23.04.2019 - 16:12 Uhr
UrsensollenOberpfalz

Von Jura-Quellen und Hüllhejta

Wasser, das Lebensmittel Nummer eins, war Hauptthema beim letzten heimatkundlichen Stammtisch der Gemeine Ursensollen in Heinzhof. Viele Teilnehmer erinnerten sich noch an den extrem trockenen Sommer des Jahres 1947.

Der Kemnathöder Weiher wurde im November ausgebaggert, von Unrat befreit und wieder in seinen natürlichen Zustand versetzt. Nun kann sich der Weiher wieder von selbst renaturieren.
von Josef SchmaußerProfil

Wasser, das Lebensmittel Nummer eins, war Hauptthema beim letzten heimatkundlichen Stammtisch der Gemeine Ursensollen in Heinzhof. Manfred Schmidt, seit Beginn dieser Treffen engagiert im Führungsteam dabei, leitete diesmal den Abend der Heimatfreunde. Die Organisatoren freuten sich besonders, dass die 24 Gäste aus vielen Orten der Umgebung angereist waren. Gerade die Wasserknappheit spielte bis zur Verwirklichung der Wasserversorgung durch die Hohenkemnather Gruppe ab 1951 ein prägendes Thema auf den Jurahöhen um Hohenkemnath und Ursensollen.

Ein Teilnehmer berichtete, dass ein großer Bauer in Freischweibach eigens einen Knecht beschäftigt hatte, der sich nur um das Herbeischaffen des lebensnotwendigen Nasses für Mensch und Tier sorgen musste. Einige Stammtisch-Gäste wussten noch, dass während des heißen Sommers 1947 Wasser mit der Lokalbahn Amberg-Lauterhofen nach Ursensollen geschafft wurde, damit die Bevölkerung mit Milchkannen und Fässern an das kostbare Nass kam. Der Ziegelbrunnen zwischen Hohenkemnath und Kemnatheröd lieferte in diesem extrem trockenen Sommer als einzige Quelle noch Wasser, nachdem die örtlichen Dorfbrunnen bereits versiegt waren.

Anschließend benannten die Teilnehmer des Abends Quellen und Wasserstellen, die vielleicht heute nicht mehr so bekannt sind: Benannt wurde zum Beispiel die "Vogelhüll" zwischen Allmannsfeld und der "Hoibrück". Die "Brunnhüll" bei Heinzhof existiert noch heute und diente früher als Viehtränke. Das Waldstück "Brunnenschacht" zwischen Hohenkemnath und Erlheim hat seinen Namen von einer Doline, in der in den 1950er- und 1960er-Jahren noch Wasser geschöpft werden konnte.

Auch der Dialekt kam beim Treffen der Heimatfreunde nicht zu kurz. Die Libelle wird in Hohenkemnath als Hüllhejta bezeichnet. Die Libellen umkreisen die Gewässer, als ob sie die Hüll "behüten" würden. In Mendorferbuch heißt das schöne Insekt Hüllschnejnda. Die Gemeinde Ursensollen hat sich im vergangenen Jahr um den Status einer Biodiversität-Gemeinde beworben. Vor Ort bemüht man sich um die Kartierung und den Erhalt der biologischen Vielfalt. Die UN-Biodiversitätskonvention bezeichnet unter anderem "die Variabilität unter lebenden Organismen jeglicher Herkunft, darunter unter anderem Land-, Meeres- und sonstige aquatische Ökosysteme und die ökologischen Komplexe, zu denen sie gehören".

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