den „Goatn“ (Garten), auf Fest muss man „woatn“ und abends geht man manchmal zum „Koatn“. Aber schon in Ursen-sollen, dann erst recht weiter über Ehringsfeld, Wolfsfeld und Dettnach mischen sich fränkische Laute in den Dialekt. Dann hört man „Gatn“, „watn“ und „Katn“. (schß)

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