31.07.2020 - 16:36 Uhr
UrsensollenOberpfalz

Feuerwehrarbeit: Wenn Lebensretter im Schatten stehen

Mehr als eine Woche ist der Brand auf einem Hof in Ullersberg her. Die Ursensollener Feuerwehr beschäftigt er noch immer. Nicht nur, weil die 800 Strohballen immer wieder glimmen – auch in den Köpfen der Helfer hält sich die Erinnerung.

Vergangene Woche brannte eine landwirtschaftliche Lagerhalle in Ullersberg bei Ursensollen vollständig aus. Doch dank der perfekten Zusammenarbeit aller Einsatzkräfte kamen weder Menschen noch Tiere zu Schaden.
von Miriam Wittich Kontakt Profil

Es war kein alltäglicher Einsatz für die Feuerwehr Ursensollen: Am Mittwochabend, 22. Juli, brannte auf einem landwirtschaftlichen Anwesen im Ortsteil Ullersberg eine große Halle mit landwirtschaftlichen Maschinen, Heu und Stroh. Direkt daneben: ein Kuhstall mit 800 Tieren.

Eine gute Woche später beschäftigt die Feuerwehrleute dieser Brand noch immer. Kreisbrandmeister Alexander Graf ist stellvertretender Vorsitzender der Ursensollener Wehr, er war der Einsatzleiter in Ullersberg. Gemeinsam mit dem stellvertretenden Kommandant Bernhard Graml will er den Blick darauf lenken, was die freiwilligen Helfer auf dem Hof geleistet haben - und was sie das ganze Jahr über leisten. Im Großen wie im Kleinen.

Aktive opfern Freizeit bei Einsätzen

Das "freiwillig" ist den Verantwortlichen in diesen Tagen wichtig zu betonen. "Wir machen die Erfahrung, dass gar nicht mehr alle Leute wissen, dass wir hier keine Berufsfeuerwehr haben", sagt Graml. Nicht jedem sei bewusst, dass die Feuerwehraktiven ihre Freizeit opfern für Einsätze und Übungen.

In Ullersberg erkannten sie schnell: Die Halle ist nicht mehr zu retten, aber der Stall und das Wohnhaus. Die Feuerwehrleute stellten sich zwischen das brennende Gebäude und den Stall und bauten einen Brandriegel auf. "Dazu gehört Mut", sagt Graml. "Und eine gute Ausbildung ist Voraussetzung."

Jeder Handgriff müsse sitzen, doch jeder Einsatz ist eben auch anders. Wenn man bei einem Brand ankommt, braucht man erst mal "einen Moment, um sich zu fassen und zu orientieren", erzählt Graf. Schließlich käme auch jeder Helfer aus einer anderen Situation. "Der eine war vielleicht beim gemütlichen Grillabend mit Freunden, der andere in der Nachtschicht und wieder einer hat schon geschlafen." Da käme es auch zu kuriosen Szenen. Wilde Haare, Rasierschaum im Gesicht. "Wir haben in den vergangenen Jahren schon die unterschiedlichste Pyjama-Mode gesehen", sagt Graml und lacht. "Ein bisschen Gaudi gehört dazu", pflichtet Graf bei. Aber beim Einsatz müsse der Schalter umgelegt werden.

"Wir versuchen, uns auf jedes Szenario vorzubereiten", schildert Graf. "Aber das ,Spiel' wird uns letztlich aufgedrängt. Und das oft im ungünstigsten Moment." Da werde auch mal die Fahrt in den Urlaub um einen Tag verschoben. Für Feuerwehreinsätze gebe es eben keinen festen Terminplan.

"Irgendwann Kräfte am Ende"

In Ullersberg waren die Feuerwehrleute von Mittwoch, 23 Uhr, bis Freitag, 13 Uhr, ununterbrochen vor Ort. Hinzu kam in dieser Zeit eine Fahrbahnreinigung und am Freitagmittag direkt im Anschluss ein Flächenbrand. "Irgendwann sind die Kräfte am Ende, die Leute müssen auch mal schlafen", sagt Graf. Die Gemeindewehren übernahmen die Wache in der zweiten Nacht. "Das war einfach eine super Zusammenarbeit", freut sich der Einsatzleiter. Verblüfft ist er noch immer über die Hilfe benachbarter Bauern, die 1200 Kubikliter Wasser in Güllefässern brachten. "Die musste man nicht organisieren, die waren einfach da."

Großes Lob haben Graf und Graml nicht nur für alle aktiven Helfer übrig, sondern auch für die verständnisvollen Arbeitgeber und die Gemeinde, die finanziell unterstützt. "Wenn es um's Geld geht, sind natürlich viele Leute kritisch", weiß Graml. Doch die moderne Ausrüstung sei wichtig und die Einsätze würden immer mehr. Nicht jeder errege so viel Aufsehen wie der in Ullersberg. Doch ausrücken müsse die Wehr fast jede Woche, zu Bränden oder Unfällen - zum Beispiel auf der Autobahn. "Da muss man personell standhalten, das ist eine große Herausforderung", sagt Graf. Deshalb sei die Jugendarbeit elementar.

Schnell am Einsatzort

"Es macht uns stolz, wenn alles so gut klappt wie in Ullersberg", sagt Graf. Das sei nicht immer so. Nach einem Einsatz wisse man auch mal etwas besser. "Aber lieber hinfahren und Fehler machen, als gleich daheim bleiben." Manchmal brauche es auch eine Portion Glück, wie eine günstige Windrichtung.

Mit allen Herausforderungen, mit denen eine freiwillige Wehr zu kämpfen habe, kämen auch Vorteile. "Wir sind flächenmäßig gut verteilt und daher schnell am Einsatzort. Und unsere Aktiven kommen aus unterschiedlichen Berufen. Das kann helfen." Zum Beispiel hätten die Landwirte unter den Feuerwehrleuten in Ullersberg genau gewusst, wie mit den verängstigten Rindern umzugehen ist.

Auch in den Tagen nach dem Brand sind die Floriansjünger hier noch gefordert. 800 Strohballen, die in der Halle gelagert waren und nach dem Brand auf einer Wiese verteilt wurden, beginnen immer wieder zu glimmen. Zeit und Arbeit, die von der Öffentlichkeit nicht immer wahrgenommen werde. "So ein Einsatz wirkt nach", sagt Graml. "Im Kopf sowieso." Aber auch Berichte müssten verfasst werden "und wenn es nur die Klamotten sind, die daheim noch nach Rauch stinken".

Mehr zum Brand in Ullersberg bei Ursensollen

Ullersberg bei Ursensollen
Bernhard Graml, stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Ursensollen und Zugführer (links), und Kreisbrandmeister Alexander Graf, stellvertretender Vorsitzender der Ursensollener Wehr, mit der Pumpe an ihrem HLF 20. Die musste beim Brand in Ullersberg "harte Arbeit" leisten. Ebenso wie die Feuerwehrleute selbst.
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